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Neuss
Die fabelhaften Laien der Gruppe Kabäuske

Neuss: Die fabelhaften Laien der Gruppe Kabäuske
Pfleger Max nervt die Bewohner der Seniorenresidenz, also schmieden diese einen Plan. Darum geht's im neuen Stück der Gruppe Kabäuske. FOTO: Georg Salzburg
Neuss. Die Reuschenberger Theatergruppe überzeugt die Gäste mit einem witzigen Stück und zeigt, wozu Laien im Stande sind. Von Judith Jakob

Angefangen hatte alles einem Karnevalssketch. Die Reaktionen war so gut, dass sich kurz darauf der Theaterkreis Kabäuske bildete und im Jahr darauf das erste Stück aufgeführt wurde.Fast 30 Jahre ist das nun her. Inzwischen feiert die Theatergruppe Kabäuske die Premiere ihres 27. Stücks. Die einfache Leinwand, die erste Kulisse, ist einer richtigen Bühne gewichen, die Begeisterung des Publikums ist geblieben. "Ich habe die ganze Zeit so gelacht, dass mir die Tränen liefen", sagte Doris Stier am Freitagabend nach der Premiere der Krimikomödie "Mensch ärgere dich nicht!" im Pastor-Bouwmans-Haus in Reuschenberg.

Das Stück handelt von vier Senioren in einer Altersresidenz, die sich ihren Alltag etwas angenehmer vorgestellt hätten. Schließlich zahle man 5000 Euro monatlich. Eigentlich wollen sie in Ruhe für ihre jährliche Theateraufführung proben. Doch Pfleger Max klaut Pralinen, serviert immer nur trockenen Napfkuchen zum Kaffee und ist auch sonst nicht gerade freundlich. Also möchten sich die Senioren sich seiner entledigen und hecken einen Plan aus.

Das Stück lebt durch die Leistung der sechs Darsteller, allesamt Laienschauspieler. Thomas Leusch überzeugt als pensionierter Schauspieler, der seinen Mitbewohnern die Liebe zum Theater vermitteln möchte, Markus Icking gibt amüsant den zittrigen, am Stock gehenden Ex-Militär. Elke Teitscheid brilliert als gewitzte Seniorin, und Sarah Schuler begeistert als strickende und Schnaps trinkende alte Dame. Dass die Darstellung im Publikum so gut ankommt, liegt auch an der professionellen Maske. "Sarah Schuler ist eigentlich keine 30 Jahre alt, auf der Bühne sieht sie aus wie 80", staunt Zuschauerin Brigitte Streese. Das ist das Werk der Maskenbildnerin Luisa Königs. "Die ganze Prozedur dauert gut eineinhalb Stunden", erklärt sie.

Aber nicht nur die Maske ist detailgetreu, auch in das Bühnenbild wurde sehr viel Arbeit investiert. "Die gesamt Bühne ist selbst gebaut. Wir gestalten sie jedes Jahr um, indem wir neu tapezieren und uns die Requisiten bei Familie und Freunden ausleihen", sagt Rainer Jurisch. Die ganze Produktion nimmt viel Zeit in Anspruch. Im Frühjahr entscheidet die Theatergruppe, welches Stück gespielt werden soll. "Ab Mai proben wir dann einmal die Woche, im August läuft unsere heiße Phase an, dann stehen wir mehrmals die Woche auf der Bühne", sagt Herbert Streese, der den Pfleger Max darstellt. Kurz vor der Premiere werden auch die Bühne und die Zuschauertribünen im Pastor-Bouwmans-Haus aufgebaut. Rund 130 Gäste können an kleinen Bistrotischen das Stück verfolgen.

Nicht nur die Bühne, auch der Backstage-Bereich wurde immer weiter optimiert. "Alles muss seinen festen Platz haben", erklärt Petra Tillmann, die eine Enkelin Tina spielt. So finden sich nicht nur viele beschriftete Schubladen, Perückenbüsten und Textbücher in der Garderobe, sondern auch ein Getränkespender für ein Schnäpschen nach der Premiere. Mit dem stößt die Truppe dann auch nach der Vorstellung an. Das Kabäuske ist ein gut organisierter Theaterbetrieb - und macht großen Spaß.

Quelle: NGZ
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