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Neuss
Die Kegelköniginnen von der Furth

Neuss: Die Kegelköniginnen von der Furth
Der Kegelclub "Rollendes Glück" um Otti Brock (r.) besteht seit 50 Jahren. Heute gehören ihm elf Frauen an. Foto: woi FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. Schon seit einem halben Jahrhundert gibt es den Kegelclub "Rollendes Glück" - aber nur noch ein Gründungsmitglied ist heute aktiv. Alle nennen sie nur "Otti". Sie ist die "Mutter" der Truppe. Der Sport ist bei den Treffen oft zweitrangig. Von Simon Janssen

Ein wenig geht es zu wie in Wimbledon. Zumindest, wenn man es auf den Dresscode bezieht. Alle elf Damen sind in blütenweißen Oberteilen im Keller der Gaststätte Lebioda erschienen. Nur fürs Foto, das schon bald eine der Wände schmücken soll. "Das hat beim letzten Mal auch schon gut ausgesehen", sagt Ottilie Brock. Sie ist die "Mutter" und gute Seele des Kegelclubs "Rollendes Glück". Die 75-Jährige, die alle nur liebevoll "Otti" nennen, ist das einzige noch aktive Gründungsmitglied der Truppe, die vor 50 Jahren zusammenfand.

Wer nur kurz im Keller der Gaststätte an der Geulenstraße vorbeischaut und die schlagfertigen Damen beim Kegeln, Feixen und Schmausen beobachtet, der merkt schnell - Otti ist die Chefin. Die gebürtige Kaarsterin hat viele kommen und gehen sehen. Es ist das Jahr 1967, als sich neun Arbeitskolleginnen aus dem Büro der Firma "Alio Großhandel" im "Haus Reuschenberg" dazu entschließen, einen Kegelclub zu gründen. In der Geburtsstunde des "Rollenden Glücks" war Kurt Georg Kiesinger noch Bundeskanzler und Eintracht Braunschweig Deutscher Fußball-Meister. Eine kleine Ewigkeit ist seitdem vergangen.

Spielszenen auf der Bundeskegelbahn: Kugel auswählen, aufsetzen und mit Schwung Richtung "Alle Neune". FOTO: jasi

Seit 35 Jahren treffen sich die kessen Keglerinnen mittlerweile jedoch bei Lebioda - alle 14 Tage, jeweils donnerstags, von 16.30 bis 19.30 Uhr. Zwar betreten alle mit vollem Elan die Bahn, wenn es darum geht, alle Neune mit ordentlich Schmackes umzukegeln, doch die regelmäßigen Treffen haben vor allem eine Funktion: Beisammensein.

Dass bei Otti und Co. die Chemie stimmt, beweisen die vielen Reisen, die im Laufe der Jahrzehnte unternommen wurden. "Wir waren in Hamburg auf der Reeperbahn, haben per Schiff die Hauptstädte des Nordens bereist", nennt Otti Brock zwei Beispiele. Schmunzelnd erinnert sich die 75-Jährige, die früher im Etienne-Krankenhaus arbeitete und noch heute dort ehrenamtlich tätig ist, an die Tour mit ihren "Kegelschwestern" nach Berlin. Mitten in der Nacht habe das Travestie-Cabaret "Chez Nous" kurzerhand noch eine Exklusiv-Show für sie gespielt. Brock war so begeistert, dass sie die Herrschaften für den 65. Geburtstag ihres Mannes buchte.

FOTO: Simon Janssen

Einmal im Jahr geht es zudem auf große Kegeltour nach Züschen im Sauerland. Immer von Montag bis Donnerstag, immer ins selbe Hotel, immer zusammen. Da darf es auch schonmal ein Schnäpschen sein - am liebsten trinkt das "Rollende Glück" roten Genever, aber auch mal einen Klaren nach dem Essen.

Mit ihren 88 Jahren ist Klara Kirschbaum das älteste Mitglied des Clubs. Seit mehr als 20 Jahren ist sie dabei. Aus gesundheitlichen Gründen kann die Furtherin zwar nicht mehr mitkegeln, aber sie kommt trotzdem. "Wegen der Gemeinschaft", sagt sie. Als die fast 89-Jährige laut darüber nachdenkt, ob sie es noch schafft, mit auf die nächste Kegeltour im Juli zu fahren, sagt Otti: "Ach, Klara, natürlich fährst du mit." Otti ist eben die Chefin.

FOTO: Simon Janssen
Quelle: NGZ
 
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