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Römerserie Manuel Andrack
"Die Legionäre waren schon harte Jungs"

Römerserie Manuel Andrack: "Die Legionäre waren schon harte Jungs"
Da fehlte bereits eine Sandale: Autor und Teilzeit-Römer Manuel Andrack auf dem Ausoniusweg. FOTO: H. Ziegler
Neuss. Der frühere Redaktionsleiter von Harald Schmidt ist für sein neues Wanderbuch in der Montur römischer Soldaten losgelaufen.

Herr Andrack, Sie kommen gerade aus dem Urlaub. Waren Sie wandern oder haben Sie am Strand entspannt?

Manuel Andrack Ausnahmsweise war ich auch ein bisschen wandern. Normalerweise nehme ich mir keine Arbeit mit in den Urlaub und kann hervorragend mit einem Stapel Bücher und Zeitungen am Strand liegen. Bei dieser Reise nach Cornwall war es eine Mischung.

Haben Sie mit dem Wandern Ihre Lebensaufgabe gefunden?

Andrack Großes Wort. Die zweite Lebensaufgabe nach der großen Lebensaufgabe Harald Schmidt. Aber ich bin ja noch jung. Vielleicht wartet noch eine dritte auf mich.

Ihr neues Buch heißt "Schritt für Schritt. Wanderungen durch die Weltgeschichte" (Malik, 19,99 Euro). Wie kam es zu dieser Idee? Hat der Verlag Sie angesprochen...

Andrack Nee, nee, nee, nee...

... oder haben Sie nach einem besonders originellen Ansatz gesucht?

Andrack Einen originellen Ansatz suche ich eigentlich immer. Das Thema hat sich so über die Jahre aufgebaut. Beim Wandern kommt man ja immer an Geschichte vorbei, ob es eine Burg ist, ein Grenzstein oder eine Römerstraße. Wege selbst waren oft auch Grenzwege. Es ist immer spannend, an Gemarkungen vorbeizugehen. Irgendwann dachte ich, das wäre ein Thema für ein komplettes Buch: Wege, die selbst historisch sind - und nicht nur die Dinge, die man vom Weg aus sieht.

Die fünfte von insgesamt 16 aufgeführten Routen beschreibt eine zehn Kilometer lange Etappe des Ausoniuswegs, der von Bingen nach Trier führt. Wieso ausgerechnet der? Sie hätten ja auch entlang des Limes gehen können, der römischen Grenze...

Andrack Der Limes eignet sich als Wanderweg nicht so. Sicher sind die Legionäre dort auch auf Patrouille gegangen, aber das ist keine der klassischen Römerstraßen. Für den Ausoniusweg sprach einmal ganz pragmatisch, dass der Hunsrück nicht so weit vom Saarland entfernt ist. Ganz entscheidend für mich aber war, dass ich den Weg schon mal gegangen bin. Wer den Hunsrück-Höhenweg kennt, der ein paar Kilometer parallel zum Ausoniusweg verläuft, der weiß, dass der tierisch langweilig ist. Die Römerstraßen gingen ja immer nur geradeaus. Also habe ich mir ein paar Jungs gesucht, die sich möglichst original wie die Römer kleiden. Dadurch ist das auch ein ganz besonderes Kapitel geworden. Ich hatte ja nicht den Anspruch, wie ein Neandertaler gekleidet durch das Neandertal zu laufen oder wie ein alter Grieche durch Griechenland - das wäre albern gewesen. Aber hier hat es speziell zum Thema "Gehen" gut gepasst. Vor allem, was wir alles dabeigehabt haben... Das hat mich schon gereizt.

Wie war die Erfahrung, angezogen wie ein römischer Legionär und mit 36 Kilo Ausstattung und Gepäck zehn Kilometer weit zu gehen?

Andrack Absolut positiv. Es war total spannend. Das Kapitel über den Ausoniusweg im Buch ist auch eines der Top-Kapitel bei meinen Lesungen. Das kommt gut an, weil es nachvollziehbar ist, wie wir da mit 36 Kilo Übergewicht durch die Gegend stolpern. Und die Zuhörer grinsen, wenn sie von meinen Imitat-Sandalen hören, weil sie sich schon denken können, was passiert...

Zur Zeit der Römer wären Sie mit 51 Jahren ein Veteran. Wie war die körperliche Herausforderung?

Andrack Ich hab' s gemeistert. Die beiden Profi-Legionäre, die mich begleitet haben, wären nach den zehn Kilometern beinahe zusammengebrochen, wohingegen die Römer ja oft 25 Kilometer an einem Tag gegangen sind. Meine Begleiter hatten zwar bessere Sandalen als ich an den Füßen, sind aber auch noch nie in diesen Sphären gegangen und hatten daher Probleme mit der Kondition. Mir hat nur der Fuß wehgetan, nachdem ich eine Sandale verloren hatte.

Normalerweise tragen Sportler Funktionsunterwäsche. Sie mussten in einem Leinentuch loslaufen. Wie geeignet ist so ein Material?

Andrack Glücklicherweise durfte ich ja meine Unterhose anbehalten. Nun ja, man schwitzt. Es war an diesem Tag etwas schwül, so etwa 27 bis 28 Grad Celsius, aber nicht unmenschlich heiß. Ich frage mich, was die damals bei 35 Grad Temperatur gemacht haben. Oder vor allem bei Minusgraden... Da hatten die ja das Gleiche an. Mir wäre das untenrum eindeutig zu kalt.

Vermutlich waren Sie dankbar, als Sie Ihre gewohnten Schuhe wieder anziehen konnten...

Andrack Als ich das elf Kilo schwere Kettenhemd abgelegt hatte, hatte ich schon das Gefühl zu schweben. Da meine Wanderschuhe aber im VW-Bus der beiden anderen lagen, musste ich erst einmal barfuß mit dem Auto zum Hotel zurückfahren. Als ich dann meine tollen, bequemen, leichten Wanderschuhe anziehen konnte, war das himmlisch.

Würden Sie diese Wander-Erfahrung anderen zur Nachahmung empfehlen?

Andrack Auf jeden Fall. Nun ist das etwas schwierig, weil die Jungs ihr Zeug nicht verleihen. Aber wenn das ein Trend würde ... das wäre unbedingt empfehlenswert. So als Selbsterfahrung gibt es beklopptere Arten, in Historie einzutauchen. Allerdings würde ich darauf bestehen, waschechte Römersandalen zu tragen.

Sind wir heutigen Menschen Weicheier im Vergleich zu den römischen Legionären?

Andrack Das waren definitiv harte Jungs. Von der Grundausbildung bei der Bundeswehr kennt mancher 40-Kilometer-Märsche mit 20 Kilo Gepäck, aber so etwas macht unsereins normalerweise nicht. Die Legionäre waren schon körperlich fit. Den Ausoniusweg ist vermutlich aber auch keiner langmarschiert, der aus Italien kam. Die Römer waren ja auch darum so erfolgreich, weil sie attraktive Jobs boten. Das werden Einheimische gewesen sein, die das nicht aus Spaß an der Freud' gemacht haben, sondern weil sie genug zu essen hatten, für die damaligen Verhältnisse gut verdienten und später als Veteranen eine Rente und ein Häuschen bekamen. Dafür hat man sich dann ein bisschen gequält.

SUSANNE NIEMÖHLMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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