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Neuss
Die letzte Sauerkrautfabrik verlässt Neuss

Neuss. Seit 1861 ist der Name Leuchtenberg mit Neuss verbunden. Jetzt hat Joachim Küppers als Besitzer die Fabrik verkauft und sucht nach einem neuen Standort für das Werk. Das Gelände hat der Bauverein erworben und plant Wohnungen. Von Christoph Kleinau

Der Kappes verliert in Neuss wohl seine letzte Verarbeitungsstätte. Nach Traditionsfirmen wie Sand und Rheins & Nolden kündigt sich nun auch das Ende der 1861 gegründeten Firma Leuchtenberg an. Zumindest in Neuss. Wahrscheinlich zum 30. September 2017 wird der Neusser Bauverein das fast einen Hektar große Firmengelände an der Augustinusstraße übernehmen und darauf - in Sichtweite zum Obertor - ein neues Wohnquartier errichten. Das Investitionsvolumen beziffert Bauvereins-Vorstand Frank Lubig auf rund 30 Millionen Euro.

Die Zukunft des Werkes ist offen. "Es geht auf jeden Fall weiter", versichert Inhaber Joachim Küppers, der die Arbeitsplätze der Firma, die zwischen Oktober und Frühling Hochsaison hat, erhalten will. "Wir bieten allen Mitarbeitern an, mitzugehen", sagt Küppers - nur wohin, das ist noch nicht klar. Er sei in Verhandlungen. Damit scheint die Option einer Verlagerung nach Norf, wo die Familie Grundstücke besitzt, vom Tisch. Und um andere Flächen in Neuss hat sich das Unternehmen zumindest bei der Stadt nicht bemüht, erklärt Wirtschaftsförderer Frank Wolters auf Nachfrage.

Zwischen dem notariell beurkundeten Kauf der Fläche und deren Übernahme liegen fast zwei Jahre. Küppers kann diese Zeit nutzen, um die aus betriebswirtschaftlichen Gründen nötige Verlagerung zu organisieren. "Ziel ist es, dadurch die Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern", sagt er. Und Lubig weiß auch, wie die Zeit zu nutzen ist. "Wir müssen noch Baurecht schaffen", sagt er.

Den Plänen des Bauvereins wurde zunächst eine Machbarkeitsstudie zugrunde gelegt, um zu ermitteln, was auf dem Eckgrundstück zum Hammfelddamm möglich ist. Ergebnis: rund 150 Wohneinheiten. Davon sollen 80 Prozent öffentlich gefördert und 20 frei finanziert aber "preisgedämpft" sein, sagt Lubig.

Wie die auf den 9600 Quadratmetern Fläche verteilt und angeordnet werden, soll nun in einem ersten Schritt mit einem städtebaulichen Wettbewerb geklärt werden, zu dem die Stadt und der Bauverein jeweils drei Büros einladen werden. Den würde Lubig am liebsten noch im Februar starten, um zeitnah einen Architektenwettbewerb folgen lassen zu können. Doch nun muss sich der Bauverein die Aufgabenstellung durch den Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung in der übernächsten Sitzung Mitte März erst noch bestätigen lassen.

Seit dem Ankaufbeschluss des Aufsichtsrates im Dezember 2014 und dem Gang zum Notar zwei Jahre später wurden Grundlagen dafür erarbeitet. So lägen schon Verkehrs- und Schallschutzgutachten vor, sagt Lubig. Auch ein Gutachten zu einer möglichen Strahlenbelastung durch den benachbarten Telekom-Verteiler wurde gemacht.

Gleich nach Vertragsunterzeichnung wurde zuletzt ein Ortstermin im Garten des direkt angrenzenden Klosters Immaculata verabredet, an dem auch Planungsdezernent Christoph Hölters teilnahm. Die Ordensfrauen hätten den Wunsch geäußert, an der Neugestaltung beteiligt zu werden, sagt Hölters. Denn an die Sauerkrautfabrik grenzt ihr derzeit vor fremden Blicken geschützter Garten ebenso wie das jüngst erweiterte Hospiz. Auf diese Befindlichkeiten werde man Rücksicht nehmen, heißt es im Rathaus wie beim Bauverein.

Quelle: NGZ
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