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Neuss
Die Neusser Tafel platzt aus allen Nähten

Neuss: Die Neusser Tafel platzt aus allen Nähten
Monika Luchs hilft ehrenamtlich bei der Neusser Tafel. Die Kleiderkammer ist proppevoll bestückt - auch ein Bereich der Tafel. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Die Nachfrage nach preiswerten Lebensmitteln und Kleidung nimmt zu. Die Tafel sucht deshalb neue Räume näher Richtung Innenstadt. Von Susanne Genath

Die Regale an der Düsseldorfer Straße sind bis oben gefüllt, die Ständer davor dicht behängt. Nur ein paar Meter nebenan werden Obstkisten sortiert. "Wir brauchen dringend größere Räume", sagt Rebecca Schuh, Leiterin der Neusser Tafel. Der Verein gibt Kleidung, aber auch Essen gegen einen geringen Obolus ab. "Wenn wir die Lebensmittel verteilen, haben die Leute hier drinnen kaum Platz. Und wir können auch nirgends mit einem Besucher diskret reden." Dabei werde der Andrang stetig größer, auch immer mehr Flüchtlinge nutzten das Angebot.

350 Quadratmeter sind die Räume an der Düsseldorfer Straße groß. 2012 war die Tafel von der Rheinstraße ins Barbaraviertel umgezogen, um Kleiderkammer und Lebensmittelausgabe an einem Ort zu bündeln. "Wir bräuchten jetzt etwa 500 Quadratmeter", sagt Schuh.

60 bis 70 Frauen und Männer kämen jeden Tag an die Düsseldorfer Straße. "Außerdem bringen wir seit letztem Jahr zwei Mal die Woche Lebensmittel in die Flüchtlingsheime an der Bergheimer Straße und am Derendorfweg." Die Nachfrage der Asylbewerber sei so groß gewesen, dass es einfacher sei, sie direkt vor Ort zu versorgen. "Wir überlegen, auch noch weitere Heime anzufahren."

Die Stadtverwaltung bestätigt, dass das Angebot der Tafel von Flüchtlingen gerne angenommen werde. Allerdings bedeute das nicht, dass die Menschen sonst hungern müssten. "Die Sozialleistungen für Asylbewerber - nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes nur noch knapp unter den ,Hartz-IV-Sätzen' - sind ausreichend", sagt Stadtsprecher Peter Fischer. "Der Umgang mit den Geldern ist natürlich individuell unterschiedlich." Wer sich bei der Neusser Tafel versorge, habe unter Umständen mehr Mittel für andere Dinge des täglichen Lebens zur Verfügung.

Um sich zu vergrößern, hat die Tafel schon einen neuen Standort ins Auge gefasst. "Am liebsten würden wir eine leere Lagerhalle im Hafen mieten, die wir renovieren könnten." Dann sei man auch wieder näher an der Innenstadt. Denn es habe sich gezeigt, dass die Verkehrsanbindung an der Düsseldorfer Straße nicht ideal sei. "Ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen haben Schwierigkeiten, mit der Straßenbahn zu kommen, weil sie den hohen Einstieg nicht schaffen."

Dann fänden sich möglicherweise auch mehr ehrenamtliche Helfer, die das Angebot der Tafel aufrecht erhalten. "Die meisten unserer 35 Kollegen sind im Rentenalter, die Älteste ist 82", berichtet Schuh. Man brauche händeringend weitere Unterstützung.

So wie Monika Luchs und Margret Saler. Die zwei Rentnerinnen kennen sich in der Kleiderkammer, die ebenfalls nicht Bedürftigen offen steht, bestens aus. "Wir haben ganz tolle Sachen, auch für Babys, von denen Etliches nur 50 Cent oder einen Euro kostet", sagt Saler (69) und hält einen bunten Strampler hoch. "Leider wissen das viele Menschen nicht."

Quelle: NGZ
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