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Katharina Peters
Die Neusserin, die ganz hoch hinaus will

Katharina Peters: Die Neusserin, die ganz hoch hinaus will
Katharina Peters FOTO: Juliana Socher
Neuss. Die Chemie-Ingenieurin Katharina Peters (31) könnte als erste deutsche Frau zur Raumstation ISS fliegen. Von Simon Janssen

Im Jahr 2020 könnte die Chemie-Ingenieurin Katharina Peters sich auf den Weg Richtung Raumstation ISS machen, die 400 Kilometer über der Erde schwebt. Doch bis zur Astronauten-Ausbildung gibt es noch einige Hürden zu überwinden.

Schauen Sie in diesen Monaten anders in den Nachthimmel als sonst?

Katharina Peters Ja, das Thema Weltall ist bei mir aktuell sehr präsent. Ich versuche mich einzufühlen, wie es denn da oben wäre, lese alles Mögliche darüber - zum Beispiel ein Buch des kanadischen NASA-Piloten Chris Hadfield - und beschäftige mich mit dem anstehenden Auswahlverfahren und wie ich mich darauf vorbereiten kann.

Sie sind eine von 120 Frauen, die die Chance haben, auf der ISS Experimente durchzuführen. Wie kam es zu der Bewerbung?

Peters Eine meiner Nichten hat mich Anfang April auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht, weil sie weiß, dass ich Wissenschaftlerin und sehr technikaffin bin. Außerdem kann ich mich für solche Zukunftsthemen begeistern.

Wie kann man sich so eine Astronauten-Bewerbung vorstellen?

Peters Zunächst galt es, im ersten Bewerbungsschritt verschiedene Unterlagen zusammenzustellen - unter anderem ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis. Auch ein rund einminütiges Motivationsvideo habe ich eingeschickt. Ende des Monats werde ich erfahren, ob ich unter die letzten 90 Bewerberinnen komme. Sollte ich das schaffen, dann stehen Tests beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt an. Anfang nächsten Jahres wird es dann nur noch zehn Kandidatinnen geben.

Am Ende können jedoch nur zwei die Astronauten-Ausbildung absolvieren.

Peters Genau, und nur eine darf ins Weltall fliegen. Die andere ist sozusagen Reserve, darf aber die komplette Ausbildung mitmachen.

Welche Tests müssen denn beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gemeistert werden, um weiterzukommen?

Peters Sowohl medizinische als auch psychologische. Ich versuche, mich sowohl körperlich als auch geistig fit zu halten. Ich stelle es mir wie einen Pilotentest vor.

Mit welchem Sport halten Sie sich fit?

Peters Ich gehe viel joggen, früher war ich Leichtathletin in der TG Neuss. Zudem mache ich Yoga und ein Fitnessprogramm namens Freeletics.

Wissen Sie, was bei der Astronauten-Ausbildung auf Sie zukäme? Man kennt ja die Bilder von den schwindelerregenden Tests.

Peters Genau, das sind sogenannte Parabelflüge. Viel weiß ich noch nicht darüber, auch wenn ich mir bereits ein wenig angelesen habe. Die Ausbildung soll ungefähr zwei Jahre dauern.

Hätten Sie keine Angst vor der Reise?

Peters Nein, ich wäre nur sehr aufgeregt und gespannt.

Wann wäre es denn so weit?

Peters Der Flug ist für 2020 geplant.

Was wäre Ihre Aufgabe auf der ISS?

Peters In Kooperation mit der Berliner Charité sollen Versuche am Körper durchgeführt werden. Für Frauen hat man noch nicht so viele Daten gesammelt wie für Männer. Auch Experimente mit verschiedenen Materialien sind geplant. Ich hoffe, dass man die Ergebnisse der Experimente später gut jungen Menschen vermitteln kann, um zu zeigen, wie spannend Wissenschaft ist.

Welchen Vorteil, denken Sie, haben Sie als Chemie-Ingenieurin?

Peters Während meiner Promotion habe ich viereinhalb Jahre im Labor gearbeitet - auch in einem sogenannten Reinraum. Oder mit Gloveboxen, die gegenüber dem umgebenden Arbeitsraum gasdicht abgeschlossen sind, und in denen man nur mit speziellen Handschuhen arbeiten kann. Solche Boxen gibt es auch auf der ISS. Diese Erfahrung wäre vielleicht ein Vorteil. Während meiner Arbeit als Unternehmensberaterin bei McKinsey & Company habe ich mich zudem mit Prozessoptimierung beschäftigt - also mit schnellem, effizienten Arbeiten.

Was würden Sie als erstes machen, sobald die Schwerelosigkeit eintritt?

Peters Zu Beginn kann man sich, glaube ich, noch gar nicht so gut bewegen. Als erstes würde ich mich aber ein wenig herumdrehen, um zu sehen, wie mein Körper reagiert. Und ein bisschen Quatsch muss sein (lacht).

SIMON JANSSEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: NGZ
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