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Neuss
Die Rückkehr des Königs Heinrich VIII.

Neuss: Die Rückkehr des Königs Heinrich VIII.
Bea von Malchus in einer der Rollen für "Heinrich VIII.". FOTO: Bernhard Fuchs
Neuss. Bea von Malchus begeisterte mit dem Solo "Heinrich VIII." schon vor sechs Jahren im Globe.

Als Bea von Malchus vor sechs Jahren im Globe nach zwei Stunden "Heinrich VIII." tobender Applaus entgegenbrandete, hatte sie zum ersten Mal das Gefühl: "Ist das großartig!" Eigentlich mag die 57-Jährige, die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin in einem ist, es gar nicht, beklatscht zu werden. Wie bitte? Ist Applaus denn nicht das Brot des Künstlers? "Ich weiß, das klingt komisch", sagt sie entschuldigend, "aber es ist wirklich so."

Und von wegen "Brot des Künstlers": Wenn sich Bea von Malchus über eines ärgern kann, dann ist es über mangelnde Förderung der Kultur durch die öffentliche Hand. Deswegen fährt sie, die in Freiburg zu Hause ist, auch nicht gern gen Norden: "Je nördlicher man kommt, desto ärmer sind die Kommunen", sagt sie.

Aber Neuss macht da die Ausnahme. Nicht wegen des Geldes. Den Aufwand der langen Fahrerei nimmt sie vor allem deswegen auf sich, weil sie im Globe spielt. "Es ist ein magischer Ort", sagt sie und meint damit nicht nur den Holzbau allein, sondern das ganze Drum und Dran - inklusive des Teams, das sich um alles kümmert, und des Publikums.

Die Anfrage von Festivalleiter Rainer Wiertz, ob sie sie nicht erneut beim Shakespeare-Festival auftreten möchte, kam erstens nicht von ungefähr und zweitens bei ihr sofort positiv an. Mit "Heinrich VIII." hatte sie 2010 das Publikum begeistert, mit "Shake Lear!" war sie 2012 an der Rennbahn - und nun wollte und sollte sie ein drittes Mal kommen, aber hatte keine weitere Shakespeare-Adaption auf Lager. Den Kennedys ist ihre neueste Bühnenproduktion gewidmet, auch diese ein Solostück wie die sieben abendfüllenden Vorgänger. "Aber das passt nun wirklich nicht zum Festival", sagt sie schmunzelnd, also fiel die Entscheidung wieder auf "Heinrich VIII." Drei Vorstellungen (heute bis Montag) sind eingeplant, die Karten waren schnell ausverkauft, mit Glück lässt sich an der Abendkasse noch eine Karte ergattern.

Ganz so wie vor sechs Jahren fällt ihre Inszenierung, in der sie alle Rollen selbst spielt, nicht mehr aus. "Ich glaube, ich habe sie etwas gekürzt", sagt sie vorsichtig, denn sie spielt weniger nach Textbuch als vielmehr analog zu "körperlichen Mikro-Aktionen: Wenn ich mir hinten an das Kleid fasse, weiß ich, welche Zeilen dazugehören".

Mit dieser Art des Erzähltheaters über große Stoffe hat von Malchus ihren Weg gefunden. Es war nicht einfach, gibt sie zu. Und brauchte wohl auch die ersten Misserfolge nach Jahren großer Erfolge als Schauspielerin, Dramaturgin und Regisseurin. "Ich habe große Freude daran, etwas ganz neu kennenzulernen", sagt sie nun und ergänzt: "Ich fühle mich dadurch richtig angereichert."

(hbm)
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