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Neuss
Die Sanierung der Stadtmauer beginnt

Neuss: Die Sanierung der Stadtmauer beginnt
"Plötzlich tat sich eine Schießscharte auf": Hermann Loosen (r.) von der Bodendenkmalpflege auf der freigelegten Rückseite der Stadtmauer. FOTO: Woitschützke
Neuss. An der Batteriestraße haben Archäologen die Mauer am Gymnasium Marienberg freigelegt. Die Stützbalken werden bald überflüssig. Von Christoph Kleinau

Die Stadt nimmt ihre Stadtmauer in den Blick und saniert zuerst den Abschnitt an der Batteriestraße in Höhe des Gymnasiums Marienberg. Endlich, werden viele sagen, die sich dort vor allem am Anblick der hölzernen Stützbalken stoßen. Gerade noch rechtzeitig, sagt Gerd Eckers vom Tiefbaumanagement der Stadt. Er weiß seit zwei Jahren, dass die Stützwand "gerade noch standsicher" ist und will ihr nun den Erddruck nehmen, der von der Stadtseite her auf dem Gemäuer lastet und es schon vor Jahrzehnten umzustürzen drohte. Im Oktober soll die Sanierung abgeschlossen sein, 125.000 Euro wird sie kosten.

Die Absicherung eines 30 Meter langen Mauerstücks würde andernorts kaum jemand hinter dem Ofen hervorlocken. Nicht so in Neuss und schon gar nicht, wenn die Archäologen ausrücken. Sie haben noch nie nichts gefunden, wenn im mittelalterlichen Ortskern gegraben wird. Nun legte Stadtarchäologin Sabine Sauer eine Mauer frei, an der die unterschiedlichen Bau- und Reparaturphasen vom 12. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre abzulesen sind.

Die Mauer am Marienberg soll künftig ohne Stützbalken stehen können. FOTO: Woitschützke Andreas

Hinzu kommt, dass gerade bei solchen Innenstadtbaustellen vieles mit vielem zusammenhängt. Für Planungsdezernent Christoph Hölters sind das drei wesentliche Projekte: Erstens: Die Aufwertung der Stadtmauer, von der zehn Abschnitte noch erhalten sind. "Diese sind identitätsstiftend - und das wollen wir würdigen", sagte er. Nach der Mauer an der Batteriestraße wird in einem zweiten Schritt das gut erhaltene Stück der Wehranlage am Burggraben (hinter dem Neumarkt) wiederhergestellt und mit Licht neu in Szene gesetzt. Zweitens ist die Stadtmauer am Marienberg ein Element aus dem Sanierungsprojekt östlicher Innenstadtrand. Drittens - und das weist deutlich nach vorne - eröffnet die Entfernung der seit 1990 im Weg stehenden Stützbalken die Möglichkeit, die Batteriestraße umzubauen. Pläne für einen neuen Straßenquerschnitt gibt es noch nicht, doch "Gewinner" sollen die Radfahrer sein.

Was die Balken bislang stützten, ist eine Feldbrandmauer, die im 17. Jahrhundert, als die Rheinfront zur Batteriestellung ausgebaut wurde, zuletzt erneuert wurde. Sie ruht auf Fundamenten, die bei Suchgrabungen vom Niveau der Batteriestraße aus gemessen drei Meter tief ins Erdreich verfolgt wurden - ohne dass die Unterkante erreicht wurde. Dieses Fundament, Teile der Mauer unterhalb des Klosters Marienberg und ein Mauerstück im nördlichen Abschnitt stammen aus dem 12. Jahrhundert, als die Stadtbefestigung entstand. Das dazwischen liegende Stück wurde deutlich verändert. So wurde 1716 ein Turm für ein Gebäude abgebrochen, das bis in die 1960er Jahre als Lehrerwohnung diente. Und nördlich anschließend wurden von der Rückseite der Mauer aus Balkenlöcher geschlagen, die ab 1899 ein Gebäude trugen, das als Bewahrschule diente. "Heute", so Hölters, "würde man OGS sagen."

Bevor Mauerwerk und Fugen erneuert und die Mauerkrone neu befestigt wird, soll auf der Stadtseite ein Graben ausgehoben und mit einer Masse verfüllt werden,welche die Mauer statisch sichert.

Quelle: NGZ
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