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Neuss
Die Schneemacher

Neuss: Die Schneemacher
Die Skihalle in nächtlicher Beleuchtung ist für Neuss in ganz Deutschland zum Wahrzeichen geworden. FOTO: Berns, Lothar (lber)
Neuss. Wie August Pollen und Johannes Janz fast 30 Jahren aus einem kleinen Reiseveranstalter die Allrounder Mountain Resort mit Skihalle, Hotel und eigener Schneeproduktion in Neuss schufen.

Es war das Ende eines launigen Abends in der Mönchengladbacher Altstadt, der Ende der 90er Jahre die geniale Idee brachte. August Pollen und Johannes Janz, zwei Selfmade-Skireiseunternehmer, eilten zum Taxistand am Hauptbahnhof. Der Weg von der Spaßmeile zum Platz der Chauffeure führte bergab durch die Innenstadt. Ihr Leben lang hatten sie schon mit Bergen zu tun, ihr Studium als Skilehrer und Bergführer finanziert. An diesem Abend störte sie, dass es zu Fuß so langsam bergab ging, wo es doch mit Skiern auf Schnee viel schneller geht. So erinnert sich Pollen heute daran, wie ihm und seinem Geschäftspartner die Idee zum Ski-Event in Mönchengladbach kam. Die künstliche Skipiste auf der Hindenburgstraße sorgte bundesweit für Aufsehen - die Keimzelle der heutigen Skihalle Neuss. "Wir haben das Ski-Event in Mönchengladbach als Werbeplattform für Reisen und das Sportgeschäft gestartet - wir sind förmlich überrannt worden", sagt Pollen.

Johannes Janz und August Pollen in der Lounge des 2011 eröffneten Hotels "Fire & Ice". FOTO: Lothar Berns (Archiv)

Heute sind Pollen und Janz Geschäftsführer der Allrounder Mountain Resort GmbH. Vor fast 30 Jahren begannen sie als Skireiseveranstalter mit einer Handvoll Flyern, ausgelegt in einer Kneipe. Heute haben sie in Neuss einen Spaß-Gletscher mit Skipiste, Kletterpark, Almgolf, Bogenschieß-Anlage, Sportgeschäft, Partyzone und Vier-Sterne-Hotel errichtet, den im Jahr rund 1,2 Millionen Gäste besuchen. Möglich machte dies nicht nur die raffinierte Geschäftsidee, sondern dass die Investoren der Vibro Beteiligungs-GmbH in Mönchengladbach daran auch glaubten. Heute ist Allrounder ein mittelständisches Unternehmen, das inklusive aller Aushilfen rund 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Über die Jahre ist die Skihalle (die als erste von insgesamt sechs in Deutschland wenige Tage vor der in Bottrop eröffnete) zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden, für das Neuss bundesweit bekannt ist. Schnee aus dem Rheinland ist mittlerweile ein echtes Exportprodukt. Als im vergangenen Jahr das Skispringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf dringend Schnee benötigte und es sogar zu warm für die eigenen Schneekanonen war, orderten die Veranstalter 10.000 Kubikmeter aus Neuss. Also liefen die zwölf Schneekanonen in Neuss auf Hochtouren und produzierten aus feinsten Wassertröpfchen, eiskalter Druckluft und einer Temperatur von minus vier Grad genug von der weißen Pracht. Das ist das ganze Konzept des Neusser Schnees, von dem weit mehr als 100.000 Kubikmeter in den vergangenen Jahren produziert und zu Ski-Events in Innenstädten und Stadien geliefert wurden. In Neuss selbst nutzen in den Sommermonaten einige internationale Skimannschaften die Piste, um Materialien unter Laborbedingungen zu testen.

40 Millionen Euro betrug die Anfangsinvestition in die Skihalle, seitdem wird jedes Jahr in Ausbau und Erweiterung des Angebots investiert. "Wir haben tolle Partner, die eine langfristige Entwicklung im Auge haben und dem Unternehmen die Möglichkeit geben, gesund und organisch zu wachsen", sagt Pollen. Alles, was Spaß macht, wofür es möglicherweise eine Zielgruppe geben und was als Geschäftsidee funktionieren könnte, wird erwogen.

Ideen kommen von Mitarbeitern und Gästen - und weiter von den beiden Gründern selbst. Dazu ziehen sie sich noch immer zum kreativen Gespräch in die Kneipe oder zum Skifahren zurück. "Das ist für uns die beste Möglichkeit querzudenken. Von diesen Meetings bringen wir immer reichlich Bierdeckel mit neuen Notizen zu neuen Ideen mit. Und irgendwann ist die gute Idee da, die einen nicht mehr loslässt", sagt Pollen. Platz für neue Attraktionen und Trendsportarten gibt es auf dem Areal der ehemaligen Müll-Deponie noch reichlich. "Wir sind in Gesprächen mit der Stadt, welche Möglichkeiten es gibt, das Gelände weiter zu entwickeln", sagt Johannes Janz. "Wir sind frohen Mutes, brauchen aber die Unterstützung der Stadt."

Quelle: NGZ
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