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Neuss
Die Sicht junger Menschen auf das Alter

Neuss. Eigentlich wollte Mario Andreas Bäsken (23) immer zur Polizei. "Oder zum Zoll", sagt er. Als er 2011 ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Diakonie in Neuss machte, änderte er seine Pläne. "Ich habe gemerkt, dass ich mit Menschen arbeiten will", erzählt er. Sönke Erichsen (28) ging es anders. Nach dem FSJ entschied er sich gegen einen sozialen Beruf, obwohl er heute noch nebenher im Altenheim aushilft. "Ich muss am Ende ein Produkt in der Hand halten." Für ein Projekt, das Kunsttherapeutin Elke Bludau iniziiert hat, beantworteten unter anderem die beiden ehemaligen FSJler in einem Interview 18 Fragen - zum Beispiel was Alt sein für sie heißt oder was Glück im Alter bedeutet.

"Gesundheit und Familie sind wichtig", sagt Erichsen, der seit der Zeit bei der Diakonie eine ganz klare Vorstellung vom Alter hat. Bäsken will nicht vergessen werden, wenn er einmal alt ist. Die Interviews hat Elke Bludau ins Netz gestellt, "und das ist nur der Anfang", hofft die 55-Jährige. Eine Kommunikationsplattform zwischen Jungen und Alten will sie anstoßen, junge Erwachsene sollen einen Eindruck bekommen von der Arbeit mit alten und vielleicht kranken Menschen, Erwachsene und ältere Menschen sollen ihre (Vor-)Urteile Jugendlichen gegenüber ablegen.

Die können nämlich sehr wohl Empathie und Herz zeigen. Vielleicht wird Bludau ähnliche Interviews mit Angehörigen von alten Menschen führen, vielleicht mit den Alten selbst. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Texte der FSJler vorgelesen werden, für alle, die nicht mit dem Internet umgehen können", sagt die Kunsttherapeutin. Mario Andreas Bäsken und Sönke Erichsen haben ihre Entscheidung nie bereut, nach der Schule ein FSJ gemacht zu haben, auch wenn es schlimme Tage gab, gerade am Anfang, als Bewohner starben, die den jungen Männern ans Herz gewachsen waren.

www.perspektivealtsein.de

(esc)
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