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Dolores Burkert
"Die Stadt hat enormen Personalbedarf"

Dolores Burkert: "Die Stadt hat enormen Personalbedarf"
Seit 2005 ist Dolores Burkert bei der Stadt Neuss tätig. Nach ihrem Jura-Studium in Köln arbeitete sie unter anderem als Journalistin. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Die Neusser Personaldezernentin Dolores Burkert spricht über zusätzliche Belastungen der Verwaltung durch die Flüchtlingssituation, die Bewerbungsflut im vergangenen Jahr und die gestartete Ausbildungsoffensive der Stadt.

Frau Burkert, nach dem Bürgermeisterwechsel befindet sich die Verwaltung in einer Umbruchphase. Insbesondere Sie als Personaldezernentin sind gefordert. Wie äußert sich das?

Dolores Burkert Allein wegen der Flüchtlingsthematik haben wir enormen Personalbedarf. Zwar wurden bereits über 50 neue Stellen geschaffen, auf der anderen Seite führt die Situation aber auch zu einer deutlichen Belastung des vorhandenen Personals. Schließlich müssen die vorherigen Aufgaben weiterhin in der gleichen Qualität und im gleichen Umfang geleistet werden. Wir befinden uns also in einem Spagat, Mehrstellen schaffen zu müssen, aber auch darauf zu achten, dass unser Personal nicht absolut überlastet wird.

Wird das Thema unterschätzt?

Burkert Ja, alle Handlungsfelder, die vor der Flüchtlingsthematik vorhanden waren, gibt es auch weiterhin. Das Thema überlagert sämtliche Bereiche - sei es Bürger-, Ordnungs- oder Jugendamt. Die Mitarbeiter haben jetzt alle mehr zu tun.

Wie viele Bewerbungen erhalten Sie derzeit?

Burkert Normalweise sind es 1000 pro Jahr. 2015 waren es jedoch mehr als 3000. Dieser Umschlag hat natürlich Auswirkungen auf den gesamten Personalbereich.

Sie führen aber nicht alle Bewerbungsgespräche selber, oder?

Burkert Nein, das wäre unmöglich zu leisten (lacht). Es kommt immer auf die Position an. Wenn zum Beispiel Amtsleiterstellen neu besetzt werden, bin ich selbstverständlich dabei.

Wer entscheidet denn, ob eine Stelle ausgeschrieben wird oder nicht?

Burkert Wir haben eine Organisation, die sozusagen am Puls der Zeit ist. Sie steht in engem Austausch mit den Fachbereichen und klärt ab, wo Bedarf herrscht.

Und der Bedarf ist scheinbar groß.

Burkert Wir haben viele Jahre gespart und sind mittlerweile an einer dünnen Personaldecke angekommen. Dieser Fakt vermengt mit der Flüchtlingsthematik bringt uns dazu, dass wir momentan gar nicht daran denken können, wo wir weiter sparen. Wir schauen eher, dass alle ausgeschriebenen Stellen auch nachbesetzt werden. Hier arbeiten wir stark am Thema Arbeitgeberattraktivität.

Gilt das auch für das Thema Ausbildungen?

burkert Ja, wir haben eine Ausbildungsoffensive gestartet. Dabei war es wichtig, neben der Altersstruktur auch die Fluktuation zu analysieren. Es gibt nämlich viele Ab- und Zuwanderungen. Auch in Technik- und Medienberufen schreiben wir wieder aus. Wir öffnen das Thema Ausbildung also vehement nach außen.

In welchen Bereichen wollen Sie noch zusätzliches Personal einstellen?

Burkert Zum Beispiel in der Grundsicherung. Es gibt aber aus vielen Bereichen Anfragen - wie im Bürger- und Ordnungsamt. Das gilt eigentlich für den gesamten Sozial-bereich. Der hat momentan absolute Priorität.

Wie sieht es beim Thema Grünflächen aus?

Burkert Dort läuft derzeit eine Organisationsuntersuchung. Für die Stellen, die definitiv nachbesetzt werden sollen, werden Gespräche geführt. Sobald uns die Organisation grünes Licht gibt im Hinblick auf weitere Ausschreibungen, dann wird das peu à peu passieren.

Die Gewerkschaften fordern, dass die Vergütungen im öffentlichen Dienst linear um sechs Prozent angehoben werden sollen. Wie gehen Sie damit um?

Burkert Wie immer. Tarifverhandlungen laufen im Grunde alle zwei bis drei Jahre. Meistens trifft man sich irgendwo in der Mitte. Wir rechnen gerade durch, was es an Mehrbelastung ausmachen würde. Um eine Erhöhung werden wir nicht herum kommen. Es ist nur die Frage, wie viel. Sechs Prozent mehr wird es aber sicher nicht geben.

SIMON JANSSEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: NGZ
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