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Neuss
Die Suche nach dem verschollenen Erben

Neuss: Die Suche nach dem verschollenen Erben
Ein Bild aus dem Jahr 1958 zeigt den kleinen Thomas Burghartz mit Eltern und Großmutter. Das Bild soll helfen, Erben zu finden. FOTO: NGZ
Neuss. Ein Anwalt und ein Detektiv aus den Niederlanden suchen Verwandte eines Mannes mit Wurzeln in Grimlinghausen. Von Christoph Kleinau

Eine Spur führt nach Neuss. Dort, im Ortsteil Grimlinghausen, wurde am 25. Oktober 1925 Johannes Burghartz geboren, der 1993 im niederländischen Venlo starb. An diesen Namen und diese Person knüpft der Rechtsanwalt Koen Boddaert große Hoffnungen, denn er muss den Nachlass eines Mannes vermitteln, der am Ende seines 60-jährigen Lebens offenbar völlig alleinstehend war. Für Boddaert ein schwieriger Fall. Deshalb hat er sich zum ersten Mal in seiner Laufbahn entschlossen, per Zeitungsannonce nach Erbberechtigten zu suchen - und einen Privatdetektiv eingeschaltet.

Boddaert hütet den Nachlass von Thomas Burghartz, der im Juni 1957 in Düsseldorf geboren wurde und Ende Mai in dem niederländischen Örtchen Horst aan de Maas starb. Was zum Erbe gehört, darf Boddaert nicht sagen. Das sei eine Information nur für die Erbberechtigten - wenn sich welche finden. Im ersten Zugriff jedenfalls fand sich niemand. "Er war kinderlos und ledig, hat keine Geschwister und keine Eltern oder Großeltern", sagt Boddaert. Und weil sich auch kein Testament fand, wurde er als Liquidator eingeschaltet. Bleibt er erfolglos, fällt das Erbe dem niederländischen Staat zu.

Aber vorher tut Klaas Zondervan noch seine Arbeit. Der Detektiv, der sich auf Erbenermittlung spezialisiert hat, "verfolgt nicht wirklich eine Spur", wie er zugibt. Aber er habe den Fall auch gerade erst übernommen. Er werde nun erst einmal Dokumente bei den Behörden anfordern, kündigte er an.

Jens Metzdorf kennt solche Suchen. "Diese Anfragen sind unser täglich Brot", sagt der Leiter des Stadtarchivs. Dort binden solche - gebührenpflichtigen - Recherchen die Hälfte der Zeit eines seiner Mitarbeiter. Explosionsartig zugenommen haben solche Anfragen, seit das Archiv im Jahr 2009 die Altdaten des Standesamtsregisters übernommen hat.

An diese Daten richten viele Interessenten ihre Fragen - von denen die wenigsten jemals den Lesesaal des Hauses betreten. Private Ahnenforscher nennt Metzdorf als Nutzer, Erbenermittler, Notare, Amtsgerichte, aber auch Suchdienste aus dem In- und Ausland. Dabei geht es auch um die Klärung von Schicksalen von Zwangsarbeitern, die im Zweiten Weltkrieg in Neuss eingesetzt wurden, oder um Euthanasieopfer. Einen solchen Fall, der von Angehörigen an das Archiv herangetragen wurde, konnte Metzdorf jetzt aufklären. Die Angehörigen kannten Namen und Geburtsdatum, im Archiv ermittelten die Mitarbeiter in aufwendiger Recherche ein Todesdatum im Jahr 1941 und den Todesort. "Hadamar in Mittelhessen, eine Tötungsanstalt", sagt Metzdorf.

In solchen Fällen kommt immer eine Rückmeldung, bei Erbfällen nie, sagt Metzdorf.

Bei Klärung des Erbfalls Burghartz setzt Boddaert nicht nur auf die Neusser Karte - und geht über die Eltern des Toten noch eine Generation weiter zurück. In der Hoffnung, dass in einer sich dabei auftuenden Nebenlinie noch Erbberechtigte zu finden wären. So kommen neben dem Vater auch dessen Eltern Wilhelm und Elisabeth Burghartz in den Blick. Und die Linie der Mutter, die 1926 in Düsseldorf als Klara Elwin geboren wurde, sowie deren Eltern Robert und Anna.

Quelle: NGZ
 
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