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Neuss
Die Werhahn-Story

Neuss: Die Werhahn-Story
Operatives "Flaggschiff" der Werhahn-Gruppe in Neuss - über Jahrzehnte hinweg: Die Mehlmühle an der Hansastraße im Hafen um 1928. FOTO: Archiv Werhahn
Neuss. Mit Holzhandel fing es an. 175 Jahre später ist die Wilh. Werhahn KG eine international agierende Unternehmensgruppe. Von Ludger Baten

Schaut Anton Werhahn aus dem Konferenzbereich im achten Stock des Verwaltungsgebäudes an der Königstraße 1 Richtung Osten, sieht er den Hafen. Ein symbolträchtiger Blick. Im Hafen legte sein Ur-Ur-Großvater Wilhelm vor 175 Jahren mit einem Holzhandel den Grundstein zur heutigen Wilh. Werhahn KG. Der Schriftzug "Diamant" markiert die Mehlmühle an der Hansastraße, die viele Jahrzehnte für werhahnsches Unternehmertum in der Stadt stand, aber vor zwei Jahren verkauft wurde - als es an der Zeit schien. Vergangenheit. Noch weiter in der Ferne erhält die Zukunft der Werhahns einen Namen: Bank 11 steht auf dem Dach eines mächtigen Bürohauses. Die Autobank, eine Neugründung im Jahr 2011, ist auf Expansionskurs und schon ertragreich. Sexy eben.

Wird über die Stadt Neuss, ihre Tradition und ihre Kaufmannschaft gesprochen, fällt schnell der Name Werhahn. Die Familie gilt als prägend. In der Wirtschaft. In der Gesellschaft. Nicht selten auch in der (Kommunal-)Politik. 400 Gesellschafter hat das Unternehmen heute. Alle gehören zur Familie, zu einem der drei Stämme. Mit einer Ausnahme: Kathrin Dahnke (55). Scheidet sie als Finanzvorstand aus, scheidet sie auch als persönlich haftende Gesellschafterin aus. So hat das bei Wilh. Werhahn Tradition.

Von den 400 Gesellschaftern lebt noch heute jeder zweite nicht weiter als 120 Kilometer von Neuss entfernt. Die schauen in der Konzernzentrale in der Neusser Innenstadt auch schon mal unangemeldet vorbei. "Wenn ich da bin und etwas Zeit habe, empfange ich unsere Gesellschafter auch spontan", sagt Anton Werhahn, "das ist doch normal."

Der 57 Jahre alte Sprecher des Vorstandes spricht unaufgeregt, ist bescheiden. Er muss aber zielorientiert und machtbewusst sein, sonst könnte er den Mischkonzern, der zu den größten Familienunternehmen Deutschlands zählt, nicht leiten. Weltweit ist die Werhahn-Gruppe Arbeitgeber für 9.400 Menschen, organisiert in 186 Gesellschaften. Nur knapp 300 Angestellte sind es in Neuss. Mehr als 220 Beschäftigte hat die Bank 11, Werhahns einzige operative Unternehmung in Neuss; weniger als 80 haben ihren Schreibtisch in der Holding-Zentrale. Die Frage, Neuss als Konzernsitz aufzugeben, habe nie im Raum gestanden. "Hier kommen wir doch her", sagt Werhahn. Profitiert die Stadt? Ist das Unternehmen auch ein guter Gewerbesteuerzahler in Neuss? Die Antwort typisch Anton Werhahn: "Das denke ich doch."

Die Wilh. Werhahn KG ist ein Familienunternehmen - und sie will es auch bleiben. Neben Konzernchef Anton sind "direkt darunter" in der zweiten Führungsebene drei Familienmitglieder tätig. Die Förderung des Familiennachwuchses hat System. Alle zwei Jahre findet eineinhalb Tage lang ein Workshop für Gesellschafter im Alter von 18 bis 35 Jahren statt. Bis zu 90 junge Familienmitglieder nehmen teil, lernen sich kennen, gewinnen Einblick in das betriebliche Denken und Handeln oder finden vielleicht Interesse, ins Unternehmen einzusteigen.

Jubiläum. Werhahn wird 175 Jahre alt. Morgen wird gefeiert. Die Erfolgsgeschichte, die den Weg vom Holzhandel zum international agierenden Unternehmen beschreibt, war möglich, weil Verantwortliche der werhahnschen DNA folgten: die Risiken verteilen (Diversifikation), sich auf strategisch wichtige Geschäftsfelder konzentrieren (Fokussierung), immer in der Lage sein, sich Marktentwicklungen anzupassen (Wandlungsfähigkeit). Heute erzielt die Werhahn KG mit drei Sektoren (Baustoffe, Konsumgüter, Finanzen) einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro. Vor der Zukunft ist Anton Werhahn nicht bange. Er kündigt für die Jahresrechnung 2015 einen "enormen Ertragszuwachs" an. Offenbar feiern Werhahns morgen nicht nur stolzes Jubiläum ...

Quelle: NGZ
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