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Digitale Schnitzeljagd in Neuss
Mit dem Smartphone auf Spurensuche

Fotos: Mit dem Smartphone auf Spurensuche
Fotos: Mit dem Smartphone auf Spurensuche FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. Schnitzeljagd per SMS: Das Spiel "Planlos in Neuss" entführt ins Jahr 1474, als die Stadt belagert wurde. Unser Autor testete die Rätseltour im Selbstversuch - und verzweifelte an so mancher Frage. Weiter brachten ihn einige Hinweise. Von Christian Kandzorra

Eine Schnitzeljagd durch Neuss - "das kann eigentlich nur gut werden", dachte ich mir und ließ mich sofort auf den Selbstversuch ein. Denn obwohl Neuss nicht meine Heimatstadt ist, meine ich, sie doch sehr gut zu kennen. Allerdings wurde ich rasch eines Besseren belehrt: Die Rätseltour mit dem Namen "Planlos in Neuss" entpuppte sich für mich schnell als kniffliger als erwartet.

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Dabei hatte alles so unkompliziert angefangen: Eine Anmeldung auf der Homepage des Anbieters, eine Buchung für 14 Euro - und die Vorbereitungen zum Start des SMS-Spiels waren erledigt. "Stadtschreiber und Notarius Christian Wierstraet" kündigte mir kurz nach der Anmeldung mit einer Kurznachricht an, dass ich 16 Rätsel zu lösen hätte, die allesamt mit der Belagerung der Stadt Neuss im Jahr 1474 zu tun haben sollen. Kurzum: Ein Wächter habe mich ausgewählt, den Neussern ihre Rettung zu bringen. Wie schmeichelhaft.

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Startpunkt Neusser Rathaus

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Der Startpunkt für die SMS-Schnitzeljagd: das Neusser Rathaus. Auf meine SMS mit dem Inhalt "Start" kam tatsächlich prompt eine Antwort: "Die Kräfte und Mittel der Neusser sind erschöpft", heißt es darin, der Herzog von Burgund habe die Stadt mit seinem Heer umzingelt. Zwei tapfere Neusser, Hinrich van Loe und Johann Hellenbroich, hätten sich aus der Stadt stehlen können, um Nachschub zu beschaffen. Was folgte, war das erste Rätsel: "Überall kann der Feind lauern, deshalb werde ich in Rätseln sprechen", schrieb mir der "Stadtschreiber" und forderte mich auf, mich dem Markt zuzuwenden. Mein Auftrag: einen Wächter inmitten spielenden Wassers finden und dessen Namen nennen.

Gesagt, getan: Irrtümlich zum Wasserspiel der Stadtwerke am Zeughaus gelaufen, fand ich im zweiten Anlauf doch noch den gesuchten Wächter am Brunnen direkt gegenüber dem Rathaus: Hermann von Hessen. Damit konnte das Spiel beginnen. Im Umkreis von einem Kilometer löste ich fortan ein Rätsel nach dem anderen - ein Unterfangen, das jede Menge Aufmerksamkeit verlangt, denn bereits die SMS-Texte an sich sind zum Teil rätselhaft. "Geht links bis das Kind Euch hört und die Heilige Klara auf Euch herabschaut. Lasst sie in Eurem Rücken und wählt den Pfad ihres Ordens", heißt es in einer SMS, die mich nach einigem Grübeln zu dem für mich interessantesten Rätsel führte: zu einem markanten Haus am Glockhammer, anhand dessen Fensterverkleidung ich einen Text entschlüsseln musste, der mich schließlich in den "Dom" von Karl Kehrmann führte.

Der Gastwirt sollte mich laut SMS bereits erwarten. Und tatsächlich: Karl Kehrmann wusste sofort Bescheid. Er drückte mir einen mysteriösen Brief in die Hand, in dem eine Hymne geschrieben steht. "Daran sind schon viele verzweifelt", erzählte mir der Gastwirt, als ich ihn nach fast einer Dreiviertelstunde intensivem Knobeln wieder verließ. "Wer nicht weiter weiß, kann per SMS Hinweise anfordern", hatte mir im Vorfeld meines Versuchs Enno Stahl gesagt. Der Neusser hat das Rätsel konzipiert; die Texte stammen von ihm. "Das Rätsel ist knifflig, allerdings wird es mit den Hinweisen deutlich einfacher", sagt er. Allerdings: Ziel des Spiels ist es, die 16 Rätsel möglichst schnell zu lösen - und jeder Hinweis kostet ebenso wie eine falsche Antwort fünf Strafminuten.

Nach gut drei Stunden kam ich schließlich ans Ziel - ohne Pause und ziemlich durchgefroren. Richtig Spaß dürfte die SMS-Schnitzeljagd machen, wenn die Temperaturen wieder steigen. Und: Wenn man sie mit mehreren Rätsel-Freunden gemeinsam oder mit anderen Gruppen gleichzeitig spielt. Die wichtigsten Voraussetzungen: Spaß am Rätseln und die Fähigkeit, um die Ecke zu denken.

Allerdings hat die Rätseltour mit 14 Euro auch ihren Preis. Wer sie erfolgreich löst und den Neussern in Bezug auf die Belagerung der Stadt in den Jahren 1474 und 1475 durch den Herzog von Burgund alias "Karl der Kühne" ihre "Rettung" bringt, verewigt sich samt Teamnamen in einer Übersicht, aus denen auch die Bestzeiten hervorgehen. Ich als "Einzelkämpfer" dürfte die Rangfolge zwar nicht anführen. Dafür habe ich bei meiner Erkundungstour Winkel der Innenstadt kennengelernt, die für mich bisher im Verborgenen gelegen haben - so wie im Boden eingelassene XXL-Münzen, Heiligen-Bilder im Quirinus-Münster und bestimmte Teile der Stadtmauer.

Quelle: NGZ
 
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