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Disc-Golf: Das Beste aus zwei Sportarten

Neuss: Disc-Golf: Das Beste aus zwei Sportarten
Stefan Heine ist begeistert von dem Sport, der ursprünglich aus den USA kommt. Er selbst hat die eigenwilligen Metallkörbe das erste Mal in Texas gesehen, konnte aber zunächst nichts damit anfangen. FOTO: FALK JANNING
Neuss. Bei diesem neuen Trendsport zielen die Spieler mit Kunststoffscheiben auf Metallkörbe. Stefan Heine aus Meerbusch-Nierst ist Vorsitzender des Neusser Vereins "Disc Golf Niederrhein", der vor allem im Neusser Rennbahnpark spielt. Von Falk Janning

Und die Welt ist doch eine Scheibe. Jedenfalls aus der Sicht von Stefan Heine. Der 48-jährige Ingenieur aus Meerbsuch-Nierst ist leidenschaftlicher Frisbee-Spieler. Genauer: Er ist Disc-Golfer. Ein Spiel, das eine Mischung aus Frisbee und Golf ist. Der Unterschied zum Golf ist: Man bugsiert nicht einen Ball in ein Loch, sondern eine Frisbee in einen Metallkorb, der aussieht wie ein Futterhalter für Schafe. "Ich habe die Körbe zum ersten Mal 1981 gesehen, als ich in Austin unterwegs war. Ich habe damals nicht herausgefunden, wozu sie dienen", sagt Heine.

Die Lösung kam dann ganz unverhofft drei Jahrzehnte später, beim Spielen mit der Wii-Konsole. Da entdeckte er Disc-Golf und erinnerte sich an die Körbe in dem Park der texanischen Stadt. Schnell tauschte er das Spiel an der Konsole gegen das in der freien Natur - und war sofort fasziniert. Er schloss sich dem Verein "Disc Golf Niederrhein" an. Seitdem ist er mit Leidenschaft dabei und heute Vorsitzender des Vereins. Dieser ist auch Ausrichter des jährlich stattfindenden Disc-Golf-Turnieres "RennbahnOpen" im Neusser Rennbahnpark.

Heine ist heute einer von rund 3000 Aktiven in Deutschland. "Discgolf ist ein Trendsport, der vor allem in den USA gespielt wird", sagt er. "Er boomt aber auch in Deutschland und wird weiter wachsen." Wie beim Ball-Golf absolvieren Discgolfer einen Parcours und müssen an den verschiedenen Bahnen mit möglichst wenigen Würfen in den Körben landen. Wie beim Golf können die Spieler auf eine Reihe von Scheiben zurückgreifen, die über verschiedene Flugeigenschaften verfügen.

2012 konnte Heine die Rennbahn-Open gewinnen. Auf dem 175 000 Quadratmeter großen Areal der Neusser Galopprennbahn gilt es jährlich, in drei Runden einen Parcours über 20 Bahnen zu bewältigen. Anschließend werden in der Open-Division, die aus den besten 16 besteht, die vier Finalisten ausgespielt. Seit 2010 gibt es diese Anlage nun schon. Neben dem Turnier können das ganze Jahr über Interessierte die neue Trendsportart auf dem festinstallierten Parcours mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen und unterschiedlich langen Bahnen ausprobieren. Wurfscheiben können für fünf Euro an der Tourist Info ausgeliehen werden. Auch erfahrene Discgolfer trainieren dort häufig.

Heine steht auf dem Nierster Sportplatz und demonstriert, wie der Abwurf auf einem Parcours funktioniert. Er greift in seine Tasche voller verschieden-farbiger Kunststoffscheiben. Er entscheidet sich für eine gelbe "Driver" und zieht sie zielsicher aus dem großen Angebot heraus. Die Weitwurfscheibe unterscheidet sich nur in Nuancen von den anderen, aber das ist von entscheidender Bedeutung. Sie ist kleiner als die anderen Frisbeescheiben, dafür etwas schwerer und läuft an den Rändern nicht rund, sondern spitz zu. "Mit so einer Scheibe hat der Bremer Simon Lizotte den Weitwurfweltrekord von 263,2 Metern aufgestellt", erklärt er.

Den Driver benutzt man vor allem für den ersten Wurf auf einer Bahn, bei dem üblicherweise eine große Weite erzielt werden soll. Die Stelle, an der die letzte Frisbeescheibe gelandet ist, markiert den Startpunkt für den neuen Wurf. Prüfend wandert Heines Blick über die Bahn und die Hindernisse. Dann kontrolliert er, aus welcher Richtung der Wind kommt und zieht eine andere Scheibe aus seinem Rucksack - es ist eine Midrange, eine Annäherungsscheibe. Sie ist stabiler in der Fluglage. Für den abschließenden Wurf wird der Putter gewählt. Er ist stabil, aber nicht in der Lage größere Distanzen zu überbrücken.

Für Heine ist Discgolf so interessant, weil Menschen fast jeden Alters mitmachen können und man als Sportler keine Eingriffe in die Landschaft vornehmen muss. Sympathisch findet er außerdem den "Spirit der Community": Es gehe in dem Sport vor allem um Fairness.

Quelle: NGZ
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