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Neuss
Drogenberatung muss sich verstärkt um Härtefälle kümmern

Neuss: Drogenberatung muss sich verstärkt um Härtefälle kümmern
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Neuss. Drogenberatungsstelle stellt Jahresbericht 2015 vor - und bietet ab sofort auch Online-Beratung.

Die Jugend- und Drogenberatungsstelle der Stadt Neuss hat ihren Jahresbericht 2015 vorgestellt. Demnach ist die Zahl der intensiv Betreuten - dazu zählen all jene, die innerhalb von 60 Tagen mindestens zwei Beratungsgespräche wahrnehmen - von 457 (Stand: 2014) auf 466 leicht gestiegen. 54,1 Prozent davon wandten sich wegen Heroinabhängigkeit an die Drogenberatung, 2014 waren es 53,6 Prozent. Leicht rückläufig ist hingegen die Zahl der wegen Cannabis-Konsums Betreuten. Seit 2012 ging der Anteil von 27,5 Prozent auf 18,7 Prozent (2015) zurück.

Die Drogenberatungsstelle wurde zudem vor allem wegen des Konsums von Kokain und Amphetaminen zu Rate gezogen - und wegen Alkoholabhängigkeit. Norbert Bläsing, Leiter der Drogenberatungsstelle, erklärte den Politikern kürzlich im Jugendhilfeausschuss, dass die Beratung wegen Alkoholabhängigkeit beziehungsweise schädlichem Gebrauch von Alkohol im vergangenen Jahr deutlich zugenommen habe. Zwei Bausteine spielen dabei eine große Rolle: Erstens die sogenannten Skoll-Seminare, und zweitens das Kiss-Programm. Beides zielt darauf, den Konsum über selbstgesetzte Ziele zu reduzieren. Im Zuge des Kiss-Programms wurden Einzelgespräche angeboten. Kiss steht für "Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum" und zielt als Selbstkontroll-Konzept darauf, den Umgang mit Suchtmitteln zu reflektieren. "Ziel ist es dann, in Einzelgesprächen die Konsumreduktion zu erlernen", sagt Bläsing.

Im vergangenen Jahr wurden zudem zwei Skoll-Seminare angeboten. Die Teilnehmer setzten sich darin mit ihren Süchten auseinander - von Alkohol über Medikamente und Essen bis hin zu Spiel- oder Kaufsucht. Zentral ist dabei die Auseinandersetzung mit der eigenen Situation. Ziel ist es, den Konsum zurückzufahren und bestenfalls ganz einzustellen. In der ersten Skoll-Gruppe waren die Teilnehmer im Schnitt 48 Jahre alt, in der zweiten 53 Jahre. Das Angebot wird als freiwillige Gruppe fortgesetzt. Generell verteilen sich die Intensivklienten der Beratungsstelle über alle Altersklassen. Das Gros ist zwischen 28 und 55 Jahre alt.

In den Räumen der Beratungsstelle treffen sich neben der Skoll-Gruppe zwei weitere Selbsthilfegruppen: eine freie Gruppe, die sich vor allem an Alkohol- und Medikamentenabhängige sowie deren Angehörige richtet, sowie die Selbsthilfegruppe "La Familia" für Drogenkonsumenten und Substituierte. Ein weiteres Angebot wird seit März von der Drogenberatungsstelle angeboten - und zwar online. "Es gibt viele, die das Internet beziehungsweise soziale Medien nutzen, aber eben nicht mehr direkt in die Drogenberatungsstelle gehen", sagt Bläsing. Sie sind die Zielgruppe der Online-Beratung. Oft handele es sich um Konsumenten von Cannabis oder Amphetaminen, die noch in gutem sozialen Umfeld leben. Wer persönlichen Kontakt zur Drogenberatungsstelle aufnehmen möchte, kann dies nach wie vor im Kontaktcafé "Come In" an der Augustinusstraße 21a. Es ist montags und mittwochs von 10.30 bis 13 Uhr geöffnet und bietet neben Beratung auch die Möglichkeit zum Duschen oder Wäschewaschen. Das Kontaktcafé "Come In" war im vergangenen Jahr an 86 Tagen für je zweieinhalb Stunden geöffnet.

Die durchschnittliche Besucherzahl lag pro Tag bei 26 Personen - vier mehr als 2014. In der "Fachstelle für Suchtprävention, Ermutigungspädagogik und Potenzialförderung" gab es im vergangenen Jahr 1506 Kontakte, 52 Familien und 100 Jugendliche nahmen das Angebot "Falko" (Familie in Kooperation") in Anspruch. Zudem fanden 27 Schülerseminare mit 385 Teilnehmern statt. In den Beratungsgesprächen wurde deutlich: Internet-, Spiele- und Medienkonsum sind ein immer größeres Thema. 15 Prozent der Jugendlichen zeigen demnach einen auffälligen Konsum.

Quelle: NGZ
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