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Neuss
Dudas schenkt sich zwei CDs zum 75.

Neuss. Der Klarinettist Lajos Dudas wohnt zwar seit mehr als zehn Jahren in Überlingen am Bodensee, ist aber in Neuss mit seiner Musik immer wieder gern gesehener Gast. Am 25. Mai spielt er mit seinem Quartett im Romaneum. Von Helga Bittner und Hansgeorg Marzinkowsi.

Er lebt im Ruhestand, zumindest als Dozent der Musikschule, und auch recht weit von Neuss, seit mehr als zehn Jahren schon. Aber so ganz kann der weltbekannte Klarinettist Lajos Dudas von seiner alten Heimat doch nicht lassen. 75 Jahre alt ist er gerade geworden, wahrlich Grund genug genug, um zu zeigen, dass der Musiker, der heute in Überlingen am Bodensee lebt, höchst agil ist, auch wenn der Lehrer in ihm sich längst verabschiedet hat. Zwei CDs sind ganz frisch auf dem Markt: "Brückenschlag" mit der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) und "Radio Days". Letztgenannte vor allem ist ein Geschenk des Musikers an seine Fans, aber auch an sich selbst, sind darauf doch Werke versammelt, die Dudas' ganze Vielseitigkeit zeigen.

Schon als Kind - 1841 in Budapest geboren - hat er heimlich Jazz in einem antikommunistischen Radiosender gehört. Das war der Anfang von allem, er studierte klassische Klarinette, Klavier und Musikpädagogik, veröffentlichte zig CDs und trat in den verschiedensten Formationen auf etlichen Bühnen im In- und Ausland auf. Als ihm und seiner Frau Reni Tochter Jacqueline geboren wurde, ließ sich die Familie in Neuss nieder und Lajos Dudas begann seine Dozentenlaufbahn an der Neusser Musikschule (1973-2004). Er gründete die Reihe "Jazz im Alten Ratssaal", holte dafür große Kollegen nach Neuss - und infizierte den Neusser Gitarristen Philipp van Endert mit diesem Veranstaltergen. Als Dudas ging, wurde auch "Jazz im Alten Ratssaal" beendet, aber van Endert verankerte den Jazz mit der Reihe "Blue in Green" in der Alten Post neu. Die beiden Männer verbindet nicht nur eine lange gemeinsame Musikerlaufbahn (seit 22 Jahren), sondern auch eine gute Freundschaft. Das führt denn immer wieder dazu, dass Dudas zu Auftritten nach Neuss zurückkehrt. Wenn der Klarinettist am 25. Mai im Romaneum mit einem Quartett spielt, gehört auch van Endert dazu.

Der war natürlich auch bei einigen Aufnahmen der CD "Radio Days" dabei - wie beim lyrisch-melodiösen "West Coast" oder auch bei der wunderbaren Improvisation zu "Bach's Gedenken". Die CD ist in der "Birthday Edition 75" erschienen, von Lajos Dudas selbst zusammengestellt, und vereint Rundfunkaufnahmen der vergangenen Jahrzehnte (JazzSick Rec. 5089 JS). Nahezu alle Titel oder Arrangements, die beim WDR Köln, BR München und HR Frankfurt oder auch beim ORF Wien und MTVA Budapest zu hören waren, sind seine Kompositionen oder Arrangements. Darunter ist auch "Urban Blues", mit dem Dudas 1982 den internationalen Wettbewerb für Jazzkomposition gewann. Dabei begleitet ihn die ungarische Radioband "Studio 11". Für Lajos-Dudas-Fans ist die CD ein Muss.

Eine "Geburtstags-CD" ist auch "Brückenschlag", die erstmals den Live-Mitschnitt eines denkwürdigen Konzertes im Zeughaus am 10. April 2005 mit der Deutschen Kammerakademie dokumentiert. Auf der Brücke trafen, vom damaligen DKN-Intendanten Matthias Gawriloff initiiert, das Kammerorchester und das "Lajos Dudas Quartet" zusammen. Die DKN wurde geleitet von Leo Siberski: Der 1. Kapellmeister am Theater Kiel frönte damals schon seiner Leidenschaft für Crossover-Konzerte.

Das Konzert wurde eröffnet durch die "Fünf Sätze für Streichorchester" (op. 5) des Wieners Anton von Webern. Die kurzen Sätze kleiner Motive, Einzeltönen und atonaler Klänge wurden unterbrochen durch drei Intermezzi des Jazzklarinettisten Lajos Dudas. Sein rhythmisch akzentuiertes, vorwärts drängendes Spiel versöhnte mit Weberns Musik für Puristen, machte sie sogar verständlich. Die NGZ schrieb damals: "Hier trafen permanent komplizierteste Rhythmik und schroffe Atonalität eine melodisch nahe, fast ergänzende Improvisation der Klarinette." Speziell für die DKN hat Lajos Dudas die "Bilder aus Ungarn" für großes Orchester von Béla Bártok sehr frei für Jazzklarinette und Streicher bearbeitet wie auch seine eigene "Ballettmusik für Klarinette und Klavier" (1993) nun für Jazzquartett und Streicher". Die feine Zartheit der Streicher fasziniert dabei in spannender Wechselbeziehung zu temperamentvollen, freitonalen Improvisationen des Quartetts. "Könnte das ultimative Album für die einsame Insel sein, vor allem für Liebhaber neuer Musik. Könnte auch der Höhepunkt meiner Laufbahn sein" kommentiert Dudas selbst die CD-Aufnahme, die zugleich seine 60. in 55 Jahren ist.

Neben dem Klarinettisten spielen Philipp van Endert (Gitarre), Martin Gjakonovski (Bass) und Kurt Billker (Drums). Schön, dass die CD auch den frenetischen Applaus des Publikums umfassend dokumentiert. Zu beziehen ist sie im Handel oder bei JazzSick Records 5089JS.

Quelle: NGZ
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