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Neuss
Ehrengrab für Saarbrückens Ehrenbürger

Neuss: Ehrengrab für Saarbrückens Ehrenbürger
Neuss. Der Neusser Sozialdemokrat Max Braun war der führende Kopf im Widerstand gegen einen Anschluss des Saarlandes an Hitler-Deutschland. Sein letztes Grab, das er 1957 in Neuss fand, will Saarbrücken für seinen Ehrenbürger erhalten. Von Christoph Kleinau

In dem alten und ausgefransten Lageplan für das Gräberfeld B 9 des Hauptfriedhofes ist nur eine Stelle rot markiert. "Finger weg", übersetzt Ralf Strerath von der Friedhofsverwaltung diesen Farbcode, mit dem auf Veranlassung von Bürgermeister Reiner Breuer verhindert werden soll, dass diese längst abgelaufene Grabstelle nicht doch versehentlich eingeebnet wird. Denn in der Gruft ruht auch die sterbliche Hülle von Max Braun: Neusser, Journalist, Sozialdemokrat, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime - und seit kurzem Ehrenbürger der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken.

Diese Würde wurde Max Braun im vergangenen Jahr auf Antrag der SPD-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat und aus Anlass seines 70. Todestages posthum verliehen. Braun, so erklärte der Fraktionsvorsitzende Peter Bauer diesen Vorstoß, sollte als "Kopf der saarländischen Widerstandskämpfer" geehrt werden, die sich "gegen den Anschluss des Saargebietes an Hitlerdeutschland" stemmten. Aber auch weil er als einer der ersten Politiker "offensiv für die deutsch-französische Verständigung eintrat" und schon vor dem Zweiten Weltkrieg "die damals noch weitgehend unbekannte Idee von den Vereinigten Staaten von Europa propagiert." Die Ehrung ist auch eine späte Wiedergutmachung. Schon im November 1946 hatte die Stadt Saarbrücken nach dem im Londoner Exil verstorbenen Braun die Großherzog-Friedrich-Straße umbenannt.

Diese Ehrung wurde aber am 25. September 1956, kurz bevor sich das autonome Saargebiet als jüngstes Bundesland der Bundesrepublik Deutschland anschloss, vom Stadtrat wieder zurückgenommen. "Aus Protest gegen diese Entscheidung ließ seine Witwe Angela Braun am 14. März 1957 die Urne und Asche Max Brauns nach Neuss überführen", berichtet Saarbrückens Stadtarchivar Hans-Christian Hermann. Dort wurde Max Braun, der 1955 schon einmal von London aus auf die Ehrengrabstätte des Saarbrücker Hauptfriedhofes umgebettet worden war, am 17. März 1957 in der Familiengruft neben seinen Eltern beigesetzt. Dort ruht auch sein älterer Bruder Heinz, mit dem er 1935 erst nach Paris und 1940 - mit dem Überfall der Wehrmacht auf Frankreich - über Marokko und Gibraltar nach London geflohen war. Der Rechtsanwalt Heinz Braun gehörte auch nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Anhängern eines autonomen Saarstaates als Brücke zwischen Deutschland und Frankreich und war erst Generalstaatsanwalt an der Saar und danach von 1947 bis 1954 dort Justizminister.

Der Termin, an dem das Ehrenbürgerrecht, das eigentlich nur lebenden Personen zukommt, in einem symbolischen Akt verliehen wird, sei noch nicht festgelegt, sagt Thomas Blug, Sprecher der Stadt Saarbrücken. Man suche noch nach Angehörigen. Zur Auszeichnung gehört, dass das Grab in Neuss von der Stadt Saarbrücken angekauft und 50 Jahre als Ehrengrab auf deren Kosten gepflegt wird. Zum Glück ist es noch da.

Quelle: NGZ
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