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Neuss
Ein buntes Frings-Alphabet

Neuss: Ein buntes Frings-Alphabet
Josef Frings im Kardinals-Ornat: So ist er im Ratssaal verewigt. FOTO: woi
Neuss. Vor 75 Jahren und mitten im Krieg, am 2. Mai 1942, wurde der Neusser Josef Frings zum Kölner Erzbischof ernannt. Der volkstümliche Oberhirte erhielt später die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt und sein Porträt einen Ehrenplatz im Sitzungssaal des Rates.

Die "Josef Kardinal Frings-Gesellschaft zu Neuss am Rhein" erreichte, dass an St. Quirin im Jahr 2000 ein Denkmal für den Kardinal errichtet wurde. Und sie machte sich dafür stark, dass die "Südbrücke" seit 2006 den Namen dieses Kirchenmannes trägt. Versuch eines Frings-Alphabetes.

Adenauer Der Kölner Oberbürgermeister und spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer war Pfarrkind in Frings' Pfarrei in Köln-Braunsfeld. Beiden gemein war die Gegnerschaft zum NS-Regime; ihr Verhältnis selbst war nicht spannungsfrei.

Brevier Das Stundengebet brachte den Kardinal 1957 auf seiner Japanreise in geistliche Nöte. Problem bei dem 30-Stunden-Flug war die Datumsgrenze. "Man wusste man nicht mehr, was denn nun eigentlich zu beten war", sagte Frings.

Chauffeur Sein Fahrer war für Frings Ansprechpartner und Respektsperson.

Dom Frings' Bischofskirche, geschichtsträchtiges Symbol im kriegszerstörten Deutschland.

Erzdiözesanen, geliebte: So nannte er die Kölner Katholiken gerne in Ansprachen und Predigten.

Fringsen An Silvester 1946 hielt Frings die denkwürdige Predigt, in die zur Geburtsstunde des Wortes "fringsen" wurde. Man dürfe in der Not nehmen, was zur Erhaltung des eigenen Lebens notwendig sei -wenn dies anders nicht zu erlangen ist. Viele verstanden den aus dem Kontext gerissenen Satz als Freibrief für den Kohlenklau.

Gedächtnis Im Alter büßte der Kardinal seine Sehkraft völlig ein, kompensierte das aber mit seinem hervorragenden Gedächtnis. Hilfswerke In den 50er Jahren erlangte er durch Gründung der Dritte-Welt-Hilfswerke Misereor und Adveniat weltkirchliche Bedeutung.

Innsbruck In seinem ersten Studienjahr am Jesuitenkolleg in Innsbruck lernte der Student Frings das Gefühl von Weltkirche kennen. Japan Mit seiner Japan-Reise begründete Frings die Bistumspartnerschaft von Köln und Tokio.

Konzil Beim Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelte er als Mitglied des Konzilspräsidiums die von Papst Johannes XXIII. angestoßene Öffnung der Kirche zur Welt weiter. Latein Eine von Frings' Paradedisziplinen aus seiner Schulzeit, wo Latein und Geschichte seine Lieblingsfächer waren.

Memoiren 1973 diktierte Frings, inzwischen erblindet, ebenso humorvoll wie plastische seine Lebenserinnerungen.

Neuss Heimatstadt.

Offizium, Heiliges: Im November 1963 griff Frings beim Konzil frontal und in furioser lateinischer Rede das Heilige Offizium an, den Vorgänger der Glaubenskongregation. Dieses habe der Kirche schweren Schaden zugefügt und sei für Nichtkatholiken ein "Ärgernis".

Passierscheine Frings pflegte einen bestimmten Umgang mit den britischen Besatzungsmächten: "Ich habe immer bekommen, was ich haben wollte: vor allen Dingen immer einen Pass, zum Überqueren der Rheinbrücken - und Benzin."

Quirinus Frings' Elternhaus stand am Markt, gegenüber dem Quirinus-Münster, in dem er einen seiner ersten Gottesdienste nach seiner Kölner Bischofsweihe zelebrierte.

Ratzinger Der Bonner Theologe Joseph Ratzinger und spätere Papst Benedikt XVI. war beim Konzil Berater von Frings.

Seminar Bei seiner Bischofsernennung 1942 war Frings Regens (Rektor) des Kölner Priesterseminars. Er pflegte einen humorvollen und toleranten Leitungsstil.

Trümmer Unermüdlich ermunterte Frings seine "Erzdiözesanen" zum moralischen und tatsächlichen Wiederaufbau nach dem Krieg.

Universität Frings studierte in Innsbruck, Bonn und Freiburg. Dort schloss er 1915 seine Promotion ab.

Vertriebene Papst Pius XII. ernannte Frings nach dem Krieg zum Hohen Protektor für das Flüchtlingswesen. Der Kardinal drang bei den britischen Besatzungsbehörden darauf, die Demontage zu stoppen.

Warten: Typisch für den humorvollen und standesbewussten Frings ist eine Anekdote aus der Zeit der britischen Besatzung. Der Oberkommandierende hatte ihn einbestellt, ließ ihn aber im Vorzimmer schmoren. Nach gebotener Frist verließ Frings das Büro und beschied dem Sekretär: "Sagen Sie dem General, ich hätte schon noch warten können - aber der Kardinal nicht."

Zigaretten: Als Frings aus Japan zurückkehrte, imponierte er den Reportern mit dem Satz: "Jetzt muss ich zuerst eine Zigarette haben."

(KNA/-nau)
 
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