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Neuss
Ein Dorf - zwölf Bürgermeisterkandidaten

Neuss: Ein Dorf - zwölf Bürgermeisterkandidaten
Am 13. September gehen sie wählen: Silvia Kruchen wählt einen Neusser Kandidaten, ihr Nachbar Horst Trenz einen Grevenbroicher. FOTO: lothar berns
Neuss. Gruissem gehört halb zu Neuss, halb zu Grevenbroich. Das macht sich auch am 13. September bemerkbar. Denn die gerade einmal 110 Einwohner haben zusammengenommen die Qual der Wahl aus einem Dutzend Kandidaten. Von Christian Kandzorra

Wer auf der schmalen Straße durch das 110-Seelen-Örtchen Gruissem unterwegs ist, bewegt sich auf einer unsichtbaren Grenze. Denn: Das Dorf ist zweigeteilt. Die eine Hälfte (rund 35 Einwohner) gehört offiziell zur Stadt Neuss, die andere Hälfte (rund 75 Einwohner) zur Stadt Grevenbroich. Jeden Tag kommen für zwei unterschiedliche Postleitzahlen zwei Briefträger, zwei Müllabfuhren - und wenn es brennt sogar unterschiedliche Feuerwehren.

Die Teilung des Dorfs macht sich auch bei den bevorstehenden Bürgermeister- und Landratswahlen am 13. September bemerkbar. Die Bewohner der einen Straßenseite haben die Wahl zwischen fünf Neusser Bürgermeisterkandidaten, die der anderen Seite zwischen sieben Grevenbroicher Bürgermeisterkandidaten. Gemeinsam wählen sie nur zwischen den beiden Landratskandidaten Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) und Hans Christian Markert, der SPD, Grüne, Linke, Piraten und Aktive vertritt. Das ist im Rhein-Kreis Neuss einzigartig.

Kurios finden das auch die Einwohner - "wobei wir das eigentlich schon gewohnt sind", sagt Silvia Kruchen. Die 56-Jährige wohnt in Hausnummer 116 und hat von der Stadt Neuss eine Wahlbenachrichtigung erhalten. Direkt gegenüber wohnt ihr Nachbar Horst Trenz in - Achtung - Hausnummer 18 und hat eine Wahlbenachrichtigung von der Stadt Grevenbroich erhalten. Beide Häuser trennt nur die schmale Durchfahrtsstraße voneinander. "Die Hausnummern zählen die beiden Städte trotzdem getrennt voneinander. Das sorgt schon mal für Verwirrung", erzählt der 57-Jährige, der offiziell Grevenbroicher ist und sich auch generell eher der Schlossstadt und damit deren Kandidaten verbunden fühlt.

Seine Nachbarin Silvia Kruchen ist offiziell Neusserin, fühlt sich aber ebenfalls eher zu Grevenbroich gezogen. "Ich bin nun einmal Neusserin. Und da möchte ich natürlich auch die Politiker wählen, die mich vertreten", sagt sie und zeigt sich mit der Trennung in Sachen Bürgermeister- und Landratswahl einverstanden.

Sie wird nächste Woche Sonntag in der Realschule Holzheim ihr Kreuzchen machen, Horst Trenz fährt zur Grundschule nach Kapellen. Er hat die Wahl zwischen Ursula Kwasny (CDU), Klaus Krützen (SPD), Martina Suermann (Mein Grevenbroich) und den Einzelkandidaten Dirk Heyartz, Michael Zimmermann, Daniel Habicht und Hans-Günter Schönaich. Silvia Kruchen hingegen muss sich zwischen Thomas Nickel (CDU), Reiner Breuer (SPD), Susanne Benary-Höck (Grüne), Klaus Brall (Zentrum) und Ahmet Tuzkaya (BIG) entscheiden.

Neben Hans Christian Markert sind Thomas Nickel und Reiner Breuer aus Neuss übrigens die einzigen Bürgermeisterkandidaten, die das kleine Dorf mit ihren Wahlplakaten bereichen. Doch streng genommen hängen sie in der falschen Stadt - drei Meter zu weit südlich, auf Grevenbroicher Seite.

Quelle: NGZ
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