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Neuss
Ein Fachmann für Schifffahrtsgeschichte

Neuss: Ein Fachmann für Schifffahrtsgeschichte
Roland Hopp aus Erfttal hat nahezu alle bedeutenden Seewege der Welt bereist - und ist ein Experte in Sachen Schifffahrtsgeschichte. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Der Unternehmensberater Roland Hopp leitet in Erftttal die Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts- und Marinegeschichte. Von Dagmar Fischbach

Von seinem Balkon sieht er die Autobahn. Das nächste Gewässer ist der Norfbach und zur See gefahren ist er nie. Dennoch leitet Roland Hopp aus Erfttal die Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts- und Marinegeschichte (DGSM) in Nordrhein-Westfalen.

"Schiffe haben mich schon als Jugendlicher fasziniert. Mit 14 ist mir zum ersten Mal ein Buch zur Schifffahrtsgeschichte in die Hände gefallen. Seither hat mich das Thema nicht mehr los gelassen", erzählt er. Sein Bücherbestand zum Thema ist inzwischen auf rund 4000 angewachsen.

Nach dem Abitur studierte der heute 59-Jährige Geschichte und setzte sich intensiv mit der historischen Bedeutung der Schifffahrt auseinander. "Uns Deutschen - vor allem im Binnenland - ist kaum bewusst, welche Rolle Schiffe in der historischen Entwicklung gespielt haben. Dabei ist der Wasserweg auch im Rheinland immens wichtig. Immerhin ist der Rhein mindestens seit der Römerzeit eine bedeutende Handelsstraße und gehört heute zu den am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt", sagt Hopp.

Bei zahllosen Reisen hat er sein theoretisch erworbenes Wissen vertieft und erweitert. So entdeckte Hopp das älteste noch in Betrieb befindliche Eisenschraubenschiff in den Anden von Peru. "Es stammt aus dem Jahr 1862. Heute kann man es mieten und zum Beispiel über den Titikakasee schippern", erzählt er. Hopp besichtigte auch das einzige deutsche U-Boot, das im Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern besetzt und in einen Hafen geschleppt wurde. "Es wird heute in einem Museum in Chicago ausgestellt", sagt der Historiker. Er besuchte den letzten noch schwimmenden Panzerkreuzer der Welt in Griechenland. "Das Museumsschiff im Hafen von Piräus ist in Griechenland ein Mythos. Denn das Schiff hat in den Balkankriegen und im Ersten Weltkrieg den Feinden hohe Verluste zugefügt, ohne selbst jemals ernsthaft beschädigt worden zu sein", erklärt Hopp. Kaum ein Schiff, zu dem er keine Geschichte weiß. Kaum ein Seeweg, den er nicht bereiste. Zahllose Artikel für Fachzeitschriften und das DGSM-Magazin "SchiffClassic" hat er darüber verfasst. "Als selbstständiger Unternehmensberater habe ich dazu die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten. Jeder hat halt so sein Hobby", sagt er schmunzelnd.

Vor rund 20 Jahren sei er durch Zufall auf die DGSM gestoßen. "Bei der Intermodellbau in Dortmund, drückte mir jemand einen Flyer in die Hand. Ich nahm sofort Kontakt auf und war begeistert von den Treffen und dem Austausch mit Gleichgesinnten", erinnert er sich. Rund zehn Jahre später, nach dem Tod des Vorgängers, habe die Gesellschaft die Leitung für Nordrhein-Westfalen an ihn herangetragen. "Ich nahm an. Damit habe ich auch im Rentenalter keine Langeweile", sagt Hopp.

Als Regionalleiter organisiert er seither Vorträge und Seminare für die rund 100 Mitglieder im Land. Er gestaltet halbjährliche Wissenschaftstage zur Schifffahrtsgeschichte im Duisburger Museum der Deutschen Binnenschifffahrt und plant jährliche schifffahrtshistorische Exkursionen - wie zum Beispiel im vergangenen Jahr in das Schiffahrtsmuseum nach Amsterdam und das Marinemuseum in Den Helder.

Seit drei Jahren hat die DGSM-Regionalgruppe auch einen eigenen Stand auf der Wassersportmesse Boot in Düsseldorf. "Wir möchten unseren Bekanntheitsgrad erhöhen und natürlich neue Mitglieder gewinnen. Das gelingt ganz gut. Im Schnitt hatten wir pro Jahr zehn Neuanmeldungen", sagt Hopp.

Quelle: NGZ
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