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Neuss
Ein Fest für die Kindergarten-"Chefin"

Neuss: Ein Fest für die Kindergarten-"Chefin"
Anneli Breidenbach hat in 40 Jahren in der Kita St. Quirin nicht nur viele Kinder kommen und gehen sehen, sondern auch viele Erziehungsmodelle. FOTO: Woi
Neuss. Als 25-Jährige wurde Anneli Breidenbach die Leitung des Kindertagesstätte St. Quirin anvertraut. Jetzt ist sie seit 40 Jahren im Dienst - und betreut den Nachwuchs von Eltern, die schon selbst als Kindergartenkinder bei ihr waren. Von Petra Schiffer

"Ein Kind, geborgen in Freundlichkeit und Zuneigung, es lernt, die Liebe in der Welt zu entdecken." Der Autor dieses pädagogischen Leitsatzes ist unbekannt, das ist Anneli Breidenbach aber vollkommen egal. Für die Leiterin der Kita St. Quirin zählt der Inhalt der Zeilen, die in ihrem Büro hängen - und das seit genau 40 Jahren. Am 1. Februar 1976 begann sie ihre Arbeit als Erzieherin in dem katholischen Kindergarten, nur drei Jahre später übernahm sie im Alter von 25 Jahren die Leitung der Einrichtung, die sie in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt hat. Heute wird mit den Kindern im kleinen Kreis gefeiert, für den 29. Februar ist eine offizielle Party zum 40-Jährigen geplant.

"Frau Breidenbach hat Generationen von Kindern begleitet und ihnen ins Leben geholfen", sagt Monsignore Guido Assmann, Oberpfarrer an St. Quirin. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Allein zehn der aktuell 65 Zwei- bis Sechsjährigen im Innenstadt-Kindergarten sind bereits Söhne und Töchter ehemaliger Quirin-Kita-Besucher, die Anneli Breidenbach schon als "die Chefin" erlebt haben. So wird sie nicht nur von den Mitarbeitern genannt, sondern auch von den Kindern. Das klingt nach Respekt, ist es auch, aber mit liebevollem Augenzwinkern. "Sie hat immer ein offenes Ohr für alle und alles", sagt ihre Stellvertreterin, Erzieherin Katharina Otto-Pritzl. Alexandra Janecic vom Elternbeirat bestätigt fast wortgleich: "Ihre Tür steht immer offen."

Im Alter von zwölf Jahren übernahm die Ur-Neusserin - ihre Oma betrieb die Kult-Kneipe "Zum Nobber" am Glockhammer - erste Babysitterjobs. Und der Wunsch "etwas mit Kindern zu machen" wurde mit einer Ausbildung zur Erzieherin, die damals noch eine Kindergärtnerin war, konkret. Die Berufsbezeichnung ist nicht das einzige, was sich in 40 Jahren verändert hat. Breidenbach sah neue Erziehungsstile und pädagogische Konzepte von den 70er Jahren bis heute kommen und gehen, hörte zu, informierte sich, wägte ab - und entwickelte das Kindergartenleben in St. Quirin weiter, immer auf der Grundlage einer christlichen Werte-Erziehung, die die Persönlichkeit des einzelnen Kindes in den Blick rückt.

2008 wurde die Einrichtung ein zertifiziertes Familienzentrum mit etlichen Kooperationspartnern von Sportvereinen über Bildungszentren und Beratungsstellen bis zur Musikschule. Anders als vor 40 Jahren besuchen heute schon Zweijährige die Kita. Anders als vor 40 Jahren bleiben heute die meisten Kinder über Mittag, weil viele Mütter berufstätig sind. Anders als vor 40 Jahren werden sie immer häufiger von den Vätern gebracht und abgeholt. "Überhaupt sind Männer bei uns viel präsenter geworden", sagt Anneli Breidenbach. Als eine der ersten Kitas in Neuss bemühte sie sich darum, auch männliche Praktikanten und Erzieher in der Einrichtung zu beschäftigen. Anders als vor 40 Jahren gibt es heute ein Kinderparlament, in dem die Kleinen mitbestimmen, welches Spiel gemacht und welcher Kuchen gebacken wird. Und anders als vor 40 Jahren sind die Ansprüche der Eltern heute höher, zum Teil sehr hoch. Die oft zitierte "Bildungspanik" kennt die Leiterin der Kita aus ihrem Alltag durchaus - mag den Begriff aber nicht, weil er ihr zu negativ ist. "Wenn sich Eltern um die Zukunft ihrer Kinder sorgen, müssen wir das ernst nehmen", sagt sie. Persönlich empfiehlt die dreifache Mutter und dreifache Oma trotzdem mehr Gelassenheit in der Erziehung. Und Humor - ein Rat, den sie selbst täglich zu befolgen versucht. Oft erfolgreich. "Sie lacht genau richtig laut", findet Max (6).

Quelle: NGZ
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