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Neuss
Ein Geschichtenbuch für die Further

Neuss. Ein 40-köpfiges Autorenteam hat ein besonderes Nachschlagewerk über die Nordstadt zusammengetragen. Die Basis dazu bildeten die Untersuchungen für die Exkursionen "Wege durch die Nordstadt" mit Peter Dieter Schnitzler. Von Rolf Hoppe

Wer kennt das Hagelkreuz oder den Maler John Sangs? Wer weiß, wer Schmitze Frienes war, wo Schloss Donnerkeil lag und warum es auf der Furth ein Bananendorf gab? Und: Wer war der Fetzer? Fragen über Fragen. Zu denen gibt es aber auch Antworten. Viele davon hat der Initiativkreis Nordstadt in einem Buch zusammengetragen, das in der Reihe "Nüss henger de Bahn" erschienen ist und auf der Reihe "Wege durch die Nordstadt" basiert. Titel: "Die Furth - Nordstadtspaziergänge". Am Montagabend wurde es vorgestellt.

Die Suche nach dem Fetzer führt ins Clemens-Sels-Museum. Dort wird eine leere Schatztruhe gezeigt. Leer ist sie, weil der berüchtigte Räuberhauptmann "Fetzer", der mit seiner Bande ein Quartier auf der Furth hatte, im Jahr 1796 das städtische Silber aus dem Neusser Rathaus stehlen konnte.

"Räuberhöhlen", alte Bauernhöfe und neue Wohngebiete, Künstler und Kirchen, Jugenderinnerungen und moderne Kunst, Vereine und Schulen, das Johanna-Etienne-Krankenhaus und das Jröne Meerke, historische Fakten, Alltagsgeschehen und Persönlichkeiten: Zu alledem liefert der neue Band, der in vielfältiger und unterhaltsamer Form viele Facetten des Stadtteiles Furth beschreibt, die Geschichten. Die spannenden Geschichten von gestern und heute wurden von 40 ehrenamtlich tätigen Autoren akribisch zusammengestellt. Ihnen attestierte Jochen Goerdt als Vorsitzender der Nordstadtinitiative bei der Buchpräsentation im "Café Stückgut", dass sie "mit liebevollem, aber auch wachsamem Blick ihre Sicht auf Stadtteile darstellen, die ihre Heimat sind". Für den Vorsitzenden soll das Buch ein Baustein für das "Wir-Gefühl" in der Nordstadt sein. Das Werk sei vom Vorstand zwar anfangs wegen des großen Aufwandes kritisch gesehen worden. Heute aber, so Goerdt, "sind wir ein stolzer Herausgeber".

Sechzehn Mal hat Peter Dieter Schnitzler, lange Leiter des Arbeitskreises Geschichte des Initiativkreises, interessierte Bürger durch den Stadtteil geführt. Auf wiederholten Wunsch vieler Teilnehmer begann dann im Jahr 2007 ein von ihm geleitetes Redaktionsteam, die Wege über die Furth anhand von sechs Spaziergängen zu dokumentieren. "Wir wollten die Vergangenheit festhalten, Neues aufzeigen, Geschichte für den Bürger wiederholbar machen", sagt Schnitzler. Was manche noch aus eigenem Erleben kennen, muss anderen erklärt werden. Den Stoff dazu lieferten auch Veranstaltungen wie "Literatur vor Ort", ältere Bürger wie Friseurmeister Hille - und die NGZ.

So kam eine Sammlung zusammen, die auch zum Schmunzeln anregt. Etwa wenn die Restauration "Kaisergarten" beschrieben wird, die Treffpunkt des Jünglingsorchester war. Oder wenn an Gastwirt Willi Paar erinnert wird, der "geistreichen" Genüssen nicht abgeneigt war und vor seinem Einnicken die Gäste aufforderte, sich selbst zu bedienen. Und wenn von gelb-grün gestrichenen Baracken die Rede ist, weiß jeder, was auf der Furth mit Bananendorf gemeint ist.

Quelle: NGZ
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