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Neuss
Ein Handballverrückter mit Visionen

Neuss: Ein Handballverrückter mit Visionen
Thomas Koblenzer sprach auf dem blauen NGZ-Sofa mit Redaktionsleiter Ludger Baten über seine Vision für den NHV. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Thomas Koblenzer, Geschäftsführer Finanzen der "nhv1 Handball Spielbetriebs- und Marketing GmbH", hat auf dem blauen NGZ-Sofa über seine Ambitionen mit dem Verein, seine handballverrückte Heimat – und ein Horrorszenario gesprochen. Von Simon Janssen

Thomas Koblenzer ist ein Mann von Welt. New York, Zürich, der Nahe Osten – das Leben aus dem Koffer ist für den 48-Jährigen keine Seltenheit. Dass der Rechtsanwalt dennoch mit Neuss verbunden ist, der Stadt, in der er und seine Familie seit einigen Jahren leben, liegt neben seiner Geschäftsstelle an der Münsterstraße auch am Handballsport.

"Zwei Hüte" hat er beim Projekt Neusser Handballverein auf, wie er sagt. Er ist zum einen Geldgeber, aber auch Geschäftsführer Finanzen: "Ich bin also für das Wirtschaftlich-Rechtliche zuständig", erklärt er. Doch der 48-Jährige kümmert sich bei dem ambitionierten Drittligisten, der die vergangene Saison auf Tabellenrang sechs beendete, nicht nur um Sponsoring. Er habe eine "Vision". Um welche Vision es sich dabei genau handelt, machte Koblenzer jetzt im Gespräch mit Redaktionsleiter Ludger Baten auf dem blauen NGZ-Sofa im Restaurant Essenz deutlich.

Finanzstarke "Visionäre" sind nicht unbedingt für ihre Geduld bekannt. Thomas Koblenzer betont hingegen immer wieder, dass es Zeit brauche, um die Strukturen in dem Verein wachsen zu lassen. Er habe die nhv1 Handball Spielbetriebs- und Marketing GmbH gegründet, um das Ganze "auf stabilere Beine zu stellen". Zum Hintergrund: Die nhv1 ist eine Abteilung des NHV, die auch die Lizenz trägt. Auf der einen Seite arbeiten in der GmbH "Profis", während auf der anderen Seite der Verein von Ehrenamtlern sowie Spenden getragen wird. Generell müsse man die Spielbetriebsgesellschaft wie ein Unternehmen führen - und gegenseitig voneinander profitieren, sagt Koblenzer.

Doch es gibt viele Baustellen zu beackern, um das Ziel Bundesligaaufstieg realisieren zu können. "Zunächst müssen wir die erste Mannschaft auf ein konkurrenzfähiges Fundament stellen", sagt Koblenzer. Heimische Unternehmen müssten zudem dazu gebracht werden, sich zu engagieren. Auch die Fan-Kultur soll weiter ausgebaut werden. Handball als Sport mit Eventcharakter - diese Wahrnehmung wünscht sich Koblenzer bei den Neussern, spricht jedoch gleichzeitig von "Zukunftsmusik". Potenzial habe Neuss als Sportstadt allemal, die Fähigkeit, sich von einem sportlichen Projekt begeistern zu lassen, sei in anderen Städten jedoch stärker ausgeprägt.

Ein weiteres Problem. Die Hammfeldhalle darf in der dritten Liga überhaupt nur durch die Sondergenehmigung für Schulsporthallen genutzt werden. Bei einem Aufstieg bräuchte man also Ersatz - und stünde vor einem "Horrorszenario", wie Koblenzer sagt. Derzeit würden alle Möglichkeiten durchgespielt, das Problem zu lösen.

Als Beispiel für eine handballbegeisterte Stadt nennt der Rechtsanwalt seine Heimat Ferndorf. Eine Stadt mit knapp 4000 Einwohnern, die mit dem TuS Ferndorf aber einen Zweitligisten stellt. Koblenzer weiß, dass er eine Herkulesaufgabe vor sich hat, um in Neuss Ähnliches zu schaffen. Von Scheu ist jedoch keine Spur. Er sei jemand, der die Herausforderung nicht umgeht, beschreibt sich als extrovertierten Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt - und sich auch schon mal "eine blutige Nase" holt. "Ich bin vielseitig interessiert, umtriebig und ich will Dinge bewegen. Daher wollte ich auch nie ,nur' Anwalt sein", sagt Koblenzer, der die Ziele für die aktuelle Saison vorsichtig formuliert: "Es wäre wirklich eine ordentliche Saison, wenn wir auf dem sechsten Platz landen."

Quelle: NGZ
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