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Neuss
Ein Heimspiel für Klarinettist Lajos Dudas

Neuss. Mit Philipp van Endert, Kurt Bilker und Jochen Büttner präsentierte der 75-Jährige seine Jazz-CDs.

Der deutsch-ungarische Jazzklarinettist Lajos Dudas, seit einigen Monaten 75 Jahre alt, war mal wieder in Neuss, wo er in 30 Jahren rund 1000 Schüler an der Musikschule der Stadt unterrichtete. "Jeder Künstler braucht das Heimspiel. Ich habe gleich drei Heimatstädte, meine Geburtsstadt Budapest (geboren am 18.2.1941), Neuss und Überlingen am Bodensee, wo ich seit zwölf Jahren lebe", sagt der bestens aufgelegte Jazzer bei seinem Gastspiel im Romaneum mit seinem Quartett.

Es galt, noch einmal zwei CDs, die aus Anlass seines "runden" Geburtstages erschienen waren, Revue passieren zu lassen. Dabei der originäre Live-Mitschnitt "Brückenschlag" eines Konzertes mit der Deutschen Kammerakademie am 10. April 2005 im Neusser Zeughaus. "Sie müssen sich jetzt noch 22 Streicher vorstellen", animiert Lajos Dudas das zahlreich erschienene Publikum bei einer jazzigen Version der "Ungarische Bilder" von Bela Bartók. Das brauchte man aber nicht, denn Philipp van Endert zauberte auf seiner E-Gitarre einen wahrhaft orchestralen Streichersound.

Das zweite Thema griff Lajos Dudas auf und improvisiert in hohem Maße virtuos, dabei oft Bartóks Themen zitierend und weit weg von irgendeiner Altersschonzeit. Er steht uneingeschränkt im Mittelpunkt, vor allem bei den inspirierenden Improvisationen zu den "5 Sätze für Streichorchester" von Anton Webern. Philipp van Endert beschränkt sich meist auf intelligente Begleitung, Kurt Billker (Drums) ist gut organisierter Partner und in seinen Improvisationen lebhaft und souverän. Jochen Büttner (Percussion) war beim Live-Konzert nicht dabei, integriert sich aber weitestgehend, wenn man die oft überharten Beckenschläge vergisst. Er hatte aber bei "Kukeri Dance" mit seiner Gong-Galerie einen glanzvollen Auftritt zu einem umfassenden Intro.

Das Stück ist auch auf der CD "Radio Days", ebenfalls eine Neuauflage der Dudas-"Birthday Edition 75" (alle erschienen bei JazzSickRecords). Dort findet man auch "Urban Blues", vor vielen Jahren mit der ungarischen Radioband "Studio 11" eingespielt.

Jetzt beim Konzert im Romaneum nahm sich Lajos Dudas viel Zeit für wirkungsvolles meditatives Klarinettenspiel. Mit sphärischen Gitarrenakkorden versah Philipp van Endert ein geradezu klassisches Intro zu "Walking in the City". "Das letzte Stück aus ,Brückenschlag' müssen Sie jetzt aushalten", sagte Lajos Dudas und unterschätzte sein Publikum gründlich. Denn anhaltender Applaus forderte mehrere Zugaben. Zu der Zeit ging auch die "Karibische Nacht" wenige Meter weiter auf dem Marktplatz ihrem Höhepunkt entgegen.

(Nima)
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