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Neuss
Ein Kindergeburtstag für die Großen

Neuss. Die Comedienne Mirja Boes begeisterte ihr Publikum im AEF mit ihren spontanen Eingebungen.

Mirja Boes braucht an sich kein Programm - sie ist selbst eins. Die quirlige Comedienne stellt innerhalb von Sekunden mit einfachen Fragen den Kontakt zum Publikum her, reagiert spontan auf dessen Antworten und beschloss ein "Männer-freundliches Programm" in Kaarst - im Klartext also mit den von den Zuschauern vorgeschlagenen Themen Bier, Musik, Fußball, Grillen und rohem Fleisch. Wobei bei ihr letzteres sofort zur Frage "Auch Fleisch, das an der Stange tanzt?" führt.

Typisch Mirja Boes, Meisterin der Stand-up-Comedy, die ihre stärksten Momente in den spontanen Reaktionen auf ihr Publikum zeigt. Dabei hat sie sich mit ihrem Programm "Für Geld tun wir alles" eigentlich gut auf den Abend im prall gefüllten Albert-Einstein-Forum vorbereitet. Sie erzählt munter von ihren Nebenjobs in einem früheren Leben, sei es als Gabelstaplerfahrerin ("Damit durfte ich nicht auf die Autobahn"), als Hilfskraft bei einer Schnellimbisskette ("Die Kunden hatten so unfassbar schlechte Laune, also habe ich ihnen per Schild vorgegaukelt, dass sie für Werbeaufnahmen gefilmt werden") bis hin zum missglückten Versuch, als Model genommen zu werden. Immer wieder werden ihre Stakkato-Sprechsalven von Musiktiteln unterbrochen. Begleitet wird sie von der sechsköpfigen Band Honkey Donkeys.

Diese rockt nicht nur das gesamte Forum, sondern lässt sich von Boes auch in skurrile Kostüme stecken und zu gewagten Tanzeinlagen nötigen. Als Ausgleich darf sie sich zum Kartenspielen zurückziehen. Dass Mirja Boes' Reisefön ungeplant versagt und Brandgeruch hervorruft, als sie während einer Gesangseinlage der Band für Wind sorgen will, passt perfekt zu diesem Kindergeburtstag für die Großen.

Während der Pause können die Zuschauer per Zettel das weitere Programm bestimmen. Ein Pärchen muss auf der Bühne ehrliche Antworten zur Partnerschaft geben - es macht den Spaß mit und lässt sich von Boes' trockenen Bemerkungen nicht irritieren.

Das von den Honkey Donkeys in diversen Musikstilen wie Reggae, Oper, HipHop oder Heavy Metal improvisierte Kinderlied "Hänschen klein" gehört sicher zum Höhepunkt des Abends. Dagegen wirken die Überlegungen von Mirja Boes zu einer Dildo-Party und Analketten eher peinlich.

Das Publikum zollt der Künstlerin viel Beifall - und bekommt dafür mehrere Zugaben.

(keld)
 
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