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Neuss
Ein Kunstclub nur für Flüchtlingskinder

Neuss. Vier Monate lang hat das Theater am Schlachthof Workshops in Tanz, Fotografie, Graffiti und Malerei angeboten. Heute Nachmittag werden die Ergebnisse an der Blücherstraße präsentiert. Von Jascha Huschauer

Normalerweise werden bei einer Ausstellung die Originale präsentiert. Vor allem, wenn sie die Ergebnisse eines kleinen Workshops sind. Im Theater am Schlachthof (TaS) ist das heute nicht möglich. Denn die Künstler dieser Abschlusspräsentation haben ihre Kunstwerke meistens sofort mitgenommen. Aus gutem Grund: Schließlich wussten sie nicht, ob sie am nächsten Morgen noch in Neuss wohnen werden. Denn die Künstler sind Kinder, die mit Eltern vor kurzem nach Deutschland geflüchtet sind.

Vier Monate lang konnten sie im TaS in Kunst und Kultur eintauchen, in 22 Workshops sich in Tanz, Fotografie, Graffiti und Malerei üben. Die Ergebnisse, so sie noch da sind, werden heute um 17 Uhr an der Blücherstraße 31 präsentiert. Dabei wird ein Doku-Film gezeigt, der die Atmosphäre der Workshops festhält. Außerdem sind Fotos aller Kunstwerke ausgestellt. Abgerundet wird die Präsentation von Porträtfotos der jugendlichen Künstler.

"Kultur und Kunst sollte zu jedem Leben dazugehören", sagt Lisa Stapelfeldt. Die 26-Jährige studiert Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein und hat den Kunstclub zusammen mit dem Kulturmanager Dennis Palmen (32) organisiert. "Die Idee, ein Angebot für geflüchtete Kinder zu machen, hatte das TaS", erklärt Palmen. Gefördert wurde das Projekt vom "Kulturrucksack" Nordrhein-Westfalen. Große Hilfe leistete Iris Nötzel von der Neusser Flüchtlingshilfe. "Sie hat für uns Fahrer organisiert und Kontakte hergestellt", sagt Palmen. Die Umsetzung lag dann bei ihm und Lisa Stapelfeldt. "Wir haben Kunstformen gesucht, bei denen es keine große Sprachbarriere gibt." Ein Theaterworkshop schied also beispielsweise aus. Dafür konnte ein Tor der Wagenbauhalle im Graffiti-Workshop neu gestaltet werden. "#happy" steht da nun. Und: "i? friends".

Begleitet wurden die geflüchteten Kinder bei den Workshops immer von einem Künstler. Insgesamt beteiligten sich zwölf Workshopleiter. Zu den jeweils zweistündigen Terminen kamen je 15 Kinder und Jugendliche. Nicht alle Kinder konnten dauerhaft dabei bleiben. Dennoch haben sie den Kunstclub sehr genossen, sagt Palmen. "Sie haben Theater als einen sehr spannenden und fröhlichen Ort erlebt.

Und sie haben sich willkommen gefühlt und einen Ort in dieser Stadt kennengelernt. "Das ist für Kinder sehr wichtig", sagt er. Offen und neugierig seien die Kinder gewesen. Und hätten sehr große Fortschritte im Erlernen der deutschen Sprache gemacht. "Insgesamt war das für uns und die Workshopleiter eine ganz neue Erfahrung", sagt Palmen. Wenn es finanzierbar ist, würde er das Projekt auch gerne fortsetzen.

Quelle: NGZ
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