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Neuss
Ein Lebensretter-Projekt für Uedesheim

Neuss: Ein Lebensretter-Projekt für Uedesheim
(1) Aline Brodka überprüft, ob die Person, hier eine Trainingspuppe in einer Übungssituation, noch atmet. Dafür hat sie den Kopf leicht nach hinten gestreckt und horcht zehn Sekunden. FOTO: ELENA ERBRICH
Neuss. In den Neusser Stadtteil brauchen Rettungskräfte mit am längsten. Darum wollen Politik und Rettungsdienst die Bürger schulen lassen, wie sie bei Herzstillständen richtig reagieren, bis die Experten kommen. Auch ein Modell für ganz Neuss? Von Simon Janssen

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Doch oft dauert es bis zu acht Minuten, ehe der Rettungsdienst vor Ort ist, um den Patienten zu versorgen. Dabei handelt es sich um die gesetzlich vorgegebene Hilfsfrist für Nordrhein-Westfalen in städtischen Gebieten. Uedesheim besitzt keine eigene Rettungswache, und ist einer der Neusser Stadtteile, bei dem es schon mal etwas länger dauern kann, bis Sanitäter Hilfe leisten können. Und genau diese Tatsache hat Hella Körner-Göbel dazu veranlasst, ein Projekt ins Leben zu rufen. Die Uedesheimerin war lange Jahre Leiterin des Notarzt- und Rettungsdienstes der Stadt Wuppertal und weiß um die Wichtigkeit von schneller Reaktion bei Herz-Kreislauf-Stillständen.

Der Leitgedanke des geplanten Projektes lautet "Rette deinen Nachbarn". Denn noch immer herrsche oft Unwissenheit darüber, wie im Ernstfall zu reagieren ist. "Dabei ist eine Herz-Druck-Massage sehr leicht zu lernen. Es dauert nicht mal eine Stunde", sagt die 67-Jährige. Bei dem Projekt soll es sich in keiner Weise um Konkurrenz zu den Rettungsdiensten handeln: "Es ist nur die Stufe eins. Der Rettungdienst ist froh, wenn bereits etwas gemacht worden ist."

(2) Atmet die Person nicht, beginnt die Ersthelferin mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dafür drückt sie 30 Mal auf den Brustkorb. Ihre Arme sind dabei durchgestreckt. FOTO: Elena Erbrich

Marc Zellerhoff, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienst im Rhein-Kreis Neuss, sieht das genau so - und beteiligt sich ebenfalls an dem Projekt. "Es geht darum, mit gezielten Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen der Sanitäter zu überbrücken - und dadurch eventuell ein Leben zu retten. So etwas kann eines Tages jeden von uns treffen", sagt Zellerhoff.

Stefan Crefeld, CDU-Stadtverordneter für Uedesheim, möchte auch Vereine, Feuerwehr, die Kirche und Schulen ins Boot holen. Erste positive Signale habe man mit dem Anliegen bereits erhalten. Nun gehe es darum, die Idee zu konkretisieren und auch die passenden Räumlichkeiten für die geplanten Workshops zu finden. Crefeld schließt sogar nicht aus, das Projekt - sollte es erfolgreich verlaufen - auch in anderen Neusser Stadtteilen durchzuführen. Bei der vergangenen Bürgerversammlung in Uedesheim weckte Hella Körner-Göbel mit ihrer Idee auch das Interesse von Bürgermeister Reiner Breuer. "Erste gemeinsame Gespräche mit allen möglichen Beteiligten sind geplant. Je mehr dabei sind desto besser", sagt die ehemalige Leiterin des Notarzt- und Rettungsdienstes der Stadt Wuppertal.

(3) Dann hält sie die Nase der Person zu, umschließt mit ihrem Mund den Mund des Betroffenen und beatmet ihn zwei Mal. Dann drückt sie wieder 30 Mal auf den Brustkorb. FOTO: Elena Erbrich

Doch die Organisatoren bringen auch noch eine "zweite Säule" ins Spiel. Und die funktioniert digital. So bestehe die Möglichkeit, über ein App-gestütztes Alarmierungssystem der Notrufzentrale 112 zeitgleich zum Notarzt einen medizinisch qualifizierten Ersthelfer zu alarmieren, der sich möglicherweise zufällig in unmittelbarer Einsatznähe befindet. Dieser Pool an geschulten Ersthelfern müsste jedoch erst aufgebaut werden.

Ungefähr 400 Herz-Kreislauf-Stillstände gibt es laut Zellerhoff pro Jahr im Rhein-Kreis. Zwar habe sich die Zahl der Laien, die vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungs-Maßnahmen beginnen, in den vergangenen fünf Jahren um 14 Prozent auf 34 Prozent erhöht, doch in anderen europäischen Ländern liegt diese Rate deutlich höher.

(4) Der automatisierte externe Defibrillator (AED) für Laien kann durch Stromstöße Herzkammerflimmern unterbrechen. Michael Köster klebt die Elektroden auf die Puppe. FOTO: Elena Erbrich
Quelle: NGZ
 
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