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Neuss
Ein Musterhaus für die Demenzforschung

Neuss: Ein Musterhaus für die Demenzforschung
Die Zweiteilung der Fassade zeigt schon unterschiedliche Nutzungen an. Während Forschung, Schulung und Beratung im Erdgeschoss des DKR angesiedelt sind, werden in den oberen Geschossen Demenzerkrankte leben. FOTO: Animation; ECF-Architekten
Neuss. Für 20 Millionen Euro bauen die St. Augustinus-Kliniken mit dem Demenz-Kompetenzzentrum Rheinland eine Einrichtung, die bundesweit ohne Vorbild ist. Beratung, Betreuung, Schulung und Forschung unter einem Dach. Von Christoph Kleinau

Monate vor dem ersten Spatenstich im Oktober hat der Bau an dem Demenz-Kompetenzzentrum Rheinland (DKR) schon längst begonnen. Denn der 20 Millionen Euro teure Neubau an der Steinhausstraße, den die St. Augustinus-Kliniken bis zum Herbst 2015 Uhr fertigstellen wollen, wird nur die Hälfte dessen ausmachen und abbilden, was sich der Bauherr konzeptionell vorstellt. Der "Rest" ist ein fein verästeltes Geflecht der Hilfe, an dem über die Beratungs- und Koordinationsstelle (Beko) Augustinus-Klinik schon lange gearbeitet wird. Der ganze Kreis soll so von diesem Zentrum aus durchdrungen werden, erklärt Augustinus-Geschäftsführer Thilo Spychalski.

Das Szenario ist bekannt und herausfordernd genug: Bis 2030, so schätzen Experten, wird sich die Zahl der dementiell Erkrankten bundesweit auf drei Millionen verdoppelt haben. Während Anstrengungen zur medizinischen Versorgung dieser Gruppe sehr gefördert würden, sei die öffentliche Hand bei der Finanzierung von sozialer Fürsorge und Beratungsstrukturen alles andere als freigiebig, sagt Spychalski. Die Augustinus-Kliniken schreckt das nicht. Sie konnten ihre seit 2009 diskutierten Konzepte der Kostensituation anpassen und treten an um etwas zu schaffen, was in Deutschland ohne Vorbild ist.

80 Menschen mit weit fortgeschrittener Demenz wird das DKR stationär aufnehmen und betreuen können. Damit verdoppeln die Augustinus-Kliniken die Zahl ihrer Pflegeplätze in diesem klassischen Bereich. Aber das DKR wird mehr sein als ein Pflegeheim. Mit dem Grundgedanken, eine lückenlose Versorgung zu entwickeln, wird der Bauherr nicht nur sein gebündeltes Know-how aus Somatik, Psychiatrie, Alten- und Behindertenhilfe einbringen, sondern das Haus auch der Forschung öffnen.

Mit der Universität Essen (auch die Uni Göttingen sei interessiert) soll untersucht werden, so umreißt es der ärztliche Direktor Dr. Martin Köhne, welche Möglichkeiten es außerhalb der Pharmazie gibt, um diesen Patienten zu helfen. Klinische Reihenuntersuchungen seien damit ausgeschlossen. Neben diese Versorgungsforschung treten Problemlösungen für den Alltag. Welche Badeinrichtung erleichtert die Pflege? Wie wirken bestimmte Farben auf die Psyche, und wie müssen Räume gestaltet sein, damit sich Demente wohlfühlen? Im Schulterschluss mit interessierten Herstellern sollen solchen Fragen nachgegangen und Lösungen in der Praxis erprobt werden. Diese Alltagsforschung soll in den Räumen der Kurzzeitpflege mit zehn Plätzen angesiedelt werden.

Zur Forschung treten Schulung, Weiterbildung und Beratung all jener, die mit Demenz direkt zu tun haben. Das geht weit über Kranke und deren Angehörige hinaus. "Wir wollen als Schrittmacher und Multiplikator wirken", sagt Spychalski – und legt die Messlatte sehr hoch.

(NGZ/rl)
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