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Neuss
Ein Streichquartett mit drei Brüdern

Neuss: Ein Streichquartett mit drei Brüdern
Erik Schumann wurde 1982 als Sohn deutsch-rumänisch-japanischer Eltern in Köln geboren. Auch seine drei Geschwister sind Berufsmusiker. FOTO: M. Borggreve
Neuss. Erik, Ken und Mark Schumann bilden zusammen mit Lisa Randalu das Schumann Quartett. Es gastiert heute Abend im Zeughaus. Von Helga Bittner

Um es gleich klarzustellen: Erik Schumann ist nicht der Chef des Quartetts. "Den gibt es bei uns nicht", sagt der Geiger. Nicht nur, um keinen Geschwisterstreit heraufzubeschwören, sondern weil ein Streichquartett einen Chef gar nicht brauche. Erik ist mit 33 Jahren zwar der älteste der drei SchumannBrüder, die zusammen mit Bratschistin Lisa Randalu das Schumann Quartett bilden, aber das spielt keine Rolle. Für ihn wie für Ken (29) und Mark (27), der eine Violinist, der andere Cellist, ist es wichtiger, dass sie auf der Bühne einen professionellen Umgang pflegen und in der Sache um das kämpfen, was ihnen am Herzen liegt: die Musik.

Teamwork ist für die drei Schumänner, die mit Lisa Randalu vor fast vier Jahren die perfekte Ergänzung fanden, nachdem ihnen ihre frühere Bratschistin wegen Heirat in Japan abhanden gekommen war, nicht nur ein Schlagwort. "Wir erarbeiten und entwickeln unser Programm gemeinsam", sagt Erik Schumann, "und haben auch ein grundtiefes Vertrauen zueinander." Ähnliches lässt sich wohl auch von der Zusammenarbeit mit dem Quartett sagen, mit dem die Schumänner sich für das Zeughauskonzert zum Schubert-Oktett erweitern. Klarinettist Ralph Manno kennen sie noch aus Studentenzeiten. Mit ihm und Christoph Eß (in einer Umbesetzung für Marc Gruber, Horn), Georg Klütsch (Fagott) und Szymon Marciniak (Kontrabass) haben sie schon öfter zusammengespielt.

Erik, Ken und Mark Schumann stammen aus einer musikalischen Familie. Die Mutter ist Pianistin, der Vater Geiger bei den Düsseldorfer Symphonikern. Natürlich sind die Jungs ebenso wie Marks Zwillingsschwester Lisa früh an Instrumente herangeführt worden, aber dass alle fünf gleich Streicher werden und dann auch noch Profis? "Ja", sagt Erik Schumann und lacht, "das mag schon ungewöhnlich sein." Allerdings nicht unbedingt aus seiner Sicht. Natürlich haben die Eltern die Kinder früh gefördert, "aber sie wären auch klargekommen, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte."

Der Rat, zur Geige zu greifen, stammte von der Mutter. Als Pianistin habe man es noch schwerer, hatte sie ihren Kindern mitgegeben. Für Erik, Ken und Lisa war es auch das richtige Instrument, nicht aber für Mark. "Er hat mit Geige angefangen", erzählt sein älterer Bruder und schmunzelt, "aber man sieht selbst auf den Kinderfotos an seiner Haltung, dass sie nichts für ihn war." Erst als man ihm eine Bratsche gab, er sie probierte und dabei wie ein Cello hielt, zeigte sich: Er hat sein Instrument gefunden. "Man sieht auf den Kinderfotos, wie wohl er sich damit fühlt", sagt Erik Schumann.

Bei aller musikalischen Förderung schon in Kinderjahren - andere Interessen seien nicht zu kurz gekommen. "Ich war auch in einem Fußballklub", sagt Erik Schumann, "habe Klassenfahrten wie alle anderen mitgemacht." Vielleicht, so gesteht er ein, habe er mal üben müssen, wenn Freunde den Nachmittag abhingen. "Aber wir sind dann eben später dazugestoßen", erzählt er und spricht damit auch für seine Geschwister.

Quelle: NGZ
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