| 00.00 Uhr

Serie: Ich war einmal
Ein Theater im Kaufhaus

Serie: Ich war einmal: Ein Theater im Kaufhaus
Als im Jahr 1962 das "modernste Warenhaus Westdeutschlands" eröffnete, trug es noch die Aufschrift "Merkur" und wurde später in "Horten" umbenannt. Erkennbar ist die Rolltreppe, die Fußgänger vom Haupteingang des Kolosses durch einen Tunnel zur Innenstadt leitete. FOTO: Stadtarchiv Neuss
Neuss. Das Rheinische Landestheater und das Kreishaus sind in dem Gebäude untergebracht, das nach dem Zweiten Weltkrieg als „Merkur“ errichtet und später als „Horten“ bekannt wurde. Zuvor befanden sich dort Wohnhäuser. Von Jan Drebes

Durch Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges wurden viele der historischen Wohnhäuser an der Oberstraße und in dem umliegenden Viertel zerstört. Als 1962 an der Stelle das Großkaufhaus „Merkur“ eröffnete, wurde es als das „modernste Warenhaus Westdeutschlands“ betitelt. Heute steht dort das Rheinische Landestheater mit dem angrenzenden Kreishaus – ein auffallender Wandel in Architektur und Funktion.

Wie Olaf Winkler in dem Buch „Metamorphose eines Warenhauses“ schreibt, wurde 1962 aus zwei Gründen die Modernität des „Merkur“ und späteren „Horten“ beworben: Technik und Ausstattung des Gebäudes waren auf dem neuesten Stand. Und auch die Architektur. Der aus heutiger Perspektive vielleicht als klobig erscheinende Klotz wurde von einer Gitterwerkfassade umgeben. Helmut Rhode hatte diese erstmalig im Jahr 1958 für Duisburg entworfen, Egon Eiermann brachte sie in die populärste Form aus Keramik-Elementen.

Entworfen wurde der Warenhaus-Koloss von den Architekten Hentrich und Petschnigg. Charakteristisch für die Anbindung des Gebäudes an die Innenstadt war eine Rolltreppe, die zu einer Unterführung der Kreuzung führte – auch um den Verkehrsfluss autofreundlicher zu machen.

Bekannt wurde das Gebäude den Neussern aber als das „Horten“. Jahrzehntelang war es eines der größten Kaufhäuser in Neuss. Die Metro AG führte die Filiale bis 1999. Doch schon 1998 fiel der Ratsbeschluss, das Horten-Haus umzubauen und umzuwidmen. Die Neusser Architekten Ingenhoven und Ingenhoven schlugen das heutige multifunktionale Theater-, Kino- und Kreisverwaltungsgebäude vor.

Die Umbaumaßnahmen dauerten 21 Monate. Nachdem die Kacheln von der Außenhaut entfernt wurden, fielen die Außenwände. Besucher des Rheinischen Landestheaters, das am 16. Dezember 2000 mit der Premiere von Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ eröffnet wurde, können noch heute den einstigen Aufbau des Kaufhauses an den Treppenhäusern erkennen.

Die Rundung des Landestheaters beabsichtigt die Verbindung der „Kulturmeile“ von der Oberstraße bis zum Clemens-Sels-Museum mit der Innenstadt – wie einst die Rolltreppe vor dem Haupteingang des Merkur-Warenhauses.

Quelle: NGZ
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie: Ich war einmal: Ein Theater im Kaufhaus


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.