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Neuss
Ein Weltstar der Kunst in Hombroich

Neuss: Ein Weltstar der Kunst in Hombroich
33 Werke von Olafur Eliasson aus der Sammlung Boros (von insgesamt 45) sind in der Langen Foundation ausgestellt - wie "Twilight Stars" von 2010. FOTO: woi
Neuss. Olafur Eliasson stellt in der Langen Foundation seine Arbeiten aus der Sammlung Boros vor. Von Helga Bittner

Der Mann scheint von endloser Geduld zu sein. Ob von dort die Bitte kommt, sich für ein Foto an jenem Kunstwerk aufzustellen, ob von da ihm ein Mikro unter die Nase gehalten wird oder von dritter Seite ein Autogramm erbittet wird - Olafur Elliasson bleibt gelassen. Höflich. Cool. Lächelt, immer wieder. Die lange Ausstellungsliste der Langen Foundation auf der Raketenstation ist wahrlich nicht arm an großen Künstlernamen, und auch wenn ein Günther Uecker oder ein Otto Piene schon da waren, ihre Kunst höchstpersönlich vorstellten - einen ähnlichen Hype wie jetzt bei der Schau des isländisch-dänischen Künstlers gab es zuletzt bei Karl Lagerfeld. Nur von der Fiebrigkeit, die damals den Modezar beim Pressetermin umgab, ist bei Olafur Eliasson nichts zu spüren.

Vielleicht, weil der 1967 in Kopenhagen geborene Künstler auch der nette Nachbar von nebenan sein könnte. Der adrett in Pullover und weißem Hemd, in dunkler Hose und Sneakers wie jeder andere durch die Räume der Langen Foundation geht und sich alles anschaut. Den "Room for all Colours" von 1999, der aus dem Rampenraum ein einziges Farbspiel macht, oder den Ventilator von 1997, der genau in der Mitte des großen Saals hängt und von den Menschen, die unter ihm herlaufen, in Schwingungen versetzt wird.

Vermutlich staunt er nur weniger. Er ist zwar auch das erste Mal in dieser Ausstellung, aber natürlich weiß er, was seine Freunde, die Sammler Christian und Karen Boros, aus ihrem Bestand dafür ausgesucht haben. Obwohl: So manches, was aus seinen frühen Jahren stammt, wirkt in diesem Raum wieder neu, wird er später mit einem Lächeln sagen.

Über Telefonate wurde Eliasson auf dem Laufenden gehalten, denn zweifellos hatte er Wichtigeres zu tun. Die Tochter hatte Geburtstag, und so war er daheim bei seiner Familie in Kopenhagen. Der Künstler arbeitet in Berlin, aber lebt in zwei Städten, denn er und seine Frau hatten vor Jahren schon entschieden, die beiden Adoptivkinder aus Afrika lieber in Dänemark aufwachsen zu lassen. Ein Kindheit dort sei besser, hat er mal gesagt, der Standard in Dänemark höher. Also pendelt er oder seine Familie

Von Köln aus ist Eliasson 1994 nach Berlin gegangen. Zwei Jahre nur hatte er im Rheinland gelebt, Studienreisen, wie er sagt, nach Krefeld und auf die Insel Hombroich gemacht, bevor er sich zum Aufbruch entschloss. Den stellt er auch heute nicht in Frage, hat immer noch Kontakte zu der Galerie, die ihm 1995 die erste Einzelausstellung in Berlin ermöglichte, fühlt sich verantwortlich für sein Team, das mittlerweile aus 90 Personen - Grafikdesigner, Architekten, Techniker, Historiker - besteht. Vor allem: "Es gehören inzwischen 62 Kinder dazu", sagt er.

Da sitzt er schon längst am Tisch, spricht mit der Künstlerischen Leiterin der Langen Foundation, Christiane Schneider, und Sammler Christian Boros über Kunst und Freundschaft. Scribbelt auf dem Blatt einer Spiralkladde, so intensiv, dass man denkt: Entsteht da die Skizze für ein neues Kunstwerk? Wäre ja nicht das erste Mal, dass Hombroich inspiriert.

Info Eröffnung heute, 12 bis 17 Uhr, bis 18. Oktober, Video auf ngz-online.de

Quelle: NGZ
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