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Neuss
Eine Ausstellung - kurz und intensiv wie ein Taifun

Neuss: Eine Ausstellung - kurz und intensiv wie ein Taifun
Die Performancekünstlerin Yingmei Duan markierte den Höhepunkt der Ausstellung. Sie stammt aus China, lebt aber seit 20 Jahren in Braunschweig. FOTO: Tinter
Neuss. Drei Künstler zeigten jetzt im Atelierhaus auf unterschiedliche Weise ihre Erfahrungen, die sie in Asien machten. Von Claus Clemens

Im Atelierhaus wurde am Freitag eine Ausstellung eröffnet, die nur drei Tage später endete. Wie ein Taifun, so die Kuratoren, sei man kurz und stürmisch nach Neuss gekommen. "Taifun ist die Kombination zweier kantonesischer Wörter und bedeutet Großer Wind" erläuterte die aus China stammende Lico Fang. Sie tat dies auf Englisch und entsprechend lautete auch der Titel der kurzen Ausstellung auf der Hansastraße: "What we talk about when we talk about residence"(Worüber wir sprechen, wenn wir über Residenz sprechen).

Gezeigt wurden die Ergebnisse der Asienaufenthalte dreier Künstler. In sogenannten "Residenzprogrammen" hatten sie sich einige Wochen in Korea, China und Japan aufgehalten. Michal Martychowiec, 1987 in Polen geboren, lebt jetzt in Berlin. Sein Gebiet sind historische und kulturelle Symbole. Jürgen Staack kam 1978 noch in der DDR zur Welt. An der Kunstakademie Düsseldorf studierte er in der Meisterklasse von Thomas Ruff. Die dritte Künstlerin ist Yingmei Duan. Sie stammt aus China, lebt aber seit beinahe 20 Jahren in Braunschweig. An der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste hat sie ihren Mastertitel erworben. Einer ihrer Dozenten war Christof Schlingensief. Seither reist sie als Performancekünstlerin durch die Welt. "Ich war bereits in 40 Ländern", erzählte sie bei der Vernissage. In Neuss bildete ihr Auftritt den Höhepunkt des Abends.

Dem Sog der Melodie eines Kinderlieds folgend, ähnlich dem Rattenfänger von Hameln, führte Yingmei Duans Weg vorbei an den Exponaten. Tatsächlich zeigt eine der Videoinstallationen chinesische Kinder, die vergnügt in Matsch und Dreck spielen. Wohl wissend, dass ihre Mütter sie dafür strafen werden, wie es im Textband heißt.

Ein anderes Video präsentiert die Welt aus der Sicht asiatischer Schweine. Mit dem Betrachter kommunizieren sie auf Englisch. "We don't live long, but we bring happiness", erzählt ihr Fließtext. Prompt sieht man, wie eines der Tiere getötet, ausgeschlachtet und zu menschlicher Nahrung verarbeitet wird. Ihr kurzes Leben in der Tierwelt hat ihnen nicht das Glück beschert, das sie den Menschen symbolisch bringen. Traurig blicken sie aus ihrem Koben auf Hühner und andere Hofbewohner, die frei herumlaufen dürfen. Eine traurige, melancholische Reiseimpression.

Bei der anschließenden Diskussion ging es um die Produktionsbedingungen, unter denen Kunstwerke in Residenzprogrammen geschaffen werden. Für Harald Müller, Leiter des Neusser Kulturamts, ist das Ganze ein faszinierendes Thema. Noch für diesen Sommer plant er, junge Künstler zu einem Residenz-Aufenthalt in seine Stadt einzuladen. Yingmei Duan schlug hierzu eine erste Brücke: neben dem Schweine-Video stand eine Schüssel mit Wurstscheiben für die Gäste. Ein kleiner Zettel gab Aufschluss: "We are sausage from Lidl in Neuss."

Quelle: NGZ
 
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