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Neusser Woche Jugendstilsammlung
Eine Chance, die das Stadtmarketing fordert

Neuss. Die Neusser diskutieren: Wie viel ist uns die angebotene Jugendstilsammlung wert? Aber keiner fragt: Wie viel Wertschöpfung macht sie möglich?

Die Neusser diskutieren seit Wochen über die Frage, ob die Stadt die angebotene Jugendstilsammlung annehmen sollte, auch wenn sie anschließend tief in die Stadtkasse greifen muss, um in einen Museumsanbau zu investieren und fortan Finanzdienste und Betriebskosten aus dem Haushalt bezahlen muss. Jugendstilsammlung vs Sozialausgaben. Sind Kunst und Kultur "nice to have", aber verzichtbar, wenn es der Stadt an Geld fehlt, um Kita-Gebühren möglichst gering zu gestalten oder die Schultoiletten zu sanieren? Genau auf diesen Punkt spitzt sich in Neuss die Diskussion zu. Die Politiker, die in der Verantwortung stehen, müssen Prioritäten setzen. Die Fraktionen haben diese missliche Lage längst erkannt und geben die Abstimmung frei. Es wird schwer, eine Mehrheit für die Jugendstilsammlung und den Museumsanbau zu erhalten. Aber vielleicht gelingt es der geplanten Diskussionsveranstaltung des Fördervereins ja doch noch, das bisher enge Blickfeld zu öffnen. Es wird höchste Zeit, dass die Jugendstilsammlung als das gesehen wird, was sie ist: Eine hoch qualifizierte Kunstsammlung, die zu einer Marketingchance für die Stadt Neuss werden könnte. Wie, so fragt sich der Beobachter, würde die städtische Neuss Marketing GmbH mit so einem Pfund Kunst wuchern? Es ist also nicht die Frage, was ist die Sammlung wert, sondern wie sieht die ideelle und materielle Wertschöpfung aus. Dabei spielt der Museumsbau eine große Rolle. Er darf nicht nur funktionierende Hülle sein, sondern muss selbst Kunst sein. Wer's nicht glaubt, hat ein Beispiel vor der Tür: Die Langen Foundation auf der Raketenstation nahe Holzheim, die vom japanischen Stararchitekten Tadao Ando meisterhaft in Szene gesetzt wurde. Allein dafür, so meinen jedenfalls viele auswertige, nicht nur japanische Besucher, lohne ein Besuch in Neuss. Finden die auch den Weg ans Obertor? Dem Clemens-Sels-Museum und seiner Erweiterung fehlt ein schlüssiges Marketing-Konzept.

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Quelle: NGZ
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