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Mein Lieber Nachbar
Eine Clique seit 50 Jahren

Mein Lieber Nachbar: Eine Clique seit 50 Jahren
Beste Nachbarn: Ilse Joost, Hannelore Knorra, Rosemarie Schlegel, Ehrenhard Lätsch, Hannelore Hurtmanns, Helga Lätsch und Adolf Hurtmanns (v. l.). FOTO: Tinter
Neuss. Hannelore Knorra und ihre Nachbarn sind 1965 in ein Haus der Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft (GWG) gezogen. Inzwischen wohnen die sechs Familien seit 50 Jahren unter einem Dach - und sind zu einer echten Gemeinschaft geworden. Von Dagmar Fischbach

Weckhoven Es war November, als Hannelore Knorra in ihre neue Wohnung an der Carlo-Mierendorff-Straße einzog. "Es hatte geschneit. Der Boden war matschig. Wir balancierten unsere Möbel über Planken in den Neubau ", erinnert sie sich. Genau 50 Jahre ist das jetzt her. Inzwischen sind die Wege längst plattiert, die Straße hat eine Asphaltdecke. "Aber wir erinnern uns immer noch gern an die Anfangszeiten", sagt Knorra.

Wir, das sind die sechs Familien im Zwölf-Parteien-Haus, die von Anfang an gemeinsam im Gebäude der Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft (GWG) am Rand von Weckhoven wohnen. Sie sind zu einer echten Gemeinschaft zusammengewachsen. "Bei uns muss sich niemand darum sorgen, wer die Blumen während des Urlaubs gießt. Wenn man zum Arzt muss, findet sich immer jemand, der einen bringt oder abholt", berichtet die heute 74-Jährige. "Nachbarschaftshilfe ist bei uns nicht nur ein Wort. Und einsam ist hier keiner."

Zunächst seien sich die Nachbarn über die Kinder näher gekommen. 13 Söhne und Töchter waren 1965 mit in den Neubau gezogen. "Auf dem Spielplatz kamen wir ins Gespräch. Oder beim Schafe Füttern - denn die grasten damals noch direkt vor der Haustür", erzählt sie. Weckhoven sei damals noch ein richtiges Dorf gewesen. Heute zählt der Stadtteil rund 9000 Einwohner.

Das Nachbarschaftsband an der Carlo-Mierendorff-Straße sei so richtig festgezurrt worden, als 1985 ein Ehepaar seine Goldene Hochzeit feierte. "Wir haben gesammelt und eine Party organisiert, tagelang Blumen gedreht, das Treppenhaus und den Eingang geschmückt", sagt Knorra. "Auf der Wiese vor dem Haus haben wir ein Zelt, Tische und Bänke aufgebaut." Fast eine Woche lang habe man Goldhochzeit gefeiert. Mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag. "Abends kamen die Würstchen auf den Grill", erinnert sie sich.

Das Gold-Ehepaar wohnt inzwischen nicht mehr im Haus, und auch in den übrigen Wohnungen hat es den ein oder anderen Mieterwechsel gegeben. Aber der harte Kern ist geblieben - und mit ihm die Feste. Mindestens ein Mal pro Jahr werde eine Hausparty organisiert. "Dazu laden wir natürlich auch die übrigen 36 Parteien aus unserem Wohnblock ein." Jeder bringe etwas mit. "Meistens kommen auch die erwachsenen Kinder dazu und schwelgen in Erinnerungen an die Zeiten." Besonders gern erinnerten sie sich an einen Dachdecker. "Der kam recht häufig, weil um uns herum noch alles im Bau war. Dann fuhr er die Kinder in seinem Kastenwagen immer eine Runde durch den Wendehammer. Das haben sie bis heute nicht vergessen", erzählt die Mutter von zwei Töchtern.

Das Jubiläum in diesem Jahr wurde auch ordentlich gefeiert. "Aber wir haben es in den Sommer vorgezogen. Der November ist uns einfach zu usselig. Wir müssen nicht nochmal durch den Matsch stapfen", sagt Hannelore Knorra schmunzelnd. Dafür gab es im Sommer gleich zwei 50-Jahr-Feiern: Denn der Hauseigentümer, die GWG, hatte zum Jubiläum seiner Bauten an Weckhovener und Carlo-Mierendorff-Straße auch eine Party für die Mieter ausgerichtet.

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Quelle: NGZ
 
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