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Wolfgang Koger
"Eine fixe Idee reicht nicht zum Erfolg"

Neuss. Wer sich selbstständig macht, braucht ein Konzept und Mut. Wolfgang Koger ist bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein im Bereich für Existenzgründung tätig und gestaltet die Initiative "Guck mal, wer da gründet!" mit.

Herr Koger, die Zahl der Existenzgründungen ist im Kammerbezirk leicht rückgängig. Woran liegt das?

Wolfgang Koger In erster Linie an der guten Konjunkturlage. Die Arbeitslosigkeit sinkt, parallel dazu sinkt auch das Gründungsinteresse. Es gibt weniger Notgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus. Zudem haben wir einen Fachkräftemangel, Unternehmen suchen also nach geeignetem Personal - und das bietet Perspektiven. Man kann schon sagen: Der klassische geregelte Job als Angestellter ist beliebter als die ja auch mit Risiken behaftete Selbstständigkeit.

Was sind die größten Probleme, die sich Existenzgründern stellen?

Koger Es gibt im Grunde fünf große Blöcke, in denen sich Gründer auskennen müssen: Erstens rechtliche Grundlagen, zweitens steuerliche Fragen, drittens die Finanzierung, viertens muss der Businessplan stimmen und fünftens geht es auch um Marketing. Ein Angebot, das auf dem Markt erfolgreich sein möchte, muss auch wahrgenommen werden. Dabei gibt es häufig überraschend große Defizite.

Inwiefern?

Koger Mehr als ein Viertel der Gründungsinteressierten, die zu uns kommen, können ihre Produkt- beziehungswiese Geschäftsideen nicht klar beschreiben. Und es fehlt ihnen oft das Alleinstellungsmerkmal, auf das es für den Erfolg ankommen kann. Wir versuchen, die Gründer mit entsprechender Beratung und Seminaren in allen erforderlichen Bereichen fit für den Sprung in die Selbstständigkeit zu machen und zeigen, wie Fachleute ihnen bei bestimmten Fragen weiterhelfen können.

Wer nachbessern muss, sollte auch empfänglich für Beratung und konstruktive Kritik sein. Ist es mitunter schwierig, einen Gründer dafür zu sensibilisieren?

Koger Es ist nicht immer einfach. Aber nehmen wir den Businessplan als Beispiel: Da kommt immer mal jemand, der meint, das sei doch unnütziger Hokuspokus. Spätestens, wenn es dann an Finanzierungsfragen und Gespräche mit der Bank geht, merkt er, dass es ohne seriösen Businessplan nicht geht.

Mit der neuen Broschüre "Guck mal, wer da gründet!" möchte die IHK Mittlerer Niederrhein Lust aufs Gründen machen. Gezeigt werden Existenzgründungen aus der Region. Was ist der Kerngedanke?

Koger Wir stellen branchenübergreifend Unternehmer vor, die den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben. Sie erzählen ihre Geschichte - von der Idee bis zur Verwirklichung der Existenzgründung. Das gibt erstens Einblicke in Abläufe und nimmt manchem vielleicht auch etwas die Sorge vor einer solchen Entscheidung. Unabhängig von der Broschüre gibt es am 18. November im Rathaus Kaarst aber auch von 10.30 bis 15.30 Uhr einen Gründer- und Unternehmertag, den wir in Kooperation mit der Kreiswirtschaftsförderung und der Stadt Kaarst ausrichten.

Jede Gründung beginnt mit einer Idee. Gibt es Vorhaben, bei denen Sie von vornherein die Hände über dem Kopf zusammenschlagen?

Koger Nein, die gibt es nicht. Ich bin seit 25 Jahren bei der IHK, man muss sich jede Idee genau anschauen. Manche Dinge sind vielleicht noch nicht bekannt, aber machen morgen schon die Runde. Ich erinnere mich noch genau, wie damals der erste Internetprovider in meinem Büro saß und mir sein Projekt vorstellte. Für viele war das seinerzeit schwer greifbar und abstrakt, dabei lag er mit seiner Idee richtig.

Wann ist eine Idee so gut, dass Sie schnell sagen: Das könnte klappen?

Koger Wenn sie gut vorbereitet ist. Eine fixe Idee reicht nicht für eine erfolgreiche Existenzgründung. Es bedarf auch viel Einsatz und mitunter Geduld. Generell gilt: Quer- und Seiteneinsteiger haben es schwerer als jemand, der aus der Branche, in der er sich selbstständig machen möchte, kommt, weil er in der Regel den Markt viel besser einschätzen kann. Man kann sagen: Eine gute Idee ist wichtig, aber eben auch eine gute Vorbereitung.

Es gibt den schönen Satz "In der Nische lebt es sich gut". Haben das die Gründer verinnerlicht?

Koger Eine Nischengründung, die ihren Markt hat, ist der Idealfall. Innovative Neugründungen sind wünschenswert, aber in der Regel handelt es sich meist um "kopierte" Gründungen.

Gibt es einen Bereich, der besonders im Kommen ist?

Koger Wir haben viele Gründungen im Gesundheits- und Pflegebereich, das hängt natürlich mit dem demografischen Wandel zusammen. Der IT-Bereich ist nach wie vor stark, hinzu kommen zum Beispiel Gebäudemanagement- beziehungsweise Hausmeisterservicedienste.

ANDREAS BUCHBAUER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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