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Neuss
Eine Heimat für Graureiher und Eisvogel

Neuss: Eine Heimat für Graureiher und Eisvogel
Der Eisvogel fühlt sich in Neuss offenbar sehr wohl. FOTO: dpa
Neuss. Saubere Gewässer und eine ökologische Nische im Jröne Meerke ziehen Eisvogel und Graureiher an. Tierfreunde können die beiden Vogelarten in Neuss entdecken - den Eisvogel sogar mitunter im eigenen Garten. Von Julia Schüßler

Ob blau metallisch schimmernd oder lange Stelzen: Sowohl der Eisvogel als auch der Graureiher fühlen sich mittlerweile rundum wohl in Neuss. Der Niederrhein scheint den einst seltenen Gästen wieder eine sichere und nahrungsreiche Heimat zu sein, die sie hier länger verweilen lässt.

Während der Eisvogel früher eine bedrohte Tierart in Europa war, erholt sich der Bestand langsam. Bei besonders niedrigen Temperaturen ist der Eisvogel sogar in privaten Gärten zu beobachten. Denn dann gefrieren die Gewässer in der freien Landschaft und die Vögel müssen auf die kleinen Teiche zurückgreifen. Dort seien es die älteren Exemplare, die einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Jungtieren besitzen. "Die alten Vögel wissen in dem Fall schon: Da fliege ich zu dem Ehepaar Schmitz, die haben noch eine Wasserpumpe im Teich", sagt Michael Stevens von der Biostation im Rhein-Kreis Neuss. Für Jungtiere sei es hingegen oft schwer, den Winter zu überstehen.

War der Eisvogel im Jahr 1974 nur als Durchzügler oder Wintergast in Neuss zu sehen, ist er mittlerweile das ganze Jahr über anzutreffen. Die Anzahl der Brutpaare in Nordrhein-Westfalen wird auf bis zu 1800 geschätzt. "Der Eisvogel schafft es, zwei- bis dreimal im Jahr zu brüten. Deshalb sind harte Winter auch relativ schnell wieder ausgeglichen", erklärt Stevens.

FOTO: Hogekamp Lena

Trotz milder Temperaturen, macht der Eisvogel aber auch derzeit seine Flugroute quer durch die Stadt. "Entlang der Erft, am Nordkanal, im Stadtgarten, im Selikumer Park und in der Norfbachaue kann man ihn beobachten", sagt Stevens. Vor allem in den Morgenstunden mache sich der Eisvogel mit einem sehr schrillen Pfiff akustisch bemerkbar, bevor man ihn dann über die Wasseroberfläche fliegen und nach kleinen Jungfischen schnappen sehe. Gründe für die wachsende Verbreitung des Eisvogels sind laut Stevens vor allem die verbesserte Klärtechnik, saubere Gewässer und die Restauration von Bächen. "Wenn der Eisvogel vorkommt, hat man einen gewissen Fischreichtum. Er ist ein Anzeiger, dass der Bereich intakt ist", sagt Stevens.

Und auch der Graureiher scheint Neuss als Brutplatz zu bevorzugen: Auf der Vogelinsel im Jröne Meerke hat der Stelzvogel eine Nische gefunden, in der er sich auch nicht von den Schneegänsen stören lässt, die sich mittlerweile zu einer Plage entwickelt haben. "Der Graureiher war lange Zeit nur vereinzelt in Neuss zu finden. Im vergangenen Jahr haben wir mindestens fünf Nester auf der Vogelinsel gefunden", sagt Susanne Wiertz-Kirchberg vom Amt für Umwelt und Stadtgrün. Da die Schneegänse auf dem Boden brüten und Graureiher in den Bäumen, kommen sich beide Arten nicht in die Quere. "Sie sind jetzt auch eine kleine Kolonie, und Graureiher nutzen die Kolonien, um zu brüten."

Quantitative Aussagen darüber, ob sich der Graureiher in den vergangenen Jahren aber tatsächlich vermehrt habe, können nicht getroffen werden. Darüber gebe es bislang keine Untersuchungen, sagt Wiertz-Kirchberg. "Festgehalten werden kann allerdings, dass sie sich mit der Insel einen perfekten Standort ausgeguckt haben. Da kommt so schnell keiner drauf."

Füchse und andere Raubtiere könnten zwar rüber schwimmen, machen dies aber normalerweise nicht. So kann der Graureiher ungestört Nachtruhe in den Zweigen halten.

Quelle: NGZ
 
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