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Neuss
Eine Klangwanderung auf der Museumsinsel Hombroich

Neuss. Beim 16. Inselfestival gab es auch ein Wiedersehen mit dem "Asasello-Streichquartett" und dem "Signum Saxophon-Quartett". Von Hansgeorg Marzinkowski

Das alle zwei Jahre stattfindende Inselfestival Hombroich hat seit Donnerstag in insgesamt elf Veranstaltungen Besuchermassen in das wunderbare Naturidyll zwischen Holzheim und Kapellen gelockt. Kern des vom Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich initiierten Inselfestivals ist es, Kunst und Natur zu verbinden. Dabei vereinigt das Festival hochkarätigste Künstler, vor allem aus dem Bereich der Musik - und das bei freien Eintritten.

"Es ist uns gelungen, das Festival mit Sponsoren und Spendern durchzufinanzieren", sagte ein zufriedener Vorsitzender Peter Gloystein. "Hombroich - das ist schon ein toller Verein!"

Das Eröffnungskonzert hatte mit dem ungarischen Geiger Barnabás Kelemen (36) gleich einen der angesagtesten Violinisten unserer Zeit zu Gast. Dabei war seine Anreise kurz, denn der Musiker mit "meisterlichen technischen Fähigkeiten" (The Guardian) unterrichtet seit gut einem Jahr als Professor an der Kölner Musikhochschule. Barnabás Kelemen begann vergleichsweise verhalten mit der "Schutzengelsonate" von Heinrich Ignaz Biber, aber schon das zweite Werk forderten ihn und seine vom ungarischen Staat zur Verfügung gestellte Gesú-Violine (von 1742) ungemein: In seinen "Sequenza" für Soloinstrumente hatte Luciano Berio (1925-2003) die Klangfarben, auch durch spieltechnische und manuelle Aktionen am Instrument, längst für sich entdeckt. Die "Sequenza VIII" für Violine solo ist durch ungeheure Intensität gekennzeichnet, Akkordspiel auf allen vier Saiten der Violine weicht schnellem Bogentremolo und äußerster Lautstärke, auch in höchsten Höhen. Aber nach wüsten Passagen über das ganze Instrument gibt es in einem großen lyrischen Teil mit melodischen Fetzen vollkommene Ruhe. Nicht nur Festivalleiter Rainer Wiertz animierte dieses Spiel zu Bravo-Rufen.

Dazu passte ganz wunderbar die "Sonate für Violine solo", die Béla Bartók 1944 für Yehudi Menuhin komponierte. Mikrotöne im letzten Satz hielt Menuhin damals für unspielbar, aber er kannte Barnabás Kelemen noch nicht. Und weil die vierstimmige Fuge (2. Sazu) von Johann Sebastian Bach inspiriert ist, spielte der Solist dessen "Partita Nr. 2 d-Moll" mit großer Konzentration, von der düsteren "Allemande" bis zur monumentalen "Ciaconna". Das barocke Kunstwerk verlangt auch von heutigen Interpreten höchste spieltechnische Anforderungen, die Barnabás Kelemen zur Begeisterung des Publikums vollkommen erfüllte.

Das Inselfestival gibt aber vor allem der Ensemblemusik viel Raum. So gastierte erneut das Freiburger "ensmble recherche" auf der Insel, und auch mit dem "Asasello-Streichquartett" gab es ein Wiederhören. Im Mittelpunkt standen Werke von Hans Zender (80) und György Kurtág (90). Beide sind dem Inselfestival seit vielen Jahren verbunden. Hans Zender hat sich neben seinen vielfältigen Verpflichtungen als Dirigent besonders einen Namen als Komponist literarisch fundierter Ideen gemacht. In Hombroich kamen sein "Hölderlin lesen I" (1979) für Streichquartett und Sprecher sowie "Hölderlin lesen III" (1991) zur Aufführung. An die Spannung, mit der das Asasello-Quartett die kammermusikalische Ästhetik Zenders zelebrierte, kam Bert Hahn (Sprecher) selten heran. Die kurzen Sätze der beiden Kurtág-Werke - "Officium breve" (1989) und "Zwölf Mikroludien" (1978) - spielte das Quartett akademisch genau, aber emotionslos. Richtig schön war nur das gesungene "Larghetto" des ersten Werkes. Natürlich gab es diesmal auch die bereits legendäre Klangwanderung auf der Insel. Einst noch zu Studentenzeiten in Neuss entdeckt, hat das "Signum Saxophon-Quartett" in den letzten Jahren die Welt erobert. Auf Hombroich spielten sie in Grünem Pavillon und Rosa Haus und entzückten ihre Mitwanderer mit vornehmlich zeitgenössischer Musik.

Quelle: NGZ
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