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Neuss
Eine Markthalle in der Schraubenfabrik?

Neuss: Eine Markthalle in der Schraubenfabrik?
Die alte Mälzerei im Düsseldorfer Hafen führt das Forum Stadtentwicklung als Beispiel eines gelungenen Miteinanders von alter Industriearchitektur und Moderne an. FOTO: A. Bretz
Neuss. Der Initiativkreis Nordstadt und das Forum Stadtentwicklung der Neuss-Agenda fordern, in dem geplanten neuen Quartier Teile der Industriearchitektur zu erhalten. Mittwoch berät der Planungsausschuss über das Thema. Von Christoph Kleinau

Der Initiativkreis Nordstadt und das Forum Stadtentwicklung der Neuss Agenda schlagen jetzt Pflöcke ein. Kurz bevor sich der Planungsausschuss am kommenden Mittwoch (20.) mit der Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs zur Überplanung der ehemaligen Schraubenfabrik Bauer & Schaurte beschäftigt, formulieren sie ihre Erwartungen aus Bürgersicht. Ganz oben steht dabei das Thema Identifikation auf der Liste.

Zur Identitätsstiftung, so heißt es in den Ausschreibungsunterlagen, könnten auch "ausgewählte Bestandsmaterialen" oder zukünftige Straßennamen in dem neuen Quartier beitragen, doch das ist namentlich dem Initiativkreis Nordstadt um Jochen Goerdt, Heinrich Thiel und Ingrid Schäfer zu wenig. Er fordert ein "deutliches Zeichen" vom Werk und damit von mehr als 140 Jahren Neusser Stadt- und Industriegeschichte zu erhalten - über den zentralen Teil der Fassade des alten Verwaltungsgebäudes an der Further Straße hinaus.

Von den vielen Werkshallen ist nach Ansicht des Initiativkreises dafür die Halle am südlichen Rand des Geländes geeignet, die das Landesamt für Denkmalpflege als erhaltenswert bezeichnet hat. Sie liege leicht zugänglich gegenüber dem heutigen Jobcenter und "gleicht im Querschnitt einer kleinen Kathedrale". Mit ihrer fast filigranen Konstruktion, zusätzlichen Schmiedearbeiten und schön strukturierten Fensterfluchten gehört sie vermutlich zu den ältesten der nach der Firmengründung im Jahr 1876 entstandenen Gebäude. Die Halle sei ein exemplarisches Beispiel für gelungene Industriearchitektur jener Zeit und habe offensichtlich nicht nur der Produktion, sondern auch der Repräsentation gedient, betont der Initiativkreis und wird dann konkret: "Mit einer durchlässig eingezogenen Zwischendecke, die den Gesamteindruck der Konstruktion erhält, wäre das Bauwerk hervorragend geeignet, in einem gemischten Quartier eine Markthalle, ein Restaurant oder Ähnliches aufzunehmen." Von der ersten Etage aus ließe sich das gesamte Gelände des Hauptbahnhofs überblicken, und die Stadt gewänne eine Attraktion.

In die gleiche Richtung denkt auch das Forum Stadtentwicklung um Roland Kehl und Heinz Hick, das in jüngster Sitzung die Stellungnahme des Landesamtes zum möglichen Erhalt einiger Gebäudeteile diskutierte. Man erwarte, dass die 24 Teams, die am städtebaulichen Wettbewerb teilnehmen, kreative Ideen entwickeln, erklärt Kehl. Er selbst hat sich im Düsseldorfer Hafen nach Beispielen einer gelungenen Integration historischer Industriebausubstanz in ein modernes Quartier umgesehen und führt dazu die alte Mälzerei als Beispiel an. Dass das Landesamt nach intensiver Prüfung eine Denkmalwürdigkeit der Gesamtfabrik verneint, den Erhalt von zwei Hallen und einem Fassadenteil aber empfiehlt, hat nach Hicks Darstellung einen echten Vorzug: "Der Status erhaltenswert bietet letztendlich mehr Freiheiten bei der künftigen Nutzung, als ein restriktiver Denkmalschutz."

Von Erhalt historischer Bausubstanz ist auch im Ausschreibungstext die Rede. Er sei aus ortsgeschichtlichen Gründen wünschenswert und im Wettbewerb zu prüfen.

Quelle: NGZ
 
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