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Neuss
Eine neue Schul-Welt kennengelernt

Neuss: Eine neue Schul-Welt kennengelernt
Kathrin Müller und Bettina Goßmann mit dem Schulleiter der Schule, Nteziyaremye Amando. FOTO: Stadt Neuss
Neuss. Lehrerinnen des Quirinus-Gymnasiums haben Partner in Uganda besucht und die Hilfs-Projekte begutachtet. Von Jascha Huschauer

Kathrin Müller (50) ist immer noch beeindruckt, wenn sie sich an ihre Herbstferien erinnert. "Die zwei Wochen fühlen sich an wie ein Film, in dem man spazieren kann", sagt sie. Müller unterrichtet Englisch und Biologie am Quirinus-Gymnasium und organisiert die Vokabel-Olympiade der Schule. Ähnlich wie bei einem Sponsorenlauf wird dabei Geld für jede gelernte Vokabel gespendet. Das Motto lautet: "Lernen, damit Kinder lernen können."

Denn das "zusammengelernte" Geld spendet die Schule an den Verein "Miteinander für Uganda". Der ermöglicht rund 150 Kindern ihre Schul- und Berufsausbildung, fördert Projekte an Krankenhäusern und Schulen in Uganda. Regelmäßig besuchen Mitglieder des Vereins das ostafrikanische Land - auf eigene Kosten natürlich. Dieses Mal waren auch zwei Lehrerinnen des Quirinus-Gymnasiums mit dabei. Müller begleitete die stellvertretende Schulleiterin Bettina Goßmann (45). "Wir wollten zeigen, was mit dem Geld passiert", sagt Anja Mecking (44), die Vorsitzende von "Miteinander für Uganda". Vier Schulen haben die drei Frauen in Uganda besucht. Zwei Grundschulen, zwei Gymnasien. Die beiden Lehrerinnen haben auch hospitiert und unterrichtet. "Das war ein Erlebnis", sagt Goßmann, "Ich stand vor 52 Kindern und musste die nicht ein Mal zur Ruhe ermahnen." Die Disziplin ist trotz der widrigen Bedingungen enorm. Schulbücher werden nach dem Unterricht wieder eingesammelt. Gelernt wird von 5 bis 22 Uhr. Unterrichtssprache ist Englisch.

Neusser zu Besuch in Afrika: Auf dem Gruppenbild zu sehen sind Schülerin Anne-Sophie Müller (4. v.l.) und Marliese Arns vom Verein "Miteinander für Uganda (2. v.l.) mit den Briefpartnern der St. Paul's Secondary School in Uganda. FOTO: Bettina Goßmann/Stadt Neuss

Die Schulpflicht endet in Uganda nach der 7. Klasse. Dann müssen Eltern ein Schulgeld aufbringen, damit das Kind einen Realschulabschluss oder Abitur machen kann. Vielen ist das in dem von Armut gezeichneten Land nicht möglich. "Ein Sozialsystem gibt es dort nicht. Dafür stehen Familien viel enger zusammen", sagt Anja Mecking. Eine viel stärkere Solidarität als in Deutschland könne man dort erleben. Und dann ist da noch die Hilfe des Neusser Vereins. "100 Prozent der Spenden kommen an", sagt Mecking. Viel Dankbarkeit gebe es und eine enorme Gastfreundschaft. "Ich habe sehr emotional reagiert", sagt Bettina Goßmann. Nicht nur einmal seien sie in eine Hütte eingeladen worden, in der in Deutschland niemand leben würde. Doch die Bewohner seien voller Stolz gewesen. "Ich dachte, ich kann nur noch losheulen", sagt Goßmann, "die Dankbarkeit für unsere Spenden ist nur schwer auszuhalten."

Auch die Schüler sollen von dem Besuch der Lehrkräfte profitieren. So haben die Lehrerinnen dort einen Film vom Schulalltag in Uganda gedreht. Außerdem wurden Brieffreundschaften zwischen Schülern des Quirinus-Gymnasiums und Uganda initiiert. "Es relativiert die eigenen Probleme gewaltig, wenn man gesehen hat, wie die Menschen dort leben", sagt Müller. Die zwei Wochen seien eine intensive Erfahrung, die sie noch lange verarbeiten müsse. "Manchmal blicke ich jetzt auf unser Land und frage mich: Was machen wir hier eigentlich?"

Blick in das Klassenzimmer der Secondary School: die Schüler beim Schulunterricht in der achten Klasse. FOTO: Bettina Goßmann
Quelle: NGZ
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