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Neuss
Eine Pfanne namens Neuss

Neuss: Eine Pfanne namens Neuss
Neuss. Ein Bratpfannen-Set, Sockelleisten und eine Lufthansa-Maschine - viele Firmen setzen auf den Namen "Neuss". Eine Spurensuche.

Eigentlich jammerschade, dass es selbst das Internet am Ende nicht raushaut. Wenn sich noch ein passendes Rezept "Rührei à la Neuss" fände, wäre das Quirinus-Stadt-Frühstück schließlich komplett: Die Bratpfanne, die zu Hause das Arsenal an Küchenutensilien komplettiert, trägt schließlich den schönen Produktnamen "Neuss", der Pfeffer- und Salzstreuer bekam von Marketingstrategen denselben Namen verpasst, das Öl fürs Frühstücksrührei in der Pfanne liefert die heimische Ölmühle, und die Eier stammen von - so suggeriert es zumindest die Verpackung - glücklichen Hühnern aus der Region. Fehlt halt nur noch ein Rührei-Rezept à la Neuss, vielleicht mit einer speziellen Kräutermischung aus dem Gewürzhaus. In der Marken- und Produktwelt aber ist der Name "Neuss" ziemlich omnipräsent. Aber wie viel Neuss gibt es da eigentlich? Und warum ist das so?

Einer, der es wissen muss, ist Oliver Schöne. Er ist zweiter Geschäftsführer der Solinger Firma "Carl Schmidt Sohn", die das aus gepresstem Aluminium gefertigte Bratpfannen-Set "Neuss" im Portfolio hat. Die Pfannen gibt es bislang in drei Größen: mit 20, 24 und 28 Zentimeter Durchmesser. Der Name allerdings hat einen ganz pragmatischen Hintergrund. "Bei Städtenamen handelt es sich nicht um geschützte Marken", erklärt Schöne. "Viele Unternehmen setzen daher auf Städtenamen für ihre Produkte. Es steckt also leider in der Regel keine hübsche Geschichte nach dem Motto dahinter: Wir nennen das jetzt zum Beispiel Neuss, weil es dort so eine schöne Innenstadt oder Fußgängerzone gibt." Vielmehr sparen sich die Unternehmen einen mitunter langwierigen Prüfungsprozess, ob ein Produktname möglicherweise bereits von einem anderen Unternehmen geschützt ist. Bei Städtenamen fällt dies weg. Das erklärt, warum es zum Beispiel so viele Bettwäsche-Sets "Berlin" gibt - weil dafür kein juristischer Streit ums Namensrecht droht.

Wer in Super- und Baumärkten oder im Internet nach "Neuss"-Produkten stöbert, findet daher ein durchaus nennenswertes Quirinus-Produktuniversum. Für Camper gibt's zum Beispiel die abwaschbare Tischdecke "Neuss" und das dazu passende Stuhlkissen. Für Heimwerker, die ihrem Fußboden zu Hause den passenden Rahmen verleihen möchten, findet sich die Sockelleiste "Neuss" - ganz schön weltstädtisch mit sogenanntem "Berliner Profil". Und vor fünf Jahren gab es sogar mal eine WC-Anlage, die vom Hersteller auch - aber nicht offiziell - als Modell "Neuss" bezeichnet wurde. Die offizielle Bezeichnung lautete "C-WC 0 140". Der Zusatz "Neuss" findet sich inzwischen nicht mehr auf der Internetseite des Herstellers.

Richtig Werbung - sozusagen im ganz großen Geschäft - macht derweil die Lufthansa mit ihrem Mittelstreckenjet "Neuss". Der ist seit 2014 als Nachfolger der gleichnamigen Lufthansa-Maschine "Neuss" unterwegs, die am 9. November 1989 - dem Tag des Mauerfalls - von Dorothee Reinartz, der Gattin des damaligen Bürgermeisters Bertold Reinartz, mit Quirinus-Sekt getauft worden war. Diese Maschine vom Typ Boeing 737-300 war vor 2010 außer Dienst gestellt worden - nach einem erfüllten Flugzeugleben. Am 4. Dezember 1986 offiziell in Dienst gegangen, kam die Maschine mit der internationalen Flieger-Kennung D-ABXL, die 23 Jahre mit dem Namen Neuss am Bug unterwegs war, auf 50.876 Starts und - natürlich - genausoviele Landungen.

Für die Stadt sind die Produkte mit dem Namen "Neuss" eine hübsche Außenwerbung - wenn man mal von dem Ausrutscher mit dem Toiletten-Modell absieht.

Andreas Buchbauer

Quelle: NGZ
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