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Neuss
Eine Zeitreise in die Geschichte des Quirinus-Gymnasiums

Neuss: Eine Zeitreise in die Geschichte des Quirinus-Gymnasiums
Martin Flecken (l.) ließ die Teilnehmer an der spannenden Geschichte des Quirinus-Gymnasiums teilhaben. FOTO: Georg Salzburg
Neuss. Martin Flecken beleuchtete jetzt im Rahmen einer Führung die wechselvolle Geschichte der Schule, die in diesem Jahr ihr 400-jähriges Bestehen feiert. Dabei standen auch Gebäude im Mittelpunkt. Von Rudolf Barnholt

1616 nahmen die Jesuiten den Unterricht an der Oberstraße auf - sie legten damit den Grundstein für ein Gymnasium, das erst im Jahre 1930 den Namen "Quirinus-Gymnasium" bekommen sollte. Etliche Standorte, unterschiedliche Schulträger: Martin Flecken - ein Ehemaliger der Schule - beleuchtete jetzt im Rahmen einer Führung die wechselvolle Geschichte der Bildungseinrichtung, die in diesem Jahr ihr 400-jähriges Bestehen feiert.

Die Veranstaltung im Rahmen der Reihe "CDU Neuss unterwegs" war höchst informativ. Erste Station: Das Jesuiten-Türmchen, erbaut im Jahre 1615. Von hier bis zur Rottelsgasse erstreckte sich einst das Schulgebäude der Jesuiten. Der erste Bruch in der Geschichte des Gymnasiums erfolgte im Jahre 1773: Der damalige Papst verbot den Jesuitenorden - 1814 wurde dieses Verbot wieder aufgehoben. Die Schule ging jedoch 1773 nahtlos in die Trägerschaft der Franziskaner über. Unterrichtet wurde in einem Gebäude neben dem Zeughaus. Die Räumlichkeiten waren sehr beengt, als Aula diente bei Bedarf ein Saal in einem Kaufhaus wenige Meter entfernt.

In der Franzosenzeit und der mit ihr einhergehenden Säkularisation erfolgte nach und nach der Wechsel in staatliche Trägerschaft. "Cole deum" - verehre Gott - stand über dem Portal der Schule. "Deshalb sagte man auch: ,Ich gehe aufs Cole Deum'", erklärte Martin Flecken. Nach den Franzosen kamen die Preußen: Die verboten nicht nur den Französischunterricht, sondern errichteten 1888 ein stattliches Gebäude für das Quirinus-Gymnasium an der Breite Straße. Es wird heute als Sitz des Amtsgerichts genutzt. In lateinischer Sprache sind dort einige weise Sprüche verewigt, Martin Flecken übersetzte sie: Da steht zum Beispiel "Müh' dich eifrig, wenn du glänzen willst". Oder "Jeder wird seinen Lohn finden, der die Sitten der Väter pflegt."

Die Teilnehmer der Führung erfuhren unter anderem, dass der prominente, mittlerweile verstorbene Historiker Ernst Nolte zwei Jahre am Quirinus-Gymnasium unterrichtet hatte. Der damalige Schulleiter Dr. Eugen Söhngen hatte den Neubau des Gymnasiums an der Sternstraße begleitet. 1979 wurde der schmucklose Beton-Bau seiner Bestimmung übergeben. Der Schulleiter zu dieser Zeit hieß Ulrich Schwarz. Es folgten Dr. Johannes Hamacher und Ulrich Dauben, der aktuelle Schulleiter.

Martin Flecken ging intensiv auf ein Gebäude ein, das genau gegenüber der Schule an der Sternstraße liegt und auch zu Schulzwecken genutzt wird: "Errichtet wurde das Haus um 1910 als "Katholisches Gesellenhaus" für die Kolpingsfamilie." Peter Behrens, von dem die Entwürfe stammen, war damals der angesagteste Jugendstil-Architekt. Nicht minder prominent: "Die Fenster in der Kapelle sind ein Kleinod - sie sind das Werk von Jan Thorn-Prikker."

Übrigens: Zum Voll-Gymnasium wurde das Quirinus-Gymnasium erst im Jahre 1852 - bis dahin hatten Absolventen nicht die Berechtigung, unmittelbar nach Verlassen der Schule zu studieren. Nach der Zeit der Jesuiten und Franziskanern wurde die Neusser Traditionsschule ein königliches und später ein staatliches Gymnasium - in die Trägerschaft der Stadt Neuss ging es erst 1974 über. Und im Jahre 1991 war der Beschluss gefasst worden, dass auch Mädchen dieses Gymnasium besuchen dürfen.

Quelle: NGZ
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