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Neuss
Einmal im Monat wird der Kunstraum zur "Lesebühne"

Neuss. Die Künstlerin Vera Henkel möchte ein Forum für Neusser Autoren etablieren. Auftakt ist am kommenden Sonntag. Von Helga Bittner

Fünf Minuten - so viel Zeit darf sich jeder nehmen, um auf der "Lesebühne" im Kunstraum Texte vorzustellen, eigene oder fremde. Vielleicht sind es auch nur viereinhalb Minuten, denn eine Kurzvorstellung der eigenen Person gehört zu Beginn dazu. "Zumindest den Namen sollte man nennen", sagt Vera Henkel lächelnd, die mit der "Lesebühne" einen langgehegten Plan umsetzt und sie auch moderieren wird.

Das Konzept übernimmt sie von einer Veranstaltung, die vor etlichen Jahren in Düsseldorf als Poetry Café großen Erfolg hatte. Lange bevor die Poetry Slams in Mode kamen und auch mit einer ganz anderen Ausrichtung, sagt Henkel. Während bei den Slammern die Performance wichtig ist, der Gesamtauftritt vom Publikum gar bewertet wird, geht es bei der "Lesebühne" nur um das Wort, nicht um die Selbstdarstellung. Daher macht Henkel auch jedem Vorleser zur Bedingung, zunächst einen Fremdtext vorzustellen. "Das lockert auf", sagt sie "und nimmt auch die Aufregung." Ob es sich dabei um ein Gedicht oder ein kurzes Prosastück handelt, sei jedem selbst überlassen. Zudem wird sie sicherheitshalber selbst auch ein paar Texte bereithalten. Allerdings geht auch dieser Vortrag von den fünf Minuten ab. Henkel wird mit Stoppuhr darauf achten.

Vier Blöcke mit jeweils 15 Minuten und im Wechsel von drei Lesungen und Pause zum Reden und Austauschen schweben ihr vor, aber: "Beim ersten Mal lasse ich alles auf mich zukommen." Gleichwohl soll die "Lesebühne" eine Dauereinrichtung im Kunstraum (mit Unterstützung der Gastronomie Trafostation) werden, der nächste Termin steht auch schon fest: 24. April. Danach soll es einmal im Monat sonntags weitergehen.

Beim Kulturamt hat sie mit ihrer Idee offene Türen eingerannt, beim Verein der Freunde und Förderer des Kunstraums ebenso; nun hofft sie darauf, dass sich auch Vortragende und Publikum finden. So bewirbt sie ihre "Lesebühne" vor allem damit, dass sie für jeden Autor der perfekte Rahmen ist, seine Texte einem größeren Kreis vorzustellen. Henkel erwartet schon eine gewisse Qualität, schreibt das Genre nicht vor, aber will keinen Trash. Wer wann lesen wird, entscheidet der Zufall: Jeder, der kommt, wirft einen Zettel mit seinem Namen in einen Hut und wird von Vera Henkel im Laufe der Veranstaltung gezogen.

Die ausgebildete Grafikerin schreibt selbst seit vielen Jahren, hat schon als 19-Jährige angefangen und 1996 den "Open Mike" in Berlin gewonnen, war in der Düsseldorfer Literaturszene um Rolfrafael Schröer sehr aktiv, hatte Stipendien in Schöppingen, bevor sie vor mehr als 15 Jahren mit ihrem damaligen Mann nach Portugal ging. Vor drei Jahren kam sie zurück, landete in Neuss, wo ihre Eltern lebten. "Aber ich kann nur kurz", sagt sie lachend über ihre Schreiberfahrungen. Maximal eineinhalb Seiten umfassen ihre Texte, die mal skurril, mal berührend sind. "Jedes Wort muss sitzen", sagt sie, die stark darauf achtet, dass ihr Texte Rhythmus und Takt haben, und lachend zugibt: "Ich bin ein radikaler Streicher."

Info Deutsche Straße, Sonntag, 20. März, 17 Uhr, Eintritt 1,99 Euro

Quelle: NGZ
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