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Neuss
Eldering-Ensemble überzeugt im Sels-Saal

Neuss. Die Musiker erinnern an den einstigen Konzertmeister im Gürzenich-Orchester, Bram Eldering, der auch Lehrer am Kölner Konservatorium war. Ensemble-Mitgründerin Jeanette Gier stammt aus Neuss. Von Hansgeorg Marzinkowski

Das Eldering Ensemble wurde 2007 von Jeanette Gier aus Neuss und dem Australier Simon Monger in Paris gegründet. Seit Herbst 2013 gehört die in Vilnius (Litauen) geborene Sandra Urba zum Ensemble und ist feste Größe des Klaviertrios. Je nach Programm konzertieren im Ensemble aber bis zu zehn Musiker. Bereits im vergangenen Jahr feierten die Musiker in Neuss den 150. Geburtstag von Bram (Abraham) Eldering (1865-1943) - sozusagen als Generalprobe, um anschließend am 5. Juli in einem spektakulären Konzert in der Kölner Flora den holländischen Virtuosen und prägenden Violinpädagogen seiner Zeit zu würdigen. Dort war Bram Eldering, seit 1903 Konzertmeister im Gürzenich-Orchester und Lehrer am Kölner Konservatorium, bei einem Bombenangriff am 17. Juni 1943 tödlich getroffen worden.

Damals gab es schon Beziehungen zu Neuss, denn Bram Eldering war der Lehrer des Neusser Violinisten und Mendelssohn-Preisträgers August Kreuter - er ist der Großvater von Jeanette Gier. Jetzt war das Ensemble wiederum in Neuss, um mit Unterstützung der Musikschule das Jubiläumsprogramm auf CD einzuspielen.

Ein Sonderkonzert im Pauline Sels-Saal des Romaneum am Rande der Produktion war eine vielversprechende Offenbarung. Vogelstimmen aus dem australischen Busch empfingen die Zuhörer, denn das erste Werk des Abends war ein gleichermaßen betörender Auftakt. Der 1969 geborene australische Komponist Paul Stanhope ließ sich von Vogelstimmen und der Hymne "My Song is Love Unknown" von Samuel Crossman (1664) zu einem hinreißenden Klavierquartett animieren. Die Hymne hatte Stanhope im Jahre 2000 in London von John Ireland an der Orgel gehört. Immer ist die Hymne voll Mitleid und Pathos in dem rhythmisch variablen Werk als Ruhepol präsent.

Zum kongenialen Spiel des Trios gesellte sich als Gast Andra Darzins (Viola), die als Professorin an der Musikhochschule Stuttgart unterrichtet. Sie gestaltete auch das "Trio für Violine, Viola und Violoncello" von Jean Francaix (1912-1997) mit, das trotz rhythmisch sehr schwieriger Eskapaden witzig ist. Das "Scherzo vivo" mutiert zur Harlekinade. Bram Eldering hat oft mit Johannes Brahms konzertiert. Sein "Klavierquartett g-Moll" (op. 25) passte wunderbar in das Programm. Brahms komponierte vom Klavier her, und auch deshalb konnte man sich über das exzellente Auskosten des über weite Strecken dominierenden Klavierklangs im Spiel von Sandra Urba erfreuen. Im ausgezeichneten Zusammenspiel wurde das Finalrondo "alla Zingarese" zu mollgefärbter exotischer Zigeunermusik.

Quelle: NGZ
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