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Misshandelter Elfjähriger aus Neuss ist tot
"Wir haben einen Mörder in der Familie"

Elfjähriger aus Neuss ist tot: "Wir haben einen Mörder in der Familie"
Der Ort des Gedenkens am Ladenzentrum ist nun ein Ort des Abschieds. Der misshandelte Junge ist tot. FOTO: woi
Um 16.04 Uhr schlief der misshandelte elfjährige Junge am Dienstag in der Düsseldorfer Uni-Klinik ein. Tatverdächtig ist ein Onkel, gegen den die Staatsanwaltschaft nun wegen Mordes ermittelt. Die Politik diskutierte am Abend Konsequenzen. Von Christoph Kleinau und Simon Janssen, Neuss

Die Nachricht vom Tod des elfjährigen Jungen, der am 5. Oktober mit schwersten Misshandlungen in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses leblos aufgefunden worden war, schockierte am Dienstagabend die Teilnehmer der Stadtteilkonferenz. Sie schlossen jede Öffentlichkeit aus, setzten alle anderen Tagesordnungspunkte ab. "Tiefste Betroffenheit", schilderte Sozialdezernent Ralf Hörsken die Stimmungslage.

Apparate wurden abgeschaltet 

Um 16.04 Uhr am Dienstagnachmittag starb der Junge - und mit ihm der letzte Hoffnungsfunke der Familie. Am Mittag war das Kind noch einer letzten ärztlichen Untersuchung unterzogen worden, danach hieß es, wie ein Verwandter der NGZ schildert, "dass es das Gehirn nicht mehr schafft". Nach und nach seien dann die lebenserhaltenden Apparate abgeschaltet worden und das Kind am Ende "friedlich eingeschlafen". Bis zuletzt habe seine Mutter, die mit dem getrennt lebenden Vater und einigen wenigen Familienmitgliedern am Krankenbett saß, die Hand ihres Sohnes gehalten.

Bürgermeister Reiner Breuer diskutierte am Dienstagabend mit der Stadtteilkonferenz über mögliche Lehren aus diesem Fall. FOTO: Woitschützke Andreas

Am Abend, als die Stadtteilkonferenz über Konsequenzen aus dieser Tat diskutierte, kam der engste Familienkreis zusammen. "Wir wollen in kleiner Runde versuchen, damit irgendwie fertig zu werden", sagt der Verwandte. Mit dem Tod und mit der Tatsache "dass wir jetzt einen Mörder in der Familie haben".

Onkel hat die Tat gestanden

Dringend tatverdächtig, den Elfjährigen gequält und lebensgefährlich verletzt zu haben, ist ein 41-jähriger Onkel des Jungen. Er hat die Tat gestanden, sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Er muss sich nun mit einem ganz neuen Tatvorwurf auseinandersetzen. Denn wie Staatsanwalt Martin Stücker auf Nachfrage mitteilte, wird gegen den Weckhovener nun wegen Mordes ermittelt. Bis zum Tod des Kindes hatten die Ermittler die Tat noch als versuchten Mord eingestuft. Nun droht dem Mann lebenslange Haft.

Der Elfjährige war nach der Trennung seiner Eltern vor vier Jahren zu seinen Großeltern gezogen. Der Großvater lebt inzwischen in einer Pflegeeinrichtung in Mönchengladbach, und auch die Großmutter war zuletzt häufig krank. Vor zehn Wochen war sie in die Wohnung ihres ältesten Sohnes nach Weckhoven gezogen und hatte den Jungen mitgenommen. Als sie wieder ins Krankenhaus musste, hat nach Überzeugung der Angehörigen das Martyrium des Jungen begonnen.

Politik debattiert über Konsequenzen

"Wir müssen erst einmal verarbeiten, dass der Junge gestorben ist", sagte Bürgermeister Reiner Breuer, der am Dienstag an der Stadtteilkonferenz teilnahm. Er wollte deutlich machen, dass "in Weckhoven keine Perspektivlosigkeit herrscht", sagte Breuer. Es werde viel gemacht, nun gehe es darum, die Stadtteilarbeit, die gute Noten verdient habe, "weiter zu optimieren."

Ein Element dazu ist das Programm "Kein Kind zurücklassen", mit dem kommunale Präventionsketten aufgebaut werden sollen. Dieses Projekt soll modellhaft in Weckhoven gestartet werden. Ein weiteres Element ist, dass die Streetwork-Arbeit wieder intensiviert wird. Die immer wieder vorgebrachte Bitte der Stadtteilkonferenz, für diese aufsuchende Sozialarbeit einen "eigenen" Sozialarbeiter und nicht nur stundenweise "Feuerwehrkräfte" im Ort zu haben, wird mit Annika Schmitz eingelöst. Die 28-Jährige trat am Montag ihre Arbeit in Weckhoven an.

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Quelle: NGZ
 
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