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Neuss
Entscheidung gegen das Priesteramt - aus Liebe

Neuss: Entscheidung gegen das Priesteramt - aus Liebe
Peter Josef Dickers (77) besuchte das Quirinus-Gymnasium in Neuss, wo er 1959 das Abitur ablegte. Danach studierte er Theologie. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Peter Josef Dickers war Priester und Lehrer, doch eine Frau veränderte seine Lebensplanung. In einem Buch berichtet der 77-Jährige darüber. Von Elisabeth Keldenich

Sein Lebensweg führte ihn vom Kännchen bis zum Kelch, vom Messdiener bis zum Priesterberuf, um dann in eine beinahe 40 Jahre andauernde Ehe zu münden, ohne dass der Kontakt zur Kirche verloren ging. Die Geschichte von Peter Josef Dickers (77) pendelte wahrlich zwischen diversen Polen hin und her, bis sie wieder ihren Rhythmus gefunden hatte. Der Titel seines jetzt im Selbstverlag erschienenen Buches lautet deshalb "Die Pendeluhr - Stationen erinnerungswürdiger Jahre".

Dickers wurde in Büttgen geboren und besuchte als Einziger seiner Klasse das Quirinus-Gymnasium in Neuss, wo er 1959 das Abitur ablegte. Zunächst wollte er Kunst studieren, entschied sich dann aber für die Theologie. "Ich war von Kindesbeinen an in der Kirche aktiv und hatte guten Kontakt zu den ortsansässigen Priestern", erinnert sich Dickers. Nach Stationen in Bonn, Köln, Düsseldorf und Fribourg/Schweiz empfing er 1965 im Kölner Dom die Priesterweihe. Seine erste Kaplanstelle führte ihn nach Leverkusen-Schlebusch. "Dort war ich auch als Religionslehrer tätig, obwohl ich gar keine pädagogische Ausbildung besaß. Aber offensichtlich wurde es einem Priester zugetraut, auf jeden Fall Religionsunterricht geben zu können", sagt Dickers schmunzelnd. 1969 wurde er Kaplan an St. Quirin und wechselte nach einem zusätzlichen Pädagogikstudium hauptamtlich in den Schuldienst. Doch dann "begegnete ich einem Menschen, der meine Lebenspläne in Frage stellte", schreibt er in seinen Erinnerungen.

Die Begegnung mit seiner späteren Frau Veronika (heute 82) drängte zu einer Entscheidung, da er die neuen Erfahrungen nicht missen wollte, aber ein Verlassen der Kirche grundsätzlich nicht in Frage kam. In dem damaligen Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner fand er einen verständnisvollen Gesprächspartner. "Er hat verstehenden Beistand geleistet und mir neue Wege aufgezeigt", sagt Dickers. Seine Frau ergänzt: "Wir wollten keine Geheimnistuerei, die hätten wir nicht ertragen". Eine Rückversetzung in den Laienstand bedeutete aber auch den Verlust der Missio Canonica, der kirchlichen Lehrerlaubnis. "Die Schule war in einem Dilemma, denn sie wollte mich gerne behalten", erzählt Dickers. Auch eine kirchliche Heirat wäre so nicht möglich gewesen. Nach einigem Hin und Her versetzte Papst Paul VI. Dickers 1977 in den Laienstand.

Höffner legte ihm nahe, beim Nachbarbistum Aachen um eine Erneuerung der Missio nachzufragen. Der damalige Bischof Klaus Hemmerle gab dem sofort statt und Dickers heiratete im selben Jahr nicht nur seine Frau kirchlich, sondern unterrichtete fortan an einer Berufsschule in Kempen-Krefeld. "Manche Freunde wandten sich ab. Dafür gab es neue", erinnert sich das Ehepaar, das kinderlos blieb.

Seit seiner Pensionierung hat Dickers das Schreiben, das auch der Verarbeitung dient, intensiviert und fährt im Sommer als Vorleser auf Flusskreuzfahrten mit. "Dort bringe ich den Menschen durch meine Texte Religion nahe und bin somit im weitesten Sinne als Seelsorger aktiv", erklärt er. Offiziell darf er vieles nicht mehr, was ihm der Nachfolger Höffners, Joachim Kardinal Meisner, unmissverständlich klar gemacht hat.

"Was ich ehrenamtlich tue, hänge ich nicht an die große Glocke", sagt Dickers und lächelt verschmitzt. Er ist mit sich im Reinen. "Im Leben bin ich kein anderer geworden. Viele Seitenwege haben zu dem Ziel geführt, dass die Kirche weiterhin ein Zuhause geblieben ist".

Quelle: NGZ
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