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Neuss
Erinnerung an ermordete Juden in Neuss

Neuss. Am Mahnmal von Ulrich Rückriem für die getöteten Juden wurde der Pogromnacht gedacht. Von Helga Bittner

Wenn diese Mehrheitsverhältnisse symptomatisch sind, muss einem nicht bange sein um die Zukunft Deutschlands. Denn deutlich mehr junge Menschen als alte hatten sich am Mahnmal von Ulrich Rückriem versammelt, um am 78. Jahrestag der Pogromnacht der ermordeten Neusser Juden zu gedenken. Die Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums, die dieses Jahr den Rahmen der Gedenkstunde gestaltet haben, wurden umrahmt von etlichen Altersgenossen anderer Schulen, die der feuchten Kälte trotzten und konzentriert auch den Wortbeiträgen von Bürgermeister Reiner Breuer und Bert Römgens von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf folgten.

Beide leiteten in ihren mahnenden Worten den Blick nach vorne - und nach Amerika. Für Breuer ist dieser Tag auch deswegen kein guter Tag, weil in den USA jemand gewählt worden sei, "der für Ausgrenzung und Abschottung steht". Und Römgens beklagte, dass "Populismus wieder salonfähig ist". Beides Klagen, die sich inhaltlich lückenlos in ihre Ausführungen zum Nationalsozialismus und zur Judenverfolgung einfügten - und wohl nicht im Redemanuskript standen.

Breuer schlug in seiner Rede auch den Bogen zum heutigen Umgang mit den Flüchtlingen, beschwor geradezu den Respekt vor dem Menschen an sich. Römgens zitierte aus dem Buch "Mein Freund Israel" von Herbert Schmidt mit den Erinnerungen des Israel Bornstein an die Deportation und die Jahre in Auschwitz.

Die Berichte des 2014 mit 100 Jahren gestorbenen Mannes waren nicht weniger eindringlich als die Geschichte des Neusser jüdischen Kantors Benno Nussbaum, die die Marie-Curie-Schüler aufgearbeitet haben und bei der Gedenkfeier vortrugen. Allesamt eine passende Unterstreichung des Satzes aus dem Talmud, der wie ein Leitmotiv wirkt: "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist."

Quelle: NGZ
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