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Nachruf auf ehemaligen Beigeordneten
Ernst-Horst Goldammer war der "Innenminister" im Rathaus

Neuss. Der ehemalige Beigeordnete Ernst-Horst Goldammer ist plötzlich und unerwartet im Alter von 70 Jahren gestorben. Er wird in seinem Geburtsort Hilden beigesetzt. In der Stadt lenkte er mehr als zwei Jahrzehnte die Geschicke mit. Von Christoph Kleinau

Sein Tod war für Freunde wie Verwandte ein Schock: Am Karsamstag starb Ernst-Horst Goldammer kurz vor Vollendung seines 71. Lebensjahres völlig unerwartet in seiner Wahlheimat Neuss. 22 Jahre hat er in der Stadt gelebt und sie als Beigeordneter mitgestaltet. Beerdigt werden allerdings möchte er in seinem Geburtsort Hilden - und zwar von "seinem" Pfarrer Franz Dohmes.

Der Seelsorger der evangelischen Christuskirchengemeinde in Neuss sagte das auch spontan und noch aus dem Osterurlaub heraus zu. Denn der Mann, der am Dienstag, 25. April, um 9.30 Uhr zur letzten Ruhe gebettet werden soll, war auch ein in der Gemeinde aktiver Christ und Gründungsmitglied sowie einige Jahre Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Neuss.

Die Nachwelt wird Ernst-Horst Goldammer aber vor allem als Beigeordneten im Verwaltungsvorstand der Stadt Neuss in Erinnerung behalten. Vor seiner Pensionierung im Mai 2011 verantwortete er die Arbeit des Bürger- und Ordnungsamtes, des Amtes für Brandschutz und des Rechtsamtes. Projekte mit Außenwirkung wie die Deicherhöhung in Grimlinghausen, die er als Dezernent 1994 durchgeboxt hatte, oder die Euroga 2000plus-Projekte waren damit nicht mehr verbunden. "Innenminister" hielt Goldammer deshalb für die treffendste Bezeichnung seiner Aufgabe. Und dass ausgerechnet dieses klassische Dezernat mit seinem Ausscheiden (vorerst) aufgelöst und aufgeteilt wurde, verstand Goldammer nie.

Im Verwaltungsvorstand war Goldammer lange der einzige Beigeordnete mit SPD-Parteibuch - und bis heute der letzte. Erst mit Holger Lachmann, der zum 1. Juli das wieder neu zusammengefügte "Goldammer-Dezernat" übernehmen wird, konnte die SPD wieder einen eigenen Kandidaten durchsetzen.

SPD-Mann wurde der Reserveoffizier Goldammer 1981, weil ihm die Haltung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt zum Nato-Doppelbeschluss imponierte. Eine Parteikarriere aber machte der Jurist, der sich selten zur Politik seiner Partei äußerte, nicht. Er machte seinen Weg im, wie er es ausdrückte, "Kosmos Rathaus" - erst in Dormagen, danach beim Rhein-Kreis und seit Februar 1989 in Diensten der Stadt Neuss.

Zu den vielen Seiten von Ernst-Horst Goldammer gehörten seine Freude am Zeichnen, sein Engagement für den Zug "Drususjünger" der Schützengilde oder sein Talent beim Automobil-Modellbau. Seine Liebe aber galt - nach Ehefrau Brigitte - der See. Goldammer, der beim Abitur Schiffsbauingenieur als Berufswunsch angab, brachte es in der Marine zum Fregattenkapitän.

Quelle: NGZ
 
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