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Neuss
Erst Hochzeit, dann Flucht aus DDR

Neuss. Eleonore und Gerhard Plucik begehen heute ihre Diamantene Hochzeit. Von Simon Janssen

Als Eleonore Plucik aus dem Zug heraus Apfelsinen und Bananen an einem Marktstand erblickte, da wusste sie, dass sie es geschafft haben. Nach einer nervenaufreibenden Flucht aus der DDR hatten sie und ihr Mann Gerhard gemeinsam mit den beiden Kindern Karla und Andreas Westberlin erreicht. Nur mit dem Nötigsten ausgestattet - große Koffer wären bei der Flucht viel zu auffällig gewesen - begannen sie 1960 in Westdeutschland ein neues Leben. Zuvor wohnten sie gemeinsam in Leipzig. "Wir hatten einfach keine Lust mehr", sagt die heute 78-Jährige über das damalige Leben in der DDR. Die Kontrollen durch den sogenannten Dorfsheriff, die mickrige Auswahl an Nahrungsmitteln - all das wollten sie hinter sich lassen.

Womöglich denkt das langjährige Ehepaar an diese schwierige Zeit zurück, wenn es heute seine Diamantene Hochzeit begeht - gefeiert wird aber erst am morgigen Freitag in der Gaststätte Gießkanne am Hamtorwall. Gemeinsam mit den Kindern Karla und Andreas sowie mit Cornelia und Heike, die in Westdeutschland zur Welt gekommen sind.

Kennengelernt hatten sich Eleonore und Gerhard Plucik (82) in einem großen Leipziger Tanzpalast. Dort waren sie sich immer wieder begegnet - bis der Funke schließlich übersprang. "Eigentlich haben wir beide gleichzeitig den ersten Schritt gemacht", sagt Eleonore Plucik. Schon ein halbes Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken, um das junge Glück perfekt zu machen.

Doch warum landeten sie ausgerechnet in Neuss? Nach mehreren kurzen Aufenthalten in verschiedenen Auffanglagern äußerte Eleonore Plucik den Wunsch, gemeinsam mit ihrer Familie in die Quirinusstadt ziehen zu dürfen - schließlich lebte ihre Mutter dort. Eine Wohnung konnte schnell organisiert werden, Gerhard fand zudem bereits nach kurzer Suche einen Job bei Fritzsche Tiefbau - wo er bis zu seiner Rente beschäftigt war.

Quelle: NGZ
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