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Neuss
Erste Hilfe für Hunde aus Rumänien

Neuss: Erste Hilfe für Hunde aus Rumänien
Sie setzen sich für die "Straßennasen" ein: Britta Heinen, Franzi Schleicher und Tatjana Ziel (v.l.). FOTO: Lothar Berns
Neuss. Der Verein "Straßennasen" an der Neusser Weyhe kümmert sich mithilfe von sogenannten Pflegestellen um rumänische Straßenhunde und vermittelt sie dann an geeignete Halter. Doch warum ausgerechnet Hunde aus Rumänien? Von Simon Janssen

Als Britta Heinen im Jahr 2011 zum ersten Mal nach Rumänien flog, veränderte sich ihr Leben. "Das Elend der Straßenhunde dort hat mich sehr bewegt", sagt die 46-Jährige. Es waren Eindrücke, die sie motivierten, selbst aktiv zu werden. Ein Jahr zuvor wurde sie von Freunden, die sich im Tierschutz engagieren, gefragt, ob sie bereit sei, einen Hund als sogenannte Pflegestelle aufzunehmen. Pflegestellen fungieren als eine Art Zwischenschritt, ehe die Hunde an geeignete Halter vermittelt werden. "Viele Leute, die sich für einen Hund interessieren, möchten ihn vorher kennenlernen. Und solange der Hund im Ausland sitzt, ist das ja leider nicht möglich. Nach dem Aufenthalt bei einer speziell geschulten Pflegestelle kann man viel besser darüber Auskunft geben, wie ein Hund sich verhält. Ob er anhänglich ist, verspielt, alleine bleiben kann oder vielleicht irgendwelche Schwierigkeiten hat", erklärt Heinen und kritisiert im gleichen Atemzug Direktvermittlungen, die ohne diesen Zwischenschritt die Tiere einfach weiterverkaufen: "Das ist gefährlich. Oft sind die Tiere sterbenskrank, und die Halter wissen nicht, was auf sie zukommt."

Nachdem sie 2010 die Hündin Mia aufgenommen hatte, reiste sie nach Rumänien. Genauer gesagt nach Guirgui nahe Bukarest, um dort Magdalena Radu zu treffen. Die ehemalige Anwältin engagierte sich bereits als Kind für Straßenhunde in ihrem Land. "Der Kontakt kam übers Internet zustande, nachdem ich Mia aufgenommen hatte. Wenig später haben wir in Rumänien unser eigenes Tierheim gebaut", sagt Heinen, die 2013 schließlich den Verein "Straßennasen" gründete, der an der Neusser Weyhe sitzt und nach Angaben von der Ersten Vorsitzenden Heinen eng mit dem Neusser Tierschutzverein zusammenarbeitet. Der Verein, der sich ausschließlich durch Spenden finanziert, holt Hunde auf eigene Kosten nach Deutschland, um sie zunächst medizinisch durchzuchecken. "Nicht jeder Hund ist der perfekte Familienhund", fügt Franzi Schleicher hinzu. Die zweite Vorsitzende hat selber mehrere Vierbeiner zuhause. Einer von ihnen ist Joshua. Er wurde einst in Rumänien angefahren und hätte eigentlich eingeschläfert werden sollen. Laufen kann er nur mit seinen Vorderbeinen. "Wir haben mehr als 3000 Euro in die medizinische Behandlung gesteckt. Wir müssen immer wieder draufzahlen", sagt Schleicher, die hinzufügt: "Als ich ihn in den Armen hielt, wusste ich, dass Joshua leben möchte, ich konnte ihn einfach nicht dort lassen", sagt sie.

Aber warum werden Hunde aus Rumänien geholt, wenn es doch auch in Deutschland viele leidende Vierbeiner gibt? Tatjana Ziel weiß, warum. "Wir haben in deutschen Tierheimen keinen Hund bekommen. Als Grund wurde uns genannt, dass mein Mann und ich berufstätig sind und ein Kind haben, das noch keine 16 Jahre alt ist. Dabei hätte ich den Hund sogar mit zur Arbeit nehmen können", sagt sie.

Aktuell bereut Tatjana Ziel als Pflegestelle ebenfalls Hunde aus Rumänien. Britta Heinen fügt hinzu: "Im Vergleich zu Rumänien herrschen in deutschen Tierheimen luxuriöse Zustände."

Quelle: NGZ
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